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Rezension: „Seiten der Welt – Nachtland“ von Kai Meyer

„Seiten der Welt – Nachtland“ von Kai Meyer (Bildquelle: Fischer FJB)

„‚Das meine ich nicht, und das weißt du auch. […] Wir haben gewusst, gegen wen wir kämpfen und welche Ziele die Akademie verfolgt. Heute wisse wir überhaupt nichts mehr. Alles ist nur noch ein schreckliches … ich weiß nicht, Durcheinander.'“ (S. 373)

Inhalt: Der Widerstand gegen die Adamistische Akademie formiert sich neu, nachdem eine ganze Reihe Exlibri Zuflucht in der Residenz von Furias Familie gefunden haben. Furia und ihre Freunde Finnian und Cat versuchen die Akademie zu schwächen, um allen Bewohnern der bibliomantischen Refugien ein friedliches Leben zu ermöglichen. Neben vielen alten Bekannten bekommt es Furia nun aber auch noch mit den Mitgliedern der Drei Häuser zu tun. Und in den Nachtrefugien steigt eine Macht empor, die alles zu verschlingen bedroht. Eine Menge Spannung ist also garantiert.

Leseeindruck: Die Story legt ein ziemliches Tempo vor. Kaum hat die Geschichte angefangen, ist man auch schon wieder mitten drin und hat kaum Zeit, sich an den ersten Band zu erinnern. Trotzdem kommt man gut rein in die Story, da an der einen oder anderen Stelle die vergangen Ereignisse nochmal mit dem Hier und Jetzt in Verbindung gebracht werden. Trotzdem muss man gerade im ersten Drittel sehr aufmerksam lesen, um den Faden nicht zu verlieren, da die Beweggründe der einzelnen Figuren recht komplex sind. Noch dazu kommen eine Menge neuer Figuren hinzu, die man zunächst einordnen muss. Wer sich von der vielschichtigen Story nicht abschrecken lässt, der wird spätestens nach der Hälfte auf seine Kosten kommen.
Viele alte Bekannte tauchen auf, mit denen man mitfiebert und eine Menge abenteuerliche Dinge erlebt. Noch dazu spielt nun auch die Vergangenheit der einzelnen Figuren eine größere Rolle. Dennoch hätte ich mir eine größere Charakterentwicklung gewünscht. Im Vergleich zum ersten Band sind hier kaum Unterschiede zu erkennen. Vielleicht liegt das auch am hohen Tempo, mit dem die Geschichte vorangetrieben wird. An der einen oder anderen Stelle hätte ich als Leser auch mal eine Verschnaufpause gebraucht, um mit den neuen Gegebenheiten klarzukommen. Gerade Isis Gemütszustand könnte mehr Raum einnehmen, da sie eine Menge aufs Spiel setzt, um sich für den Widerstand einzusetzen.
Die Vielzahl der Charaktere findet sich auch an den unterschiedlichsten Orten wieder. Durch die Sprünge, die Bibliomanten wie Furia mit Hilfe von Büchern machen können, reisen die Figuren um die ganze Welt. Das macht die Geschichte sehr abwechslungsreich und doch hatte ich am meisten Freude, sobald die Handlung in der Residenz gespielt hat.
Die Residenz strahlt eine gewisse Sicherheit aus, ich konnte also auch als Leser den Familiensitz der Rosenkreuz als Zuflucht nutzen 🙂 Das Zusammenleben der Exlibri bietet eine Menge Abwechslung und ich hätte gern noch mehr darüber erfahren. Immerhin Pip, der kleinere Bruder Furias, bleibt uns erhalten. Er ist ein liebenswürdiger kleiner Kerl, der einen ziemlich guten Draht zu den Exlibri hat. Schade nur, dass die Leselampe und der Lesesessel so selten in Erscheinung treten. Ich könnte ihnen bei ihren Streiterein ewig zuhören. Dafür sorgt Furias Seelenbuch, ein Schnabelbuch, für viele bissige Kommentare.
Es gibt so viele tolle bibliomantische Erscheinungen, da finde ich die Lösung des Hauptkonflikts doch unpassend, aber lest selbst. Zumindest ist sie schlüssig und mach definitiv Lust auf den dritten Teil. Denn man merkte diesem Band schon an, dass er einen Übergang zum Finale herstellen soll. Es bleiben eine Menge offener Fragen, auf deren Antwort wir wohl noch eine Weile warten müssen.

Lieblingsnebencharakter: Patience, der Exlibri aus dem „Nackenbeißer“-Roman, ist so ein durch und durch guter Kerl, man kann ihn einfach nur gern haben. Er ist eine Art Aufpasser besonders für Pip und nimmt seine Rolle sehr ernst. Sein Schicksal hat mich wirklich berührt, denn an ihm merkt man erstmal, was es heißt aus seiner Geschichte zu fallen. Er meistert die neue Rolle mit Hilfe seiner neuen Freunde sehr gut. Kurz und gut, er hat das Herz einfach am richtigen Fleck. Ich hoffe, wir begegnen ihm im nächsten Buch wieder.

Fazit: Mir gefällt die Idee der Geschichte. Das gedruckte Buch mit all seiner Ausstrahlung steht im Mittelpunkt. Mit Hilfe von Büchern können Bibliomanten fantastische Dinge erreichen und haben eine tolle Welt erschaffen, die nun bedroht ist. Die Geschichte ist wirklich einfallsreich und spannend mit vielen skurrilen, liebenswerten aber auch hinterhältigen Charakteren. Ich hätte mir mehr Charakterentwicklung gewünscht und dafür vielleicht den einen oder anderen neuen Charakter weniger, denn an einigen Stellen war es wirklich schwierig den Überblick zu behalten. Gerade im ersten Drittel der Geschichte gibt es einige schleppende Passagen, da der Leser auf dem Laufenden gehalten werden muss, um dann wieder durch die Story zu rasen. Dieser Wechsel hat mich ein wenig gestört. Manchmal hatte ich das Gefühl es soll zu viel Information in eine Szene gepackt werden.
Insgesamt vergebe ich gute 3 von 5 Sternen, da man der Story anmerkt, einen Bogen zum Finale zu schlagen, bleiben viele Fragen offen. Wer den ersten Band mochte, der wird einiges Neues über die bibliomantische Welt und die Adamistische Akademie lernen und viele alte Bekannte wieder treffen. Man sollte sich aber auch darauf einstellen, neue Charaktere ins Herz zu schließen.

Bewertung:
3 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Seiten der Welt – Nachtland (Seiten der Welt – Band 2)
Autor: Kai Meyer
Verlag: Fischer Verlage (Fischer FJB)
ISBN: 9783841421661
Ausgabe: Hardcover (19,99€)

Reihenabfolge:
Band 1: Seiten der Welt (Rezension)
Band 2: Seiten der Welt – Nachtland

 

 

 

Gemeinsam Lesen: „Seiten der Welt – Nachtland“

gemeinsam lesen

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Seiten der Welt – Nachtland“ von Kai Meyer aus dem Fischer Verlag. Ich bin auf Seite 135.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Sie täuschen sich in Isis.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Nachtland ist der zweite Teil der „Seiten der Welt“-Trilogie. Band 1 hat mir schon unwahrscheinlich gut gefallen (hier findet ihr meine Rezension dazu), denn es ist eine tolle Mischung aus Abenteuer, Fantasy und noch dazu ein Buch über Bücher.
Zwischen beiden Büchern liegen nur ein paar Monate und die Handlung geht auch schon wieder rasant los. Bisher gab es auch schon ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten. (Allerdings warte ich auch noch auf einige). Die Welt voller Bibliomantik, Exlibris und allen anderen fantastischen Dingen gefällt mir wirklich gut. Ich freue mich, jetzt mehr über die Drei Häuser und die Adamistische Akademie zu erfahren.

4. Wie macht ihr es wenn ihr 10 Bücher habt, und euch einfach nicht entscheiden könnt, was euer nächstes Buch wird?

Oh, leider kann ich mich sehr oft nicht entscheiden, was ich als nächstes lesen will, daher lese ich häufig mehrere Dinge parallel. (Ein Buch für die Pause, eines auf dem Nachttisch, usw.) Grundsätzlich ist es aber eine Bauchentscheidung, denn manchmal will ich sofort wieder etwas ähnliches Lesen und ein anderes Mal, suche ich Abwechslung. Es ist also wirklich schwierig diese Frage zu beantworten.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher.

Rezension: „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer

„Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer (Bildrechte: Fischer Verlage)

„Bibliomanten, die Büchern nicht mit Respekt begegneten, verloren ihre Fähigkeiten. Ließ ihre Liebe zur Literatur nach, schwand auch ihre Kraft.“ (S. 26)

Inhalt: Furia lebt in einer Welt, in der es Bibliomanten gibt. Diese Menschen können mit Hilfe von Büchern und der Liebe zu Ihnen Magie anwenden. Zum Beispiel eine Menge Energie freisetzten, oder durch Bücher von einem Ort zu einem anderen springen. Aber wie sollte es anders sein, Magie kann natürlich nicht nur Gutes sondern auch Böses bewirken. Daher versteckt sich Furia gemeinsam mit ihrem Bruder Pip und ihrem Vater auf der Familienresidenz in England vor der Adamistischen Akademie. Die Akademie kontrolliert die Bibliomanten und die Welt in der sie leben. Vor langer Zeit wurde Furias Familie aus dem engeren Kreis der einflussreichen Bibliomanten ausgeschlossen, doch die Geschichte holt alle ein. Dabei gerät Pip in Lebensgefahr und Furia begibt sich allein auf einen Feldzug gegen seine Entführer. Sie lernt Rebellen und Exlibri in den Ghettos kennen, die bereit sind alles zu tun, um die Akademie aufzuhalten.

Leseeindruck: Dies ist für mich das erste Buch von Kai Meyer. Eine gelungene Geschichte wie ich finde. Die Welt – unsere Gegenwart – in der Furia lebt, gefällt mir wirklich gut. Es gibt Refugien, die parallel zu unserer Welt existieren und von Bibliomanten geschaffen wurden. Eine Welt voller fantasischer Dinge, einem Baum an dem Lesezeichen wachsen oder Schnabelbücher. Eines dieser Refugien ist Libropolis, quasi das bibliomantische Gegenstück zu London. Dorthin gelangt man als „Normalo“ nur, wenn man ein Lesezeichen der Stadt hat. Ich mag diese vielen Einzelheiten, mit denen Kai Meyer die Welt ausgeschmückt hat. Besonders, da es der Verlag auch versteht, diese Dinge in unsere Welt zu transportieren. So lag meinem Buch ein Libropolis-Lesezeichen bei. (Wenn ich mal in London bin, wirds ausprobiert 🙂 )
In Libropolis gibt es übrigens auch eine Menge Buchläden und Antiquariate, die einen verkaufen nur Bücher eines ganz bestimmten Autors, die anderen nur Bücher mit 444 Seiten 🙂
„Bei allen Unterschieden galt in jedem Laden das eine eherne Gesetz von Libropolis: Wir versenden nichts, die Leser müssen zu uns kommen! Bücher müssen eigenhändig ausgewählt, bezahlt und fortgetragen werden, und wem das nicht gefiel, der hatte hier nichts verloren.“ (S.175) Ich finde diese Maxime übrigens ganz hervorragend, da könnte ich mich auch in unserer Welt dran gewöhnen… Ein wenig hat mich der Zauber der Refugien an „Die Stadt der Träumenden Bücher“ erinnert, auch ein grandioses Buch, wie ich finde.
Die Geschichte selbst geht ziemlich rasant los und verliert auch nicht an Tempo, für meinen Geschmack war es manchmal ein wenig zu schnell, aber schließlich ist Pip in Gefahr, also darf Furia auch keine Zeit verlieren. Kai Meyer geht auch nicht gerade zimperlich mit seinen Figuren um, an der einen oder anderen Stelle musste ich in mich gehen und dachte mir, ist das gerade wirklich passiert? Ja, es war wirklich passiert. Die Figuren erleben sehr grausame Dinge. Gewalt scheint für alle an der Tagesordnung zu stehen und Furia muss sich auch ohne Furcht gegen ihre Verfolger stellen, damit sie Pip befreien kann. Dafür, dass Furia erst 15 ist, steckt sie ihre Erlebnisse erstaunlich gut weg. Nur gut, dass sie von ihrem Vater schon eine Menge gelernt hat, auch wenn es immer noch nicht genung war, was er ihr erzählt hat.
Die Handlung ist auch sehr komplex. Zwischendurch musste ich immer mal überlegen, wer welche Ziele verfolgt und auf wessen Seite der eine oder andere steht. Am Ende konnte dem Ganzen zwar folgen, es ist aber eine ganze Menge Stoff, der zwischen zwei Buchdeckel gepackt wurde.
Jeder Leser muss auch selbst entscheiden, wie der das Ende findet, ich will nichts weiter dazu sagen, denn sonst müsste ich spoilern. Ich finde es recht radikal und hätte auf das eine oder andere Ereignis gerne noch eine Antwort. Trotzdem konnte ich das Buch zufrieden zuklappen, denn ich durfte eine fantastische Welt kennenlernen.

Lieblingsnebencharakter: Dieses Mal muss ich den „Preis“ an zwei Figuren geben, denn sie gehören untrennbar zusammen. Sie sind einfach mutig, loyal, gewitzt und gute Freunde. Furias Leselampe und Lesesessel 🙂 Die  beiden sind sozusagen beseelt. Es gibt einige Kapitel im Buch, die aus der Sicht der beiden verfasst sind, diese waren mein Highlight, davon hätte es ruhig noch mehr geben können. Hier eine kleine Kostprobe: „Wir sind die Richtigen für diese Aufgabe“, hatte die Lampe verkündet und natürlich nur sich selbst gemeint. Doch eine einzelne Leselampe auf dem Flur hätte Misstrauen erweckt, während Lampe und Sessel gemeinsam als komfortable Leseecke durchgehen mochten.“ (S. 128)
Wenn die zwei mal ein neues zu Hause brauchen – Ich nehme sie bei mir auf. Bis zum Schluss war ich neugierig wie die beiden ihre ganz eigenen Abenteuer überstehen. Sie sind echt was besonderes.

Fazit: Ich mag das Buch wirklich gern, da es die Liebe zu Büchern zum Inhalt hat. Ich hätte auch gern eine riesige Bibliothek wie Furia und würde wahnsinnig gern in Libropolis flanieren. Allerdings könnte ich auf die dunkeln Ecken der Refugien, auf die Milliz und die Akademnie verzichten. Es ist ein temporeicher Roman, der wirklich erst was für 14+ ist, wie der Verlag auch angibt, denn an jeder Ecke lauert Gewalt und Tod. Einen kleinen, halben, Minuspunkt gibts für die verworrene Handlung, da musste ich meine Gedanken ganz schön zusammen nehmen, dass ich den Faden nicht verliere. Wettgemacht wird das kleine Manko von der tollen Ausstattung des Buch mit den geprägten, goldenen Buchstaben auf dem Einband, dem eingelegten Lesezeichen und auch der Liebe zum Detail, mit welcher der Verlag das Buch in die Welt hinaus entlassen hat. Schaut am besten Mal auf die Website des Buches. Daher gibt es von mir die volle Punktzahl für ein tolles Leseerlebnis für alle, die Bücher lieben.

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„Libropolis“-Lesezeichen

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Die Seiten der Welt
Autor: Kai Meyer
Alter: ab 14
ISBN: 9783841421654
Ausgabe: Hardcover (19,99 €)
Verlag: Fischer Jugendbuch (FJB)

Übrigens startet Antonie von „Die fabelhafte Welt der Bücher“ am 01.10.2014 die Challenge „Ein Jahr mit Kai Meyer“. Für mich ist das eine super Gelegenheit mehr Bücher des Autors kennenzulernen, schließlich ist „Die Seiten der Welt“ das erste Buch, das ich von ihm lese. Ich bin in jedem Fall schon gespannt, auf die anderen Werke. Mal schauen, was ich in einem Jahr so schaffe. Alles kann, nichts muss 😉