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Rezension: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan

„Die Sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ (Bildquelle: Heyne

“ ‚Ich wusste nicht, dass Leute in deinem Alter noch Bücher kaufen‘, sagt Penumbra. Er hebt eine Augenbraue. ‚Mein Eindruck war, dass sie alles auf ihrem Handy lesen.'“ (S.85)

Inhalt: Clay sucht einen Job, der ihm Geld bringt. Anspruchsvoll ist er auch nicht, daher kommt ihm die Stelle als Verkäufer der Nachtschicht in Penumbras Buchhandlung gerade recht. Diese Buchhandlung ist wirklich sonderbar. Sie ist nicht nur rund um die Uhr geöffnet, es wird auch ein ungewöhnliches Sortiment gepflegt. Eigenartige Kunden kommen und leihen lediglich Bücher aus. Clay kommt das alles sehr komisch vor. Aus Neugier und einer Portion Langeweile entsteht bei ihm das Verlagen, dem Geheimnis der Buchhandlung auf den Grund zu kommen. Seine Freunde aus dem Silicon Valley Kat, Neel und Mat lassen sich von der Faszination der Buchhandlung anstecken und machen sich gemeinsam mit Clay auf die Suche nach Antworten.

Leseeindruck: Ja ja, mal wieder ein Buch über Bücher 🙂 Bei diesem Thema werde ich immer wieder schwach. Ich habe schon eine Menge solcher Bücher gelesen und doch ist „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ in vielerlei Hinsicht neu für mich. Es steht nicht die bedingungslose Liebe zu Büchern im Mittelpunkt, sondern eine Gruppe von Leuten, die zu Penumbras Kunden zählt und die offensichtlich ein gemeinsames Geheimnis hüten. Genau wie Clay habe ich mir so meine Gedanken gemacht, worum es sich wohl handeln wird und alle paar Seiten hatte ich eine neue Idee, die ich umgehend für eine neue verworfen habe. Genau darin liegt für mich der Reiz des Buches. Sobald man glaubt, hinter das Geheimnis gekommen zu sein, wird ein neuer Fakt enthüllt und das Rätselraten geht von neuem los. Über einen fehlenden Spannungsbogen kann sich wirklich nicht beklagen. Die lockere Sprache trägt ebenso zum leichten Verständnis bei. Die Geschichte ist aus Clays Perspektive geschrieben, da er viel seinen verqueren Gedanken nachhängt, die sich auch oft um die Popkultur unserer Zeit drehen, bin ich sofort mit ihm warm geworden. Er mag Bücher und ist doch ein Kind seiner Zeit, also mit vielen technischen Dingen vertraut. Dieser Aspekt der Geschichte, bei dem neue technologische Möglichkeiten und das alte traditionelle gedruckte Buch miteinander verknüpft werden, hat mir besonders gefallen. (Vielleicht ist es ein Fingerzeig, dass beides nebeneinander existieren kann?). Ich muss aber auch zugeben, dass an der einen oder anderen Stelle sehr viel technische Details erläutert wurden, denen ich nicht immer ganz folgen konnte. Dafür fehlt mir persönlich einfach das Verständnis zu.
Leider gibt es für mich eine große Schwachstelle: Das Ende. Es tut mir wirklich leid, ich habe das Buch mit viel Freude bis zu den letzten Seiten gelesen, aber ich kann Clay nicht folgen. Weder ist mir klar, wie er zu seiner finalen Schlussfolgerung gelangt ist, noch was diese mir sagen soll. Ich bleibe ein wenig ratlos zurück. Nach all der Aufregung habe ich mir vielleicht einfach ein spektakuläres Ende vorgestellt. Ich nehme gern alle Schuld auf mich, was die Verständnisfrage angeht, aber leider hat das Ende massiv meinen Gesamteindruck gestört. (Ich nehme gern Erklärungen entgegen, vielleicht stehe ich auch nur auf dem Schlauch 🙂 )

Lieblingsnebencharakter: Die Charaktere haben mir alle gut gefallen. Sie sind witzig und sehr verschieden. Eine sehr bunte Truppe hat der Autor hier versammelt, es ist also für Abwechslung gesorgt. Ich denke, Neel macht das Rennen. Er hat so einige liebenswerte Macken und eine wirklich ungewöhnliche Geschäftsidee mit der er sein Geld verdient. Außerdem ist er stets an Clays Seite auch wenn der noch so eigenartige Vorschläge hat. (Überhaupt fällt mir auf, dass sich Clay glücklich schätzen kann so gute Freunde zu haben.)

Fazit: Bücher und moderne Technik schließen sich nicht aus. Ein wenig liest sich das Buch wie eine Detektivgeschichte mit einem Hauch von modernem Abenteuerroman. Ich habe Clay gern auf seiner Suche nach dem Geheimnis hinter Penumbras Buchhandlung begleitet, da ich leider auf den letzten Seiten den Anschluss verloren habe, muss ich Sterne abziehen. Für ein rundum gelungenes Lesevergnügen wurde ich mit dem Schluss zu sehr enttäuscht. Dafür wird man mit Clays Gedankengängen etwas entschädigt, der das Herz auf der Zunge trägt.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Autor: Robin Sloan (Übersetzung: Ruth Keen)
Titel: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 9783453418455
Ausgabe: Taschenbuch (9,99€)

Gemeinsam lesen: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan

Schlunzenbuch

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ (Blessing Verlag  bzw. Heyne Verlag) von Robin Sloan. Ich bin auf Seite 106.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Die Regenbogenfarben auf dem Schild neben dem Bahnhof, das den Weg zum Google-Campus weist, sind unter der Sonne des Silicon Valley etwas verblasst.“ (S. 106)

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich habe ein Faible für Bücher über Bücher oder Buchhandlungen. Es ist einfach toll in diese Welt der fiktiven Buchhandlungen abzutauchen, daher stand das Buch schon eine Weile auf meinem Wunschzettel. Es geht um eine skurrile kleine Buchhandlung in San Francisco, die rund um die Uhr offen hat. Noch dazu gibt es dort neben den üblichen Büchern auch „Ladenhüter“, die nicht verkauft werden, sondern an bestimmte Menschen ausgeliehen werden. Der neue und etwas verpeilte Mitarbeiter Clay versucht herauszufinden, was es mit den Ladenhütern auf sich hat.

Bisher gefällt mir dir Geschichte ganz gut, so richtig weiß ich aber noch nicht, auf was alles hinauslaufen soll, denn die Story hat auch einen großen technischen Aspekt, auch Google spielt eine Rolle. Ich bin mal gespannt wie die alten verstaubten Bücher und die moderne Googlewelt noch zusammen finden.

4. Lagen buchige Geschenke unter eurem Tannenbaum oder habt ihr euch vielleicht sogar selbst beschenkt?

Leider lag unter meinem Weihnachtsbaum kein Buch. Daran bin ich aber schon gewöhnt. Seit ich selbst in einer Buchhandlung arbeite, traut sich einfach keiner mir Bücher zu schenken, da ich so gut ausgestattet bin. Es ist also eher ein Luxusproblem 🙂

Ich selbst verschenke natürlich sehr gern Bücher, auch dieses Weihnachten. Eine liebe Freundin hat das Joshua-Profil von Sebastian Fitzek bekommen. Und auch Dark Canopy von Jennifer Benkau wurde verschenkt. Ich hoffe doch, dass beide gut angekommen sind.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Ich bin natürlich auch neugierig, welche Bücher ihr gerade lest, also lasst gern einen Kommentar da!