Archiv der Kategorie: Historischer Roman

Gemeinsam lesen: „Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell (Seite 864) aus dem Ullstein Verlag

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Am Nachmittag des 2. Juli bat der Gesandte, Karl Freiherr von Werther, Alvin zu sich.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einen historischen Roman gelesen habe, deshalb genieße ich diesen hier. (Außerdem habe ich endlich auch meine Leseflaute besiegt 🙂 ) „Jahrhundertsturm“ hat alles zu bieten was man sich von einem historischen Roman wünscht. Charaktere, die mit einer Menge Probleme zu kämpfen haben, eine Gesellschaft voller Probleme, eine paar kleine und große Intrigen und natürlich eine nicht unwichtige Portion Liebe.
Besonders gut gefällt mir der Zeit, in der die Geschichte spielt. Ich hatte schon immer ein Faible für das Ende des 19. Jahrhunderts und auch für die Eisenbahn. Beides wird hier auf wundervolle Weise kombiniert. Klar, es werden auch eine Menge kitschiger Klischees bedient und zu einem gewissen Grad ist die Geschichte und die Entwicklung der Figuren auch vorhersehbar, aber ich wurde bis hier her wundervoll unterhalten und das ist es doch was zählt.
Etwa 200 Seiten liegen noch vor mir und ich glaube noch an ein spektakuläres Finale.

4. Schaffst du es 3 Monate ohne Buchkauf auszukommen? Wenn nein, warum?

Da mache ich mir nix vor: Ich hätte keine Chance 😉 Es gibt einfach zu viele Bücher, die ich gern lesen würde und denen ich gern ein gemütliches zu Hause geben würde. Noch dazu dreht sich alles in meinem Alltag auch um Bücher, daher wäre es wirklich schwierig für mich der Versuchung zu widerstehen ein neues Buch zu kaufen. So viel Willensstärke habe ich einfach nicht, dieser Versuchung dann Tag für Tag zu widerstehen. Ich stehe dazu, ich bin büchersüchtig und das ist auch gut so.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Lasst mir gern einen Kommentar da, was ihr gerade so lest.

Neue Mitbewohner im Regal

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Es ist mal wieder an der Zeit meine neuen Mitbewohner vorzustellen. Seid alle herzlich willkommen und macht es euch im Regal gemütlich 🙂

„Schwestern bleiben wir immer“ von Barbara Kunrath (Ullstein):
In diesem Roman geht es um die schwierigen Familienverhältnisse zweier Schwestern. Alexa und Katja hatten keine einfache Kindheit, sie waren mehr oder weniger auf sich allein gestellt und versuchen nun dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, weshalb das so ist. Gerade bin ich dabei, das Geheimnis zu lüften. Ein spannender Familienroman.

„Der Turm der Welt“ von Benjamin Monferat (Wunderlich):
Paris 1889. In der Stadt dreht sich alles um die Weltausstellung und natürlich spielt auch der Eiffelturm eine zentrale Rolle. In mitten der festlichen Stimmung muss ein Verbrechen aufgeklärt werden. Ein historischer Roman mit wunderschönem Cover. Ein wahrer Hingucker.

„Worte für die Ewigkeit“ von Lucy Inglis (Chicken House):
Ein Jugendroman, der auf zwei Zeitebenen spielt. 1867 und heute. Beide Geschichten sind miteinander verbunden und wechseln sich im Buch ab. Eine bzw. zwei tolle Liebesgeschichten fürs Herz.

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante (Suhrkamp):
Ok, ich gebe es ja zu, ich habe mich von dem Hype rund um das Buch anstecken lassen. An jeder Ecke wird über dieses Buch geredet, besonders über die anonyme Autorin. Ich bin mal gespannt, ob meine Erwartungen an eine aufwühlende und besondere Geschichte erfüllt werden. Dieser erste Band über eine Frauenfreundschaft in Neapel ist schon mal eine tolle Ausgangssituation.

„Beeil dich, kleines Faultier“ von Tomoko Ohmura (Moritz Verlag):
Ein wahres Herzensbuch. Ich liebe Faultiere, daher habe ich mich unheimlich gefreut, als dieses Schmuckstück den Weg zu mir gefunden hat. In dem Kinderbuch geht es um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt. Es ist in der Hauptsache ein Bilderbuch, das durch niedliche Figuren besticht. Hier nochmal ein Bild vom Buch, gemeinsam mit meinem ganz eigenen Faultier 🙂

Neue Mitbewohner im Regal

Bei mir sind in letzter Zeit so einige Bücher eingezogen, ein paar davon möchte ich heute vorstellen.

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Meine neuen Mitbewohner

„Albert und der Baum“ von Jenni Desmond (Magellan):
Ein niedliches Kinderbuch um einen Bären, der sich um seinen Lieblingsbaum im Wald kümmert. Bezaubernde Illustrationen bringen auch „großen“ Lesern Spaß.

„Als die Träume noch uns gehörten“ von Marian Izaguirre (Fischer):
Tja, was soll ich sagen: Es geht um eine Buchhandlung in Madrid und ein rätselhaftes Buch. Eine Ausgangssituation, die ganz nach meinem Geschmack ist. Ich bin schon gespannt, was auf mich zu kommt.

„Bühlerhöhe“ von Brigitte Glaser (List):
Dank Vorablesen durfte auch dieses Buch schon bei mir einziehen, das im August 2016 erscheinen wird. Ein Roman, der im Jahr 1952 spielt. Rosa Silbermann und Sophie Reisacher sind zwei völlig verschiedene Frauen. Beide kämpfen mit ihrer Vergangenheit und stehen sich nun in einem Hotel im Schwarzwald gegenüber, in dem Konrad Adenauer zu Besuch ist.

„Nicolas Calva – Das magische Amulett“ von Jenifer A. Nielsen (Beltz & Gelberg):
Ein fantastisches historisches Kinderbuch. Nic ist Sklave in einem römischen Bergwerk. Dort stößt er auf den Schatz Caesars mitsamt einem magischen Amulett. Er ist ein cleverer frecher Kerl und so warten nun eine Menge Probleme auf ihn, denn auch andere mächtige Personen im römischen Reich haben es auf das Amulett abgesehen. Ein tolles Buch, gerade für Jungs und Mädels, die Abenteuer mögen. Noch dazu lernen die kleinen Leser auch etwas über die antike römische Gesellschaft.

„Die Birken wissen’s noch“ von Lars Mytting (Insel):
Eine Familiengeschichte, die von Norwegen bis nach Frankreich und von der Gegenwart zurück zum Ersten Weltkrieg reicht. Eine Menge Geheimnisse rund um die Brüder Hirifjell warten darauf entschlüsselt zu werden. Das alles geschieht umgeben von einer tollen Natur und Landschaft. Im Moment sitze ich an der Rezension, denn ich habe das Buch bereits gelesen.

Rezension: „Das Glück am Ende des Ozeans“ von Ines Thorn

„Das Glück am Ende des Ozeans“ von Ines Thorn (Bildquelle: Rowohlt)

„Drei Frauen, drei Schicksale, die sich hier in Amerika entfalten sollten.“ (S. 40)

Inhalt: Annett, die beim Bau der Brooklynbridge mithelfen soll, Susanne, die mit ihrem groben Ehemann ein neues Leben beginnen will und das Amischmädchen Gottwitha machen sich im Jahr 1876 von Bremen aus auf über den Atlantik nach New York. In Amerika wollen alle drei ein neues Leben beginnen und vor allem ihr Glück finden. Auf der Überfahrt schließen die drei Freundschaft, denn von nun an verbindet die drei Fremden ein dunkles Ereignis. In der neuen Heimat muss wieder jeder allein klarkommen. Wird das jeder gelingen?

Leseeindruck: Der Plot ist recht einfach gestrickt. Alle drei Frauen sind sehr verschieden und bedienen dabei eine Menge Klischees. Annett ist die toughe, bei der alles läuft. Susanne muss mit der Gewalttätigkeit ihres Mannes leben und Gottwitha ist auf Grund ihrer amischen Erziehung unglaublich weltfremd. Mit den verschiedenen Kapiteln gibt es auch ein Wechsel zwischen Hauptfiguren. In jedem Kapitel steht eine andere Frau im Mittelpunkt. Zum einen wird die Spannung dadurch hoch gehalten, denn man muss mit einer Menge offenen Fragen leben, bis der Handlungsstrang weiter geht. Auf der anderen Seite hatte ich mit der Zeit das Gefühl, ich lese drei verschiedene Romane, denn die Schnittpunkte zwischen den drei Geschichten sind im Prinzip nicht vorhanden. Da habe ich mir deutlich mehr von versprochen. Es wurde einfach zu viel in den Roman gepackt. Das Leben in einem Amischdorf in Pennsylvania, eine junge Frau, die beim Bau der Brooklynbridge mitwirkt und eine junge Frau, die sich den Goldsuchertracks im Westen anschließt. Für meine Begriffe hat die Autorin hier etwas zu viel gewollt. Bei so viel Inhalt kratzt sie jeweils nur an der Oberfläche. Die einzelnen Entwicklungsschritte gehen mir dabei viel zu schnell und abrupt.
Eine Gemeinsamkeit habe alle drei Handlungsstränge: Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen in jener Zeit wird thematisiert. Durch die drei verschiedenen Frauentypen bekommt man auch drei verschiedene Ansatzpunkte zu der Thematik geliefert. Alle drei müssen sich auf unterschiedliche Art und Weise emanzipieren. Das hat mir schon gefallen. Es war bei dem Genre des historischen Romans und der vorangegangen Geschichte dann auch nicht verwunderlich, dass alle drei ihren Weg auch irgendwie erfolgreich meistern werden. Mit dem Verlauf hatte ich zwar schon gerechnet, aber ein wenig mehr unvorhergesehenes wäre schon schön gewesen.

Lieblingsnebencharakter: Ich muss jetzt drei Charaktere wählen, aus jedem Handlungsstrang einen, denn die drei Geschichten und deren Nebencharaktere lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Daher gibt es heute drei Namen.
In Annetts Geschichte gefällt mir Emily gut, denn sie hat man meisten Facetten. Madame Joyce ist die gute Seele in Susannes Geschichte. Sie hätte ich auch gern als Freundin. Etwas schwieriger ist die Wahl dann in Gottwithas Handlung. Da fällt die Wahl auf Rebecca, denn obwohl auch sie nicht aus ihrem Umfeld ausbricht, zeigt sie doch, dass man auch glücklich werden kann.

Fazit: Ich habe mir deutlich mehr versprochen von der Geschichte. Wahrscheinlich auch, da ich dachte, es würde mehr Enthüllungen und Konflikte geben. Leider wurde ich in dieser Hinsicht enttäuscht. Die Geschichte (oder Geschichten) bieten solide historische Unterhaltung. Leider jedoch ohne wirkliche Überraschungen, da wurde nicht das volle Potential der Storys ausgeschöpft. Außerdem hätte ich mir mehr Berührungspunkte zwischen den Handlungssträngen und den Frauen gewünscht. Alles in allem vergebe ich solide 3 Sterne.

Bewertung:
3 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Das Glück am Ende des Ozeans
Autorin: Ines Thorn
Verlag: Wunderlich (Rowohlt)
ISBN: 9783805250566
Ausgabe: Hardcover (16,95€)

Gemeinsam lesen: „Das Glück am Ende des Ozeans“ von Ines Thorn

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Das Glück am Ende des Ozeans“ (Wunderlich/Rowohlt) von Ines Thorn. Ich bin auf Seite 94.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Gottwitha hörte die Hähne krähen, aber noch war es draußen dunkel.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

„Das Glück am Ende des Ozeans“ ist ein historischer Roman, der am Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Drei Frauen lernen sich auf der Überfahrt von Bremen nach New York kennen. Sie sind alle drei sehr verschieden und erwarten auch alle etwas anderes vom Leben in Amerika.

Da ich schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen habe, war ich gespannt auf die Geschichte. Ich mag die Zeit und auch die Auswanderthematik (samt Bau der Brooklyn Bridge, Leben in einer Amishgemeinde und Abenteuer der Goldgräber) interessiert mich. Mir ist schon klar, dass hier sicher keine allzu überraschenden Wendungen vorkommen werden und ich kann mir auch jetzt schon denken, welche Steine den Frauen noch in den Weg gelegt werden, trotzdem  freue ich mich auf ein paar Stunden Unterhaltung.

4.Was hast du vor einem Jahr gelesen? Erinnerst du dich noch an Einzelheiten dieser Geschichte?

Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was ich vor einem Jahr gelesen habe. Da muss ich doch erstmal nachschauen……..

So, jetzt bin ich schlauer 🙂 Ich habe den ersten Band der „Finstermoos„-Reihe von Janek Clark und „Das Beste, das mir nie passiert ist“ von Laura Tait und Jimmy Rice. Auch wenn ich mich nicht mehr an die Titel erinnern konnte (zumindest nicht mehr daran, wann ich die Bücher gelesen habe), weiß ich doch noch so in etwa, worum es in den Büchern geht. In Finstermoos geht es um eine Clique, die versuchen hinter die Fassade des idyllischen Bergdorfs Finstermoos zu blicken. Es wird eine Babyleiche gefunden, die so einige Unruhe in die Gemeinde bringt, da die Vergangenheit wieder ans Licht kommt. Sehr genau in Erinnerung habe ich den wirklich gemeinen Cliffhanger… Obwohl mir die Story wirklich gut gefallen hat, habe ich die Reihe noch nicht weitergelesen. (Das sollte ich mal ändern 🙂 ) Hier gehts zu meiner Rezension zu „Finstermoos“.

„Das Beste, das mir nie passiert ist“, ist mir in Erinnerung geblieben, da die Erzählweise so anders ist. Es geht um einen Mann und eine Frau (Namen sind mir entfallen), die so etwas wie beste Freunde sind. Die Kapitel sind abwechselnd aus ihrer und seiner Sicht verfasst. Es war interessant zu lesen, wie verschieden die beiden die Dinge oft so sehen. Man merkt schnell, dass sie das perfekte Paar wären, nur leider merken die beiden das nicht. Das Buch ist einfach nur schön (gefühlvoll). Hier gehts zu meiner Rezension zu „Das Beste, das mir nie passiert ist.“

Grundsätzlich erinnere ich mich bei Büchern immer noch daran, welchen grundsätzlichen Eindruck ich von einer Geschichte hatte und ob ich es jemandem weiterempfehlen würde. Allerdings habe ich so meine Probleme mit Namen / Aussehen von Charakteren.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Lasst mir gern einen Kommentar da, was ihr gerade so lest.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal auf mein Gewinnspiel von gestern hinweisen. Es gibt buchige Accessoires zu gewinnen! Also schaut mal hier vorbei, um zu erfahren, was ihr wie gewinnen könnt. Viel Spaß!

Rezension: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

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„Die Gestirne“ von Eleanor Catton (Bildquelle: btb Verlag)

„Jede Speiche des großen Glücksrads war samstags sichtbar – Männer stiegen auf, kamen ganz oben an, rutschten ab, landeten wieder ganz unten, und am Abend begoss jeder Goldsucher entweder seinen Kummer oder seine Freude.“ (S. 132)

Inhalt: Ein Jadesucher, ein Bankier ein Zeitungsherausgeber, ein Hotelier, ein Goldfeldmagnat, ein Goldschmied, ein Handelsagent, ein Apotheker, ein Spediteur, ein Gerichtsschreiber, ein Goldgräber und ein Geistlicher treffen sich zu einer geheimen Versammlung, um sich über ungelöste Verbrechen in der Goldgräberstadt Hokitika in Neuseeland auszutauschen. Zu diesen 12 Männern stößt ein Neuankömmling, der auch etwas zu berichten hat und neue Erkenntnisse beitragen kann. Ein komplexes Netz aus Beobachtungen wird die Täter überführen, oder?

Leseeindruck: Als ich die Rahmendaten der Geschichte gelesen habe: 1866, Neuseeland im Goldrausch, wollte ich unbedingt mehr über diese Geschichte wissen. Noch dazu, als ich gesehen habe, dass Eleanor Catton den Booker Prize für „Die Gestirne“ erhalten hat.
Der Beginn ist wirklich interessant, man merkt sofort, dass viele Geheimnisse in der Luft liegen und nicht jeder die ganze Wahrheit sagt, oder Dinge verschweigt. Die Ausgangssituation hat man schnell verinnerlicht. Es passieren viele ungewöhnliche Dinge gleichzeitig, aber einen Zusammenhang scheint es nicht zu geben. Unwahrscheinlich viele Fragen werden aufgeworfen, die ich erstmal sortieren musste. Stück für Stück erfährt man von den Beteiligten, was sie beobachtet haben und jeder (einschließlich dem Leser) zieht andere Schlüsse daraus. Die Handlung ist unheimlich komplex, ständig hatte ich das Gefühl etwas überlesen zu haben. Das macht das Verständnis und das Vorankommen nicht gerade einfach. Ich gebe zu, dass ich ohne die Lovelybooks-Leserunde sicher aufgegeben hätte. Durch die vielen Charaktere und Schauplätze ergibt sich zwar nach und ein immer größeres Bild von den Geschehnissen, aber auch die Wiederholungen werden immer mehr. Sicher an der einen oder andere Stelle war ich über eine Zusammenfassung dankbar, aber die Wiederholungen haben mich auch ermüdet. Leider hat das meine Lesefreude getrübt.
Mit fortschreitender Seitenzahl nimmt auch das Tempo zu, die Kapitel werden kürzer und die Erkenntnisse werden größer. Man muss aber wirklich immer sehr aufmerksam lesen, um nichts zu verpassen.
Wie der Titel es schon sagt, dreht sich das Buch um Gestirne und zwar in astrologischer Sicht. Jeder der 12 Männer aus der Versammlung steht für ein anderes Sternzeichen. Es gibt auch mehrere Schautafeln im Buch, die die Konstellation der Gestirne (also Charaktere) zueinander verdeutlichen sollen. Auch die Kapitelüberschriften lauten „Jupiter im Schützen“ und so ähnlich. Mich hat das alles mehr verwirrt, als dass es mir beim Verständnis geholfen hat. Vielleicht, weil ich auch im wahren Leben nicht so viel mit Astrologie anfangen kann. Ich bin mir sicher, wer hierfür ein Faible hat, der wird noch mehr interessante Andeutungen finden können. Mich hat das eher verunsichert, da ich ständig das Gefühl hatte, mir würde etwas entgehen. Schade eigentlich.

Positiv in Erinnerung ist mir die Sprache geblieben. Es fühlt sich oft so an, als wäre man  wirklich im Jahr 1866; und nicht nur das. Manchmal kam es mir so vor, als wäre ein zeitgenössischer Roman. Fast so, als wäre auch die Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst. Die Sprache ist sehr bildhaft. Die Kapitel tragen noch dazu alle eine Art Zwischenüberschrift, die einer Zusammenfassung gleicht. In etwa so: „In welchem Kapitel Wells‘ Verdacht sich erhärtet.“ (S. 932) Mir fällt nicht ein, dass ich schon mal etwas vergleichbares gelesen habe.

Lieblingsnebencharakter: Ich glaube in diesem Buch kann man nicht von Nebencharakteren sprechen. Es gibt so viele Figuren, die nebeneinander auftreten und (fast) alle gleich wichtig sind. Sie haben auch alle interessante und abwechslungsreiche Vorgeschichten, daher möchte ich nicht entscheiden, wer mir mehr gefallen hat.
Ich würde heute mal den Erzähler nehmen und ihn zum Liebling küren. Er ist allwissend und spricht auch den Leser immer wieder direkt an. Man kann durchaus sagen, dass der Erzähler der Geschichte seinen Stempel aufdrückt, denn er entscheidet, was der Leser wann und in welchem Umfang erfährt. Noch dazu hat er eine eigene Meinung, mit der er nicht hinterm Berg hält. Es war sehr erfrischend ihm zu folgen. Hier eine kleine Kostprobe: „Weder die lästigen Unterbrechungen noch Balfours ausschweifende Art des Erzählens wären es wert, wortwörtlich wiedergegeben zu werden. Wir wollen ihre Makel tilgen […].“ (S. 69)

Fazit: Eine Geschichte mit unheimlich komplexer Handlung, die mich fast überfordert hat, da jedes noch so kleine Detail von Bedeutung ist. Das Lesen ist streckenweise mühsam, auch wenn die Sprache wirklich toll ist. Mich lässt das Buch mit gemischten Gefühlen zurück. Ich bin nicht zufrieden und hatte so meine Schwierigkeiten und dennoch ist ein einzigartiges Werk, das man nur schwer mit anderen Büchern vergleichen kann. Alles in allem hat der Lesespaß bei mir durch die vielen Handlungsstränge gelitten und ich bin mir sicher, dass ich viele Aspekte bis zum Schluss nicht richtig einordnen konnte, daher vergebe ich solide 3/5 Sternen. Die große Faszination hat sich bei mir leider bis zum Schluss nicht eingestellt.

Bewertung:
3 Stars

Bibliograpische Angaben:
Titel: Die Gestirne
Autorin: Eleanor Catton (Übersetzung: Melanie Walz)
Verlag: btb Verlag
ISBN: 9783442754793
Ausgabe: Hardcover (24,99 €)
Seiten: 1040

Rezension: „Leonore und ihre Töchter“ von Gina Mayer

„Leonore und ihre Töchter“ von Gina Mayer (Bildrechte: Aufbau Verlag)

„Die unmoralische Moral […] Wie ungerecht es war, dass jeder Fehltritt eines Mannes unweigerlich auf eine Frau zurückfiel“ (S. 456)

Inhalt: Kurz gesagt, es geht um die Familiengeschichte von Leonore und ihren Töchtern. Die Frauen der Familie stehen dabei im Mittelpunkt der Handlung. Der Beginn der Handlung liegt in Paris 1900, mit Dora und ihrer Tochter Nanette. In verschiedenen Rückblicken, die bis ins Jahr 1813 zu Doras Großmutter Leonore in Deutschland reichen, erfahren wir so einige Familiengeheimnisse und die verschiedenen Mutter-Tochter-Beziehungen werden beleuchtet. Alle Frauen haben ein mehr oder weniger schweres Schicksal und sind in den Konventionen ihrer Zeit gefangen. Zu allem Überfluss scheint auch noch ein Fluch auf den Frauen der Familie zu liegen. Einzig die jüngste Nanette zeigt zum Schluss, dass auch eine Frau ihr Leben in die Hand nehmen kann. Den Hauptteil der Geschichte macht der Teil um die gutbürgerliche Leonore und ihre ungewöhnliche Freundschaft zu den Arbeiterkindern Anton und Luise aus. Dabei spielen auch Aberglaube und das Gedicht um den Erlkönig eine bedeutende Rolle.

Leseeindruck: Ich habe schon eine ganze Weile keinen historischen Roman mehr gelesen, dieser hier hat aber wirklich Spaß gemacht. Man kommt schnell in die Geschichte rein und kann sie flüssig lesen. Besonders gut hat mir der Erzählstil gefallen, denn das Buch ist in mehrere Teile gegliedert, die jeweils eine andere Frau und Generation in den Mittelpunkt stellen. Die Geschichte wird also nicht chronologisch erzählt. Man könnte fast schon sagen, dass rückwärts erzählt wird. Von 1900 geht es ins Jahr 1848 und von da ins Jahr 1813 bis die Geschichte wieder 1900 endet. Die gesamten Zusammenhänge erschließen sich dem Leser erst nach und nach. Gina Mayer gelingt es sehr gut immer wieder tolle Cliffhanger ans Ende der Kapitel zu stellen, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.
Die Atmosphäre der einzelnen Epochen kommt wunderschön zur Geltung, man hat fast schon das Gefühl, dass man sich auf eine Zeitreise begeben hat. Die Weltausstellung in Paris 1900 oder die Tuchfabrik 1813 zu jeder Zeit kann man sich ein gutes Bild der Umstände und Lebensweisen machen und in die Lebenswelt der Figuren eintauchen.
Am meisten hat mich die Dreiecksbeziehung zwischen Leonore, Anton und Luise fasziniert. Ich will nicht zu viel verraten, denn in diesem Abschnitt wird sozusagen der Grundstein für die weitere Familiengeschichte gelegt, aber es war spannend mit anzusehen, was aus einer unschludigen Kindheitsfreundschaft alles entstehen kann und noch so großen Einfluss auf die folgenden Generationen hat.

Lieblingsnebencharakter: Für mich war das Theres, da sie das Bindeglied zwischen allen wichtigen Erzählebenen ist. Ohne sie wären so einige Geheimnisse der Familie nicht ans Licht gekommen. Theres war für fast alle Frauen in der Geschichte eine wichtige Bezugsperson.

Fazit: Man bekommt gute Unterhaltung geboten. Ein historischer Roman, der sich sehr schön lesen lässt und gekonnt in den Zeiten wechselt und den Leser mit so einigen Wendungen überrascht. Die historischen Fakten bilden ein gutes Gerüst für die Familiengschichte, schließlich hat es die Textilfabrik Cromford in Ratingen wirklich gegeben. Es ist sicher eher ein Roman für Frauen, denn schließlich stehen die Frauen im Mittelpunkt und die Männer kommen nicht immer so gut weg. Für die volle Punktzahl fehlte mir noch das gewisse etwas. Ich kann „Leonore und ihre Töchter“ aber guten Gewissens weiterempfehlen, für alle die gern historische Romane lesen, sich für die Zeit zwischen 1813 und 1900 interessieren oder einfach mal eine kurzweilige, gute Familiengeschichte lesen wollen. Daher 4/5 Punkte!

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Leonore und ihre Töchter“
Autorin: Gina Mayer
Verlag: Rütten & Loening (Aufbau)
ISBN: 9783352008474
Ausgabe: Paperback (14,99€)

Rezension: „Als wir unsterblich waren“ von Charlotte Roth

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Als wir unsterblich waren, Charlotte Roth (Bildquelle: Knaur TB)

„Hier geht es nicht um banale Liebesgeschichten. […] Es geht um die Lage in unserem Land, und die betrifft uns alle, egal, ob wir neunzehn oder neunzig sind.“ (S.14)

Inhalt: Berlin 1989: Alexandra lebt allein mit ihrer Oma in Berlin als sich die Grenze öffnet und Alexandras Leben eine ganz neue Richtung gibt. Sie trifft Oliver, es ist Liebe auf den ersten Blick, aber für ihre Oma gerät dadurch ihr ganzes Leben aus den Fugen – nicht zum ersten Mal. Es entspinnt sich eine Geschichte, die mit Paula im Berlin von 1912 beginnt.

Leseeindruck: Eines vorab, ich bin kein Fan von Wende-Geschichten. Diese hier ist aber anders. Es geht vielmehr um die turbulente Geschichte einer Stadt, die sich zwischen 1912 und 1989 abgespielt hat. Politische Kämpfe, Parteigründungen, Krieg aber auch Liebe prägen das Leben von Paula und ihren Freunden. Ich habe sie alle sehr gern auf ihrem Weg begleitet. Manni, Clemens und Harry als drei Freunde, die so schnell nichts trennen kann, die aber unterschiedlicher nicht sein können. Die junge Paula, die vor Energie und Lebensfreude nur so sprüht, aber nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens steht. Der kleine Joachim, Johanna, Ilse, Klara, Kutte, Ruben oder Rieke sie alle füllen die Seiten mit Charme und echtem Leben. Man kann gut nachempfinden, wie das Leben zu Beginn des letzten Jahrhunderts in der Hauptstadt gewesen sein muss. Eine Geschichte aus der Sicht des einfachen Volkes, die ihre Träume erfüllen wollen, aber mit der großen Katastrophe ihrer Zeit zurecht kommen müssen. Das Buch lebt von seinen Typen und der bildhaften Sprache, die einen in eine andere Zeit katapultieren.
Besonders gefallen hat mir der Erzählstil. Grundsätzlich wird die Geschichte chronologisch erzählt, beginnend mit 1912. Es gibt jedoch einige Einschübe aus dem Jahr 1989, bis es wieder gekonnt in Paulas Jugend weiter geht. Dadurch werden Alexandras und Paulas Geschichte miteinander verbunden. Nach und nach erkennt der Leser welche Verbindungen die beiden haben und auch das letzte Familiengeheimnis wird gelüftet.

Lieblingsnebencharakter: Das ist diesmal nicht so einfach, denn es gibt keinen, den ich nicht mag. (Außer natürlich den Mann, der sich hinter der Abkürzung GS verbirgt). Mein Bauch hat letztendlich entschieden und sagt: Joachim. Er war 1912 noch ein Kind und wir haben miterlebt wie er älter wurde und immer ein glühender Anhänger seiner Hertha (BSC) geblieben ist. Bei ihm ging mir immer das Herz auf und ich habe wegen ihm auch ein Tränchen verdrückt.

Fazit: Ein rundum tolles Buch. Herzschmerz, Liebe, Freundschaft, Politik, Krieg und Verlust all das finden wir in dem Buch wieder, ohne dass es in Kitsch mündet. Die politischen Ereignisse sind gut recherchiert und bieten einen angemessenen Rahmen für die Handlung. Für alle, die eine turbulente Biographie einer Frau lesen wollen, die mehr über den Geist von Berlin lernen wollen, einen historischen Roman über die Arbeiterbewegung rund um SPD und KPD kennenlernen wollen und nicht zuletzt an einer Geschichte rund um Freundschaft und Familie interessiert sind.
Ich war nie gelangweilt oder konnte die Handlung vorher sehen, daher die volle Punktzahl.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Als wir unsterblich waren
Autor: Charlotte Roth
ISBN: 9783426512067
Ausgabe: Taschenbuch (9,99 €)
Verlag: Knaur TB

 

Rezension: „28 Tage lang“ von David Safier

„28 Tage lang“ von David Safier (Bildquelle: Rowohlt)

„‚Die zweitschärfste Waffe des Tyrannen ist die Lüge‘, freute sich der Tyrann. ‚Und die schärfste?‘, fragte Hannah. ‚Die Angst'“ (S. 389)

Inhalt: Das Warschauer Ghetto 1943: Das Naziregime verbreitet Angst und Schrecken während die Bevölkerung mit Hunger und Entbehrungen zu kämpfen hat. Unter ihnen, die 16jährige Mira, die versucht mit Schmuggelware ihre Schwester und Mutter durch die schwere Zeit zu bringen. Bis zu dem Tag, als das Ghetto komplett geräumt werden soll und sie sich die Fragen stellt, „Was für ein Mensch willst du sein?“

Leseeindruck: Ich habe mich beim Lesen oft gefragt: Wieviel kann ein Mensch denn überhaupt aushalten? Denn Mira, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, muss unwahrscheinlich viel aushalten. Verzicht, Hunger, Angst, Willkür und Gewalt gehören für sie und alle anderen Ghettobewohner zum Alltag (kann man bei so einem Leben überhaupt von Alltag sprechen?) Und dennoch gibt es auch Momente des Glücks, der Freundschauft und Schwärmerein. Ein wenig Marmelade reicht schon, um Mira für einen Moment all ihre Sorgen vergessen zu lassen. Es ist eben nichts selbstverständlich in der Welt des Ghettos.
Mira erlebt so viele seelische und körperliche Grausamkeiten, dass man gar keine Zeit hat, alles auf sich wirken zu lassen. Eine unfassbare Situation folgt auf die nächste. Zeit für Sentimentalitäten bleibt da nicht, selbst Trauer um gute Freunde muss hinten anstehen.
Letztendlich bin ich froh, dass die Dreiecksbeziehung zwischen  Daniel, Mira und Amos nicht das Hauptthema geworden ist. Es zeigt aber, dass zwischenmenschliche Beziehungen der wichtigste Antrieb für den Überlebenswillen sind. Im Mittelpunkt dagegen stehen der jüdische Widerstand und dessen Kämpfer.
Die einzelnen Szenen werden emotional beschrieben, sodass die Atmosphäre des Ghettoalltags greifbar wird. Authenzität entsteht auch durch eine ganze Reihe verschiedener Charaktere, die Miras Weg kreuzen: religiöse Familien, stolze Waisenkinder, Kollabotrateure, mutige Kämpfer. All diese Menschen leben im Ghetto und haben daher zurecht ihren Platz in der Geschichte.

Lieblingsnebencharakter: Ben Rothaar. Er und Mira haben die gleichen Beweggründe sich dem Widerstand im Ghetto anzuschließen. Seine Entschlossenheit für den Kampf macht ihn zu etwas besonderem. Es war auch schön anzusehen, wie sich Miras Einstellung zu ihm ändert. Und ganz wichtig: Er durfte ein Teil von Hannahs Fantasiewelt der „777 Inseln“ sein.

Fazit: Dies ist wirklich ein ganz besonderes Buch. Für jeden, der etwas über das Warschauer Ghetto und den Widerstand erfahren will.  Mich hat das Buch generell dazu animiert, noch mehr über das Leben im Warschauer Ghetto zu erfahren. Es ist eine sehr gut recherchierte Geschichte, genau die richtige Mischung aus Fakten und Fiktion. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt, denn sehr oft habe ich mir selbst die Frage gestellt: Was würde ich in dieser Situation machen und Was für ein Mensch will ich sein? Die Frage hat mich auch noch beschäftigt, nachdem ich das Buch schon lange zugeschlagen hatte. Dieses Buch ist ab sofort definitiv eines meiner Lieblingsbücher.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: 28 Tage lang
Autor: David Safier
Verlag: Kindler (Rowohlt)
ISBN: 9783463406404
Ausgabe: Hardcover (16,95€)

Rezension: „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye

Cover

„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye (Bildquelle: dtv)

„Stellen Sie sich irgendeine schreckliche Sache vor, die unmöglich wahr sein kann, und seien Sie sicher, sie wurde auf der Bühne New Yorks schon öfter mit Applaus und Zugabe aufgeführt, als Sie glauben möchten.“ (S. 84)

Inhalt: New York 1845. Timothy Wilde führt ein einfaches, aber durchaus zufriedenes Leben als Barkeeper in New York. Bis ihn ein schreckliches Ereignis zum Polizisten des neugegründeten NYPD macht und er gleich zu Beginn seiner Karriere einen Serienmörder schnappen muss, der 19 Kinderleichen vergraben hat. Tja, und als wäre das alles nicht schon genug, spielt die ganze Tat auf einem politisch und religiösem Pulverfass. Demokraten gegen Republikaner, Protestanten gegen Katholiken, New Yorker gegen irische Einwanderer. Zwischen all dem muss sich Tim behaupten, der privat mit seinem Bruder Val (Police Captain, Feuerwehrmann und Trunkenbold) genügend Probleme hat. Seinen Anfang nimmt alles mit der kleinen Bird, die Tim mit blutbeschmiertem Nachthemd in die Arme läuft….

Leseeindruck: Mich haben der spannende Klappentext und die Thematik New York / Irische Einwanderer dazu bewogen den Debütroman von Lyndsay Faye zu lesen. Die Story konnte mich nicht ganz überzeugen, da für mich zu viele Schauplätze aufgetan wurden. Parteien, Bordelle, Priester, Pfarrer, Banden alle spielen eine Rolle in dem Fall. Würden die Fäden am Ende nicht durch Tim zusammengeführt, hätte ich völlig den Überblick verloren. Für mich ergab wirklich erst am Ende alles einen Sinn (letztendlich auch zufriedenstellend). Daher war die Story zwischenzeitlich etwas zu zäh für meinen Geschmack und ich habe mich streckenweise durch die Kapitel quälen müssen. Es tauchen eine Unmenge an Charakteren auf, die wiederum das New York ihrer Zeit gut abbilden. Dennoch kratzt vieles nur an der Oberfläche und die Figuren bleiben Stereotypen ihrer Zeit. Eine Ausnahme bildet hierbei Bird, die sich durchaus wandelt und vom störrischen, traumatisiertem Kind zu einer echten kleinen Freundin wird und auch eine Entwicklung durchmacht. Ein interessanter Aspekt ist die Sprache im Roman. Tim schildert die Ereignisse als eine Art Polizeibericht. Die Geschichte wird chronologisch aus seiner Sicht erzählt. Die Figuren bedienen sich einer Gaunersprache, deren Vokabeln am Ende des Buches erläutert werden. Ich für meinen Teil bin auch ohne die „Übersetzung“ gut zurecht gekommen. Auch wenn die Vokabeln teilweise recht gewöhnungsbedürftig sind, haben sie den Lesefluss nicht gestört. Jedes Kapitel beginnt mit einer authentischen Zeitungsmeldung und hilft dem Leser nochmal in die Zeit um 1845 zu reisen.

Lieblingsnebencharakter: Mrs. Boehm, Tims Vermieterin, die früh verwitwet ist und nun die Bäckerei ihres Mannes alleine führt. Obwohl Tim ein fremder junger Mann ist, unterstützt sie ihn bei seiner Arbeit und bietet auch Bird Schutz und Ruhe. Sie ist die gute Seele des Buches.

Fazit: Eine gute Mischung aus Historischem Roman und Krimi. Wer New York, die Zeit um 1850 oder beides mag für den ist der Roman sicher etwas. Die Stadt in ihrer Zeit wird anschaulich abgebildet und man fühlt sich wie auf einer Zeitreise. Wer allerdings einen Krimi sucht, der absolut spannend ist, der wird nicht unbedingt zufrieden sein. Obwohl eine Menge falscher Spuren gelegt werden und einiges an unerwartetem passiert, kam nie das Gefühl auf, dass ich jetzt unbedingt noch ein Kapitel lesen müsste. Den Punktabzug gibts, da mir die Story doch etwas zu verworren war und mein Lesevergnügen dadurch gelitten hat.

Bewertung:
3 Stars

Bibliographische Angaben:
Autor: Lyndsay Faye (Übersetzung: Michaela Meßner)
Titel: Der Teufel von New York
Verlag: dtv
Ausgabe: Paperback (15,90 €)