Archiv der Kategorie: Krimi

Rezension: „Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye

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„Der Teufel von New York“ von Lyndsay Faye (Bildquelle: dtv)

„Stellen Sie sich irgendeine schreckliche Sache vor, die unmöglich wahr sein kann, und seien Sie sicher, sie wurde auf der Bühne New Yorks schon öfter mit Applaus und Zugabe aufgeführt, als Sie glauben möchten.“ (S. 84)

Inhalt: New York 1845. Timothy Wilde führt ein einfaches, aber durchaus zufriedenes Leben als Barkeeper in New York. Bis ihn ein schreckliches Ereignis zum Polizisten des neugegründeten NYPD macht und er gleich zu Beginn seiner Karriere einen Serienmörder schnappen muss, der 19 Kinderleichen vergraben hat. Tja, und als wäre das alles nicht schon genug, spielt die ganze Tat auf einem politisch und religiösem Pulverfass. Demokraten gegen Republikaner, Protestanten gegen Katholiken, New Yorker gegen irische Einwanderer. Zwischen all dem muss sich Tim behaupten, der privat mit seinem Bruder Val (Police Captain, Feuerwehrmann und Trunkenbold) genügend Probleme hat. Seinen Anfang nimmt alles mit der kleinen Bird, die Tim mit blutbeschmiertem Nachthemd in die Arme läuft….

Leseeindruck: Mich haben der spannende Klappentext und die Thematik New York / Irische Einwanderer dazu bewogen den Debütroman von Lyndsay Faye zu lesen. Die Story konnte mich nicht ganz überzeugen, da für mich zu viele Schauplätze aufgetan wurden. Parteien, Bordelle, Priester, Pfarrer, Banden alle spielen eine Rolle in dem Fall. Würden die Fäden am Ende nicht durch Tim zusammengeführt, hätte ich völlig den Überblick verloren. Für mich ergab wirklich erst am Ende alles einen Sinn (letztendlich auch zufriedenstellend). Daher war die Story zwischenzeitlich etwas zu zäh für meinen Geschmack und ich habe mich streckenweise durch die Kapitel quälen müssen. Es tauchen eine Unmenge an Charakteren auf, die wiederum das New York ihrer Zeit gut abbilden. Dennoch kratzt vieles nur an der Oberfläche und die Figuren bleiben Stereotypen ihrer Zeit. Eine Ausnahme bildet hierbei Bird, die sich durchaus wandelt und vom störrischen, traumatisiertem Kind zu einer echten kleinen Freundin wird und auch eine Entwicklung durchmacht. Ein interessanter Aspekt ist die Sprache im Roman. Tim schildert die Ereignisse als eine Art Polizeibericht. Die Geschichte wird chronologisch aus seiner Sicht erzählt. Die Figuren bedienen sich einer Gaunersprache, deren Vokabeln am Ende des Buches erläutert werden. Ich für meinen Teil bin auch ohne die „Übersetzung“ gut zurecht gekommen. Auch wenn die Vokabeln teilweise recht gewöhnungsbedürftig sind, haben sie den Lesefluss nicht gestört. Jedes Kapitel beginnt mit einer authentischen Zeitungsmeldung und hilft dem Leser nochmal in die Zeit um 1845 zu reisen.

Lieblingsnebencharakter: Mrs. Boehm, Tims Vermieterin, die früh verwitwet ist und nun die Bäckerei ihres Mannes alleine führt. Obwohl Tim ein fremder junger Mann ist, unterstützt sie ihn bei seiner Arbeit und bietet auch Bird Schutz und Ruhe. Sie ist die gute Seele des Buches.

Fazit: Eine gute Mischung aus Historischem Roman und Krimi. Wer New York, die Zeit um 1850 oder beides mag für den ist der Roman sicher etwas. Die Stadt in ihrer Zeit wird anschaulich abgebildet und man fühlt sich wie auf einer Zeitreise. Wer allerdings einen Krimi sucht, der absolut spannend ist, der wird nicht unbedingt zufrieden sein. Obwohl eine Menge falscher Spuren gelegt werden und einiges an unerwartetem passiert, kam nie das Gefühl auf, dass ich jetzt unbedingt noch ein Kapitel lesen müsste. Den Punktabzug gibts, da mir die Story doch etwas zu verworren war und mein Lesevergnügen dadurch gelitten hat.

Bewertung:
3 Stars

Bibliographische Angaben:
Autor: Lyndsay Faye (Übersetzung: Michaela Meßner)
Titel: Der Teufel von New York
Verlag: dtv
Ausgabe: Paperback (15,90 €)

Rezension: „Zero“ von Marc Elsberg

Zero von Marc Elsberg (Bildquelle: Blanvalet)

„Cyn blickt sich um, und ihr entkommt ein leiser Fluch. Das Internet kennt jede einzelne Person in diesem Bus! Ich kenne jede einzelne Person in diesem Bus. […] Wer überträgt womöglich Bilder von ihr live ins Internet? Mit einem Mal bedrängt Cyn das Gefühl Tausende Augen seinen auf sie gerichtet.“ (S.30/31)

Inhalt: Cynthia soll als Journalistin mehr über die Internetaktivisten rund um Zero herausfinden. Sie selbst hat gar nicht so viel am Hut mit technischen Neuerungen. Als ein Freund ihrer Tochter dann mit ihrer hochmodernen Datenbrille in eine Verfolgungsjagd gerät, nimmt die Handlung Fahrt auf und Cyn gerät zwischen die Fronten von Internetaktivisten, Polizei, FBI und dem Datengiganten Freemee.

Leseeindruck: Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Es legt ein rasantes Tempo vor, ständig wechselt die Erzählperspektive, die Handlung spielt dabei sowohl in Europa als auch in den USA. Als Leser muss man sich zunächst einen Überblick verschaffen, wer welche Interessen verfolgt. Bis zum Schluss bleibt diese Frage spannend, denn kaum jemand spielt mit offenen Karten. Man sollte sich von diesem Durcheinander nicht abschrecken lassen und der Geschichte Zeit geben, sich zu entfalten, es wird sich lohnen. Die Charaktere sind alle gut gewählt und es gibt nie ein klassisches Gut gegen Böse. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass es heißen müsste: Jeder gegen Jeden. Das FBI und CIA jagen Zero, Freemee jagt Zero, Zero jagt Freemee und Cynthia ist auf der Suche nach dem Geheimnis, welches Freemee verbirgt und wird deshalb von allen gejagt. Diese Konstellation schafft eine Menge Dynamik und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird. Besonders ab der zweiten Hälfte wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Grundsätzlich dreht sich alles um die Daten, die von jedem Einzelnen in der digitalen Welt kursieren. Wissen wir immer, wann wir Daten preisgeben? Können wir überhaupt völlig anonym leben, ohne uns von unseren Mitmenschen abzukanzeln? Wer profitiert von unseren Daten. In dem Buch wird eine Welt dargestellt, in der der gläserne Mensch keine Vision mehr ist. Körperfunktionen, Aufenthaltsort, Kommunikation alles wird ins Netz geladen und man kann sein Verhalten mit Hilfe von ActApps (Ratgeberprogrammen) verbessern lassen. Ich denke, dass diese Welt nicht allzu weit weg ist von unserer Gesellschaft, es handelt sich also nicht um ein reines SciFi-Buch. Diese Vorstellung war doch an einigen Stellen, sehr befremdlich. Schließlich geben auch wir jeden Tag eine Menge Daten preis. Beim bargeldlosen Bezahlen, surfen, telefonieren oder dem Einsatz diverser Kundenkarten. Auch in der Welt von Zero ist allen klar, dass man ohne digitales Datensammeln kaum mehr auskommen wird, als Leser bekommt man aber einen anderen Blick auf die Dinge. Diese thematische Ebene hat mir sehr gut gefallen an dem Buch. Lediglich zu Beginn gibt es einige technische Abschnitte, die mir etwas zu langatmig waren, das lag aber bestimmt daran, dass mich die technischen Hintergründe nur am Rande interessieren.

Der Stil des Buches ist sehr angenehm, den trotz aller technischen Begriffe kann man flüssig lesen. Die Chatmitschriften von Zero zwischen den Kapiteln haben nochmal einen anderen Blick auf die Dinge gegeben und der Handlung kurzzeitig etwas Tempo genommen. So blieb Zeit zum Durchatmen.

Lieblingsnebencharakter: Er hatte wirklich nur einen kleinen Part, aber ich habe sofort meine Sympathien an Eddie vergeben. Er ist sich treu geblieben und das hat mich überzeugt. Von seiner Sorte müsste es viel mehr geben. Macht euch am besten selbst ein Bild, denn ich will nicht spoilern und daher kann ich nicht mehr zu Eddie sagen.

Fazit: Ein tolles Buch mit sehr gut recherchiertem Thema. Wer sich für Datenschutz, Facebook und Co. Interessiert, sollte es lesen. Auch für alle, die einen spannenden Krimi suchen. Abraten muss denjenigen, die auf Schießereien und Blutvergießen stehen, dann werdet ihr mit Zero nicht glücklich. Ein kleiner Minuspunkt, da mir die technischen Ausflüge an einigen Stellen zu lang waren. Auf jeden Fall ein hochaktuelles Buch und spannend bis zum Schluss.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben
Titel: Zero. Sie wissen, was du tust
Autor: Marc Elsberg
ISBN: 9783764504922
Verlag: Blanvalet