Archiv der Kategorie: Rezension

Rezension: „Der Pfau“ von Isabel Bogdan

„Der Pfau“ von Isabel Bogdan (Bildquelle: Kiepenheuer & Witsch)

„Und so verging der Abend in eigenartiger Stimmung. Alle hatte aus unterschiedlichen Gründen ein schlechtes Gewissen, alle hätten es gern wiedergutgemacht, alle bemühten sich und waren freundlich.“ (S.215)

Inhalt: Ein, sagen wir, verrückt gewordener Pfau bringt das Teamseminar einer englischen Bankergruppe gehörig durcheinander. Und das alles nur, weil er auf blaue Dinge etwas seltsam reagiert. Man könnte aber auch sagen: Ein Missverständnis jagt das nächste 🙂

Leseeindruck: Was für ein Spaß! Das Buch ist komisch, originell, witzig ohne sich dabei in Blödeleien zu verlieren. Ich liebe es! Ich gebe zu, dass ich bei diesem Cover von etwas schwerer Kost ausgegangen bin. (Warum, weiß ich jetzt auch nicht mehr.) Daher lag das Buch – viel zu lange – auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich brauchte ein schmales Büchlein für einen Ausflug und wurde von diesem kleinen Buch wahrlich überrascht. Da ich überhaupt keine Erwartungen an die Story oder das Genre hatte, hat mich schon der Einstieg überrascht: Der Erzähler ist so … tja, britisch, eine andere Beschreibung fällt mir im Moment nicht ein. Mit bissiger Beobachtungsgabe erzählt er dem Leser, was auf dem schottischen Anwesen der McIntoshs so vor sich geht. Ihm entgeht dabei nicht die kleinste Gefühlsregung und der Leser darf an allen Geheimnissen teilhaben, während die Figuren natürlich weiter im dunklen tappen und von einem Missverständnis nächste stolpern. Einfach herrlich.
Die Geschichte wird durchgehend in der 3. Person erzählt und kein einziges Mal wird die wörtliche Rede verwendet. Man könnte jetzt meinen, dass diese Erzählweise Distanz zum Leser herstellt, durch die lockere Art des Erzählers geschieht aber genau das Gegenteil. Man schließt die Figuren ins Herz, da man ja so einiges über sie erfährt, was ihre Mitmenschen noch nicht wissen. Man darf also von Anfang an Mitwisser sein.
Obwohl eine kuriose Szene die nächste jagt, wird es nie albern. Vielmehr zeigen sich nach und nach die wahren Charakterzüge der Bänker und man bekommt einen Einblick in die Dynamik der Gruppe. Hin und wieder hätte ich den Figuren gern zugerufen: Meine Güte, jetzt redet doch miteinander! Aber dann wäre der Spaß doch viel zu schnell vorüber gewesen. Die Story lebt wirklich von den falschen Annahmen und Spekulationen der Figuren. Ich will hier auch nicht zu viel vorweg nehmen, denn es passieren wahrlich abenteuerliche Dinge. Kaum glaubt man, den Höhepunkt erreicht zu haben, passiert noch etwas Verrücktes, Komisches und in jedem Fall Überraschendes. Eines kann ich vielleicht schon verraten: Die größte Überraschung erlebt man am Ende. Ich habe selten über einen letzten Satz so laut gelacht. Die Geschichte hat im wahrsten Sinne des Wortes vom ersten bis zum letzten Satz Spaß gemacht.

Lieblingsnebencharakter: Generell haben mir die Tiere der McIntoshs und auch der Hund der Bänkerin sehr gut gefallen. Die kleinen Kerle haben es wirklich nicht einfach, die Macken ihrer Herrschen zu verstehen und aus ihnen schlau zu werden. Besonders die Szenen aus Mervyns Sicht, dem Hund der Bänkerin Liz, haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Der kleine Kerl hat, als Einziger, den Durchblick und weiß genau, wer was gemacht hat, nur wer hört schon auf einen Hund? In jedem Fall muss der kleine so einiges einstecken an dem Wochenende. „Mervyn schlich mit eingezogenem Schwanz hinterdrein und verstand immer noch nicht, was er falsch gemacht hatte.“ (S. 76) Mit solchen Szenen hat er es sich wirklich verdient Lieblingsnebencharakter zu sein.

Fazit: Dieses Buch empfehle ich wirklich gern. Es macht Spaß. Es ist originell. Es lohnt sich einfach. Voller Lobes gibt es großartige 5 Sterne.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Der Pfau
Autorin: Isabel Bogdan
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462048001
Ausgabe: Hardcover (18,99 EUR)

Rezension: „Smoke“ von Dan Vyleta

„Smoke“ von Dan Vyleta (Bildquelle: carl’s books)

„Rauch ist, in jedem Fall, sehr leicht zu lesen. Er ist die lebendige Manifestation des Verfalls. Der Sünde.“ (S. 40)

Inhalt: Rauch beherrscht das Leben im England des 19. Jahrhunderts. Es ist ein ganz besonderer Rauch, einer der jede Bosheit und Verfehlung sichtbar macht. Rauch ist schlecht und soll unter allen Umständen vermieden werden. Am besten natürlich durch tugendhaftes Verhalten.
Die jungen Schüler Charlie und Thomas gehen auf ein Eliteinternat und beginnen die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Wo kommt er her und was macht er mit den Menschen? Dabei stoßen sie auf eine Menge Geheimnisse innerhalb der Gesellschaft, die sie in Gefahr bringen.

Leseeindruck: Die Ausgangssituation hat mir sehr gut gefallen. Rauch, der Verfehlungen anzeigt und somit auch die Innenwelt der Menschen äußerlich sichtbar macht. In dieser Welt kann kaum eine Figur ihre Gedanken für sich behalten.
Schnell wird klar, dass es rund um den Rauch Geheimnisse gibt, die nur eine kleine elitäre Gruppe kennt. Leider liegt für mich genau hier das größte Manko der Geschichte. Mir war nicht immer klar, wer welche Ziele verfolgt, oder was genau die einzelnen Charaktere über den Rauch wissen oder auch, was sie bewirken wollen.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte zu sehr verstrickt, wenn nicht sogar verworren. Es gibt einfach zu viele Charaktere, die unterschiedliche Dinge wollen, ohne dass mir die Motive immer ganz klar waren. Daher bin ich leider auch mit keinem der Charaktere so richtig warm geworden. Gerade von Thomas hätte ich mir mehr erwartet. Er hat durch seine familiäre Vorgeschichte mehr zu bieten, als die Geschichte zeigt.

All die kleinen Defizite haben leider dazu geführt, dass ich sehr lange für den Roman gebraucht habe. Immer wieder habe ich Lesepausen eingelegt, da die Handlung nicht recht in Fahrt gekommen ist. Natürlich fällt es dadurch auch wieder schwer, den Überblick über die Figuren zu behalten. Ein wahrer Teufelskreis.

Ich will aber auch nicht den Eindruck erwecken, als würde die Story überhaupt keinen Spaß machen. Das Milieu, rund um die adeligen Kinder, die sich nun auch mit dem einfachen Volk auseinandersetzen müssen, bietet eine Menge Konfliktpotential. Auch die Dreiecksbeziehung zwischen Thomas, Charlie und Livia sorgt genauso für Spannung wie die zahlreichen Verschwörungen und Intrigen.
Die Erzählstruktur hat auch einen Pluspunkt verdient. Die Mehrzahl der Kapitel ist zwar ganz klassisch in der 3. Person verfasst, es gibt aber auch eine Menge Kapitel, die in der 1. Person verfasst sind. Dabei lernt der Leser eine ganze Reihe verschiedenster Nebencharaktere kennen, deren Perspektive hier eingenommen wird.

Lieblingsnebencharakter: Wirklich beeindruckt hat mich die kleine Eleanor.  Sie musste so viel Leid ertragen, dass es kaum auszuhalten war. Die Szenen mit ihr gehören für mich eindeutig zu den emotionalsten der ganzen Geschichte.

Fazit: Eine phantastische Geschichte, die mit unserer Vorstellung von Moral spielt. Der Leser begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins England des 19. Jahrhunderts.
Leider ist die Story an der einen oder anderen Stelle etwas überladen, womit die Gefahr besteht, den Überblick über die Figuren und deren Absichten zu verlieren.
Wer an der Story dran bleibt und seine Sympathien an einen der Charaktere vergeben kann, wird sicher seinen Spaß haben.

Bewertung
3 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta (Übersetzung Katrin Segerer)
Verlag: carl’s books
ISBN: 9784570585689
Ausgabe: Paperback (16,99 EUR)

Vielen Dank an das bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Rezension: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling

„Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling (Bildquelle: Penguin Verlag)

„Wir können es machen wie alle anderen Buchhandlungen, oder wir konzentrieren uns darauf etwas Besonderes zu sein. Wir könnten die Adresse für Liebesromane werden.“ (S. 71)

Inhalt: Die Buchhandlung in Bloomsbury läuft nicht gerade gut und ist auch schon ziemlich heruntergekommen, aber er ist Posys Leben. Sie ist quasi dort aufgewachsen, also stellt sie sich der Herausforderung, als sie den Laden erbt. In Posys Leben gab es bisher viele Rückschläge, aber mit Liebesromanen kennt sie sich aus, deshalb plant sie eine ganz besondere Buchhandlung, in der es nur Liebesromane geben soll. Nur leider sieht Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, das alles ein wenig anders. Es beginnt eine Geschichte, die auch eine Menge Stoff für Posys eigenen Liebesroman bietet.

Leseeindruck: Ok, der Titel und auch die Covergestaltung deuten schon darauf hin, dass man es hier nicht mit großer anspruchsvoller Literatur zu tun haben, aber dennoch hatte ich eine Menge Spaß mit dem Buch. Hin und wieder braucht man auch mal ein Buch fürs Herz und Gemüt. Genau so ein Buch ist „Der kleine Laden der einsamen Herzen“. Im Prinzip kann man sich zwar von Anfang an vorstellen, wie alles ausgehen wird, aber der Weg dahin ist doch das eigentlich unterhaltende. Mit viel Charme und Witz verfolgt man Posys Weg zum Glück. Es gilt einige Rückschläge einzustecken und dabei nie den Mut zu verlieren. Ich hatte durchweg ein gutes Gefühl beim Lesen und dachte: Ach, ist das schön. 🙂 Ok, einen großen Anteil daran hat natürlich der Schauplatz der Geschichte, denn die meiste Zeit bewegen wir uns in der kleinen beschaulichen Buchhandlung „Bookends“. Also war es um mich geschehen und ich habe mein Herz an die Buchhandlung verloren. Nicht nur mit Sebastian, Posy oder einem der anderen liebenswerten Figuren, habe ich mitgefiebert. Ich wollte immer wissen, wie es mit „Bookends“ weitergeht. Eine Buchhandlung die mit viel Liebe und Idealismus geführt wurde und die Posy nun mit ihrer ganz eigenen Art weiterführen will. Mir hat es gefallen, wie diese Entwicklung dargestellt wurde. Bei allem Kitsch und vielen Klischees, die hier auch zu finden sind, würde ich der Buchhandlung sofort einen Besuch abstatten, wenn es sie gäbe 🙂 Man nimmt Posy einfach ihr Faible für Liebesromane ab.

Wenn man sich einmal auf die Story einlässt und einem klar ist, dass dieses Buch einfach nur für kurze Zeit unterhalten will, ohne dem Leser eine große Botschaft mit auf den Weg zu geben, sorgt auch die Handlung der zweiten Erzählebene für eine Menge Spaß. Darin dürfen wir in Posys eigenem „Schundroman“ lesen. Einfach nur herrlich wie sie ihr eigenes Leben in einen historischen Nackenbeißerroman verwandelt. (Natürlich mit Sebastian als amourösen Held)
Ich glaube die Autorin hatte selbst eine Menge Spaß beim Schreiben, denn so ist es ihr doch tatsächlich ein amüsanter Genremix aus verschiedenen Liebesromanen gelungen.

Natürlich gibt es auch ernste Momente, die eben auch zum Leben gehören. In meinen Augen ist der Autorin die Balance zwischen Drama und Komödie hier gut gelungen. Die Emotionen kommen in keinem Fall zu kurz. Die Charaktere sind zwar recht stereotyp, aber sie haben alle ihre persönlichen Eigenheiten, die sie besonders machen. Dabei habe ich -natürlich- das Personal der Buchhandlung besonders in mein Herz geschlossen. In diesem Roman konnte ich schnell meine Sympathien verteilen und lag auch (kaum) daneben mit meinen Einschätzungen.

Lieblingsnebencharakter: Ach, ich mochte Verity, eine der Angestellten gern. Sie arbeitet zwar in der Buchhandlung, verabscheut aber Kundenkontakt und kümmert sich daher um die Finanzen. Großartig, wie ihre Abneigung gegen andere Menschen dargestellt wird. Man möchte ihr zurufen: „Augen auf bei der Berufswahl“ 😉 Trotzdem ist sie sympathisch, da sie sich ihrer Schwäche bewusst ist, und Posy mit dem Blick über die Finanzen unter die Arme greift. Es hat eben jeder andere Stärken. Wirklich im Gedächtnis geblieben ist mir aber Lavinia (die Vorbesitzerin), die so liebevoll auch nach ihrem Tod noch die Fäden in der Hand behalten hat. Dass ich mich nicht so recht entscheiden kann, zeigt nur, dass Posy ohne ihre Familie und Freunde aufgeschmissen wäre 🙂

Fazit: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ ist wahrlich was fürs Leserherz. Ein Buch, dass einen für ein paar Stunden wunderbar unterhält und einen dabei auch noch mit in eine bezaubernde Buchhandlung nimmt. Man sollte sich im Klaren sein, dass einen hier keine allzu anspruchsvolle Literatur erwartet, vielmehr eine romantische Liebesgeschichte mit viel Charme. Wer mit dieser Erwartungshaltung das Buch aufschlägt, wird wunderbar unterhalten werden. An der einen oder anderen Stelle ist die Story vorhersehbar, deshalb gibt es gute 4 Sterne von mir.

PS: Übrigens soll „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ der erste Band einer Reihe sein. Dann bin ich mal gespannt, wie es mit der Buchhandlung und Posy weitergeht.

Bewertung:

4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“
Autorin: Annie Darling (Übersetzung: Andrea Brandl)
Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100980
Ausgabe: Taschenbuch (Preis: 10,00 €)

Rezension: „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde (Bildquelle: btb)

„Allein ist sie nichts, ein so kleines Bruchstück, dass es keine Bedeutung hat, gemeinsam mit den anderen jedoch ist sie alles. Denn gemeinsam sind sie der Stock.“ (S. 228)

Inhalt: Drei Schicksale in drei Ländern und drei Jahrhunderten. Tao (im Jahr 2098 in China), William (im Jahr 2007 in Ohio) und George (im Jahr 1852 in England) kämpfen jeweils mit den Umständen ihrer Zeit. So unterschiedlich die drei Ebenen auch sind, verbindet sie eins: Die Geschichte der Bienen. Wir blicken quasi in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bienen. Eine wechselvolle Geschichte, die sich auch im Leben der Familien widerspiegelt.

Leseeindruck: Bücher über Bienen gibt es ja im Moment zuhauf aber in Form eines Romans habe ich noch keines in die Hände bekommen. Das Thema Bienen interessiert mich schon seit geraumer Zeit. Die kleinen Insekten sind einfach zu wichtig für uns Menschen und das nicht (nur) wegen des leckeren Frühstückshonig 😉 Ohne Bienen gibt es (fast) niemanden, der unsere Pflanzen bestäubt und damit auch nix zu futtern für uns Menschen. Ich war also mehr als neugierig, wie diese Thematik in einem Roman verarbeitet werden würde.
Von der ersten Seite an konnte ich das Buch kaum weglegen. Die drei Geschichten um Tao, George und William haben mich alle angesprochen. Die Erzählstruktur trägt dabei einiges zum Leseerlebnis bei, denn die Hauptfigur und somit auch der Schauplatz wechselt mit jedem Kapitel. Obwohl so die einzelnen Geschichten immer wieder unterbrochen werden, hat mich das doch kein bisschen gestört. Vielmehr wurde ich mit jeder Seite neugieriger wie nun alles zusammenhängt und wie die Probleme der einzelnen Ebenen nun gelöst werden. Es gab immer wieder Neues zu den Bienen aber auch zu den Figuren in Erfahrung zu bringen. Außerdem war ich von Beginn an neugierig wie die Geschichten vielleicht miteinander verwoben sind. Aber lest selbst 🙂

Obwohl die Geschichten jeweils etwa ein Jahrhundert trennt, haben sie doch so viel gemeinsam. Die Themen Familie, Liebe und die eigene Existenz spielen eine bedeutende Rolle und werden auf wundervolle Weise beschrieben. In jeder Zeit müssen sich die Charaktere mit Konflikten auseinandersetzten und mit den jeweiligen Anforderungen der Gesellschaft klarkommen. Am meisten fasziniert hat mich da Taos Geschichte im China der Zukunft. Ihre Welt ist so vollkommen anders als unsere Gegenwart, in jedem Fall emotional und körperlich härter, eine gravierende gesellschaftliche Veränderung, die hauptsächlich durch das Fehlen der Bienen begründet ist. Für mich war das eine erschreckende Zukunftsvision, die hoffentlich keine Realität wird. Aber auch die anderen beiden Erzählebenen sind sehr emotional und legen die Gefühlswelt der Figuren offen.

Einer der größten Pluspunkte des Buches ist für mich aber, dass man so ganz nebenbei in liebevolle Sätze verpackt etwas über die Geschichte der Bienen erfährt und welchen Einfluss die Bienen auf das Leben der Menschen haben (und umgekehrt). Ich habe unheimlich viel über die Haltung der kleinen Insekten erfahren. Im Vergleich der verschieden Erzählebenen kann man sich außerdem noch ein Bild davon machen, wie sich das alles über die Jahrhunderte verändert hat. Ich habe den Roman in dieser Hinsicht als schonungslos empfunden. So leiden nicht nur die Bienen, sondern mit ihnen die Charaktere im Buch und damit habe auch ich beim Lesen (mit)gelitten.

Lieblingsnebencharakter: Man müsste ja fast drei verschiedene Charaktere nennen, denn man liest ja quasi drei unterschiedliche Geschichten. Trotzdem ist mir eine Figur besonders im Gedächtnis geblieben. Ihre Rolle ist klein und in meinen Augen doch so bedeutend für die Verbindung der Geschichten. Williams Tochter Charlotte mochte ich von ihrem ersten Auftreten an. Kein Wunder bei ihrer Hingabe für die Bienen. Ihre Person spannt in gewisser Weise einen Bogen über alle drei Geschichten. Dieses kleine Detail ist vielleicht nicht entscheidend für den Ausgang und die Aussage der Geschichte, macht Charlotte aber doch zu einem besonderen Charakter in meinen Augen.

Fazit: Leute lest dieses Buch! Ihr werdet Bienen ab sofort mit anderen Augen sehen und euch über jedes kleine Exemplar auf der Wiese freuen. Man lernt so viel, ohne dass man sich belehrt fühlt und noch dazu wird alles Wissenswertes auch noch in drei berührende Familiengeschichten verpackt. An den Charakteren im Buch wird symbolisch sichtbar, dass es den Menschen nur gut geht, wenn es auch den Bienen an nichts fehlt. Eine Botschaft, die ich nach dem Lesen jedem nur ans Herz legen kann. Dieses Buch regt zum Nachdenken an und das gleich auf mehreren Ebenen. Da mich das Buch nun auch nach mehreren Wochen nicht mehr loslässt kann ich nicht einfach 5 Sterne vergeben. Dieses Buch ist ein wieder ein wahres Herzensbuch für mich. Also nochmal: Lest dieses Buch!

Bewertung
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Die Geschichte der Bienen“
Autorin: Maja Lunde (Übersetzung: Ursel Allenstein)
Verlag: btb
ISBN: 9783442756841
Ausgabe: Hardcover (20,00 EUR)

Rezension: „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ von David Foenkinos

„Das geheime Leben des Monsieur Pick“ von David Foenkinos (Bildquelle: DVA)

„Das Buch stand weiter an der Spitze der Bestsellerliste, es entwickelte sich regelrecht zu einer literarischen Sensation, was nun allerlei erstaunliche Konsequenzen hatte. (S. 153)

Inhalt: Finistère ist ein kleiner bretonischer Ort, über den es nichts außergewöhnliches zu berichten gibt. Die Einwohner sind ganz gewöhnliche Leute, bis auf einen: Henri Pick. Der hat der Gemeindebibliothek sein abgelehntes Manuskript zur Verfügung gestellt. Die junge Lektorin Delphine entdeckt den Roman und bringt ihn groß raus. Jetzt ist nichts mehr so, wie es einmal war und alle fragen sich, ob der verstorbene Pizzabäcker wirklich der Autor dieses großen Romans ist, schließlich hat er doch nie etwas von Bedeutung geschrieben. Die Suche nach der wahren Entstehungsgeschichte sorgt für eine Menge Durcheinander unter den Charakteren. Eine verwobene Geschichte mit vielen außergewöhnlichen Figuren nimmt ihren Lauf, denn eines ist sicher: „Dieses Buch konnte Leben verändern“ (S. 161)

Leseeindruck: Ich habe das Buch zur Hand genommen, da mich die Ausgangssituation der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte neugierig gemacht hat. Eine Abteilung in der es nur Bücher zu lesen gibt, die kein Verlag wollte. Soll das alles wirklich schlechte Literatur sein? Das kann man sich kaum vorstellen, deshalb ist es doch genauso gut möglich, dass sich eine Perle unter den abgelehnten Manuskripten versteckt hat. Man muss sie eben nur finden.
Ich liebe Bücher, die sich um Bücher drehen. Und auch diese Geschichte versprüht wieder so einen Charme, den man vielleicht nur als Leseratte erkennt. Man kann sich ganz genau in die Menschen hineinversetzten, die sich von Monsieur Picks Roman verzaubern lassen. Die Faszination, die ein Roman auf die Menschen haben kann, wird zum Thema gemacht. Dabei wird auch ein Blick auf die Verlags- und Buchwelt geworfen, denn schließlich reicht es in der heutigen Zeit nicht aus, ein gutes Buch zu schreiben, um einen Bestseller zu landen. Nein, man muss auch noch kräftig die Marketingtrommel rühren, damit man in der Medienlandschaft Beachtung findet. All diese Aspekte werden auf unterhaltsame und humorvolle Weise angesprochen. Überhaupt herrscht in dem Roman ein lockerer Tonfall. Nicht zuletzt der Erzähler würzt mit seinen bissigen Kommentaren in den Fußnoten das Geschehen. Ich hatte beim Lesen einfach nur Spaß. Die einzelnen Kapitel sind in der Mehrheit sehr kurz, so kommt man schnell voran, denn genauso schnell, wie sich die Marketingmaschine rund um Monsieur Picks Buch dreht, blättert man auch die Seiten in diesem Buch um. Würde das Buch verfilmt werden, dann sicher als Episodenfilm, da bin ich mir sicher.

Es gibt eine ganze Menge verschiedenster Charaktere im Buch, die alle irgendetwas mit dem Roman oder Monsieur Pick selbst zu tun haben. Das Manuskript verbindet sie alle und bringt unterschiedliche Figuren zusammen, dabei entstehen die unterschiedlichsten Paarungen. Vom ersten Flirt bis zur endgültigen Abfuhr ist alles dabei. Bei mindestens 6 verschiedenen Paaren, die sich im Laufe des Romans finden oder auch schon gefunden haben, war es nicht immer leicht den Überblick zu behalten. Dies ist vielleicht der einzige kleine Kritikpunkt den ich habe. Es fiel mir nicht immer ganz leicht, den Überblick darüber zu behalten, wer gerade in welcher Beziehung zum Gegenüber ist. Trotzdem denke ich, ist mir nichts entscheidendes entgangen, ein Punkt mit dem ich also gut leben kann.

Lieblingsnebencharakter: Eindeutig Monsieur Pick. Da er schon nicht mehr am Leben ist, muss man sich mit den Anekdoten über ihn begnügen. Ich habe am meisten über ihn und sein Tun nachgedacht. Seine Figur hat einfach etwas rätselhaftes. Wie kann ein einfacher Pizzabäcker einen so erfolgreichen und guten Roman schreiben, ohne dass seine Familie etwas davon bemerkt? Er ist die heimliche Hauptperson, denn sein Manuskript ist der Anstoß für alle anderen Handlungsstränge. Ohne ihn, hätte nicht ein Charakter sich so weiterentwickeln können und alles wäre völlig anders verlaufen.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch über das Geschäft mit den Bestsellern, aber auch über die Beziehungen ganz normaler Menschen. Eine Geschichte, die in erster Linie Spaß macht und sich doch auch kritisch mit unserer Gesellschaft auseinandersetzt, in der etwas eben nur zählt, wenn an Platz 1 ist. Ich habe über viele einzelne Stellen auch noch gelacht, nachdem ich das Buch zur Seite gelegt hatte. Für mich ist das immer ein gutes Zeichen, denn dann hat mich die Geschichte auch berührt. Und genau so ist das bei diesem Buch.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Das geheime Leben des Monsieur Pick
Autor: David Foenkinos (Übersetzung: Christian Kolb)
Verlag: DVA
ISBN: 9783421047601
Ausgabe: Hardcover (19,99 EUR)

Rezension: „Das Buch der Spiegel“ von E.O. Chirovici

„Das Buch der Spiegel“ von E.O. Chirovici (Bildquelle: Goldmann)

„Sechsundzwanzig Jahre später sollte sich meine Sicht der Dinge ändern. Ich erfuhr die Wahrheit über die Ereignisse jener Monate – nicht dass ich danach gesucht hätte, sie traf mich vielmehr wie eine verirrte Kugel.“ (S. 90)

Inhalt: Das Fragment eines autobiographischen Buches sorgt für Aufsehen, da es genau an der Stelle endet, die die größte Spannung verspricht. Der Literaturagent Peter versucht nun mit Hilfe des Journalisten John und dem ehemaligen Polizisten Roy mehr über die ganze Geschichte zu erfahren. Was verband den jungen Schriftsteller Richard Flynn mit der Studentin Laura Baines und dem Professor Joseph Wieder? Was wusste Richard alles und wo befindet sich das komplette Manuskript? Die drei müssen eine Menge ungelöster Fragen der Vergangenheit klären, um die Wahrheit über die Ereignisse des Jahres 1987 herauszufinden. Dabei erzählen nicht alle Beteiligten die Wahrheit, denn kann man nach mehr als 20 Jahren seiner Erinnerung noch trauen?

Leseeindruck: Das Buch beginnt mit dem Manuskript Richard Flynns. Darin beschreibt der die Ereignisse des Jahres 1987 und wie alles zum tragischen Höhepunkt geführt hat. Schon diese Schilderung machte mich wahnsinnig neugierig, denn ich habe ständig versucht zwischen den Zeilen zu lesen, um vielleicht mehr über den Hergang der Tat zu erfahren. Ich kam mir schon selbst vor wie ein kleiner Ermittler, denn Richard schildert alles aus der Ich-Perspektive. Kaum nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf, wechselt auch die Perspektive zu einem anderen Ich-Erzähler. Dieser Bruch lässt die Spannung nur noch stärker werden. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich bei einem Buch so richtig gefesselt war, aber die Erzählstruktur der Geschichte ist wirklich einmalig. Mit mehr oder weniger vagen Andeutungen, der wechselnden Erzähler wächst beim Lesen die Erwartungshaltung und man ist ständig dabei die Geschehnisse im Kopf neu zu ordnen. Kaum hat man sich eine Theorie zurecht gelegt und glaubt die Wahrheit nun zu kennen, wird man im nächsten Kapitel eines besseren belehrt. Und das alles auch noch ohne irgendwelche Logiklücken. Ich hatte beim Lesen mehr als einen Aha-Moment.
Der Stil ist möglicherweise gewöhnungsbedürftig, denn jeder Erzähler schildert das Erlebte chronologisch und sachlich aus der Ich-Perspektive. Viel Emotionen werden nicht transportiert und doch fühlt man sich als Leser angesprochen. Es ist fast so, als begleite man die (privaten) Ermittler ganz nah bei ihren Recherchen. Man kann jeden Schritt verfolgen und nach und nach ergeben die vielen Einzelheiten ein umfassendes Bild, so dass man endlich die ganze Wahrheit über die schicksalhafte Nacht im Jahr 1987 erfährt.
Der psychologische Aspekt der Geschichte hat mir gut gefallen, hierbei dreht sich alles um unsere Erinnerungen und inwieweit man diesen trauen kann. Ein Thema, das in allen verschiedenen Erzählebenen aufgegriffen wird und auch mich als Leser nicht mehr losgelassen hat. Auch nachdem ich das Buch zugeklappt habe, habe ich mir noch Gedanken über den Ausgang der Geschichte gemacht und wie alles soweit kommen konnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass man beim nochmaligen Lesen einzelne Abschnitte mit ganz anderen Augen liest, da man den Ausgang der Geschichte ja nun kennt.
Je nach Kapitel wechselten auch die von mir vergebenen Sympathiepunkte. War mir ein Charakter zu Beginn noch sympathisch konnte das 50 Seiten später schon wieder ganz anders aussehen, denn schließlich hatte ich jetzt mehr Informationen. Nur leider müssen die ja nicht richtig sein… Und schon waren die Karten wieder neu gemischt. Langweilig wird’s dem Leser auf keinen Fall, denn bis zum Schluß gibt es noch neue Enthüllungen zu entdecken.

Lieblingsnebencharakter: Ich muss zugeben, dass mir dieses Mal die Nebenfiguren nicht allzu sehr im Gedächtnis geblieben sind. Wobei sich in diesem Buch auch die Frage stellt, wer sind überhaupt die Nebencharaktere? Richard, Laura, Professor Wieder und Derek Simmons sind die Hauptfiguren des eigentlichen Falls. Peter, John und Roy versuchen in der Gegenwart die Wahrheit ans Licht zu bringen, und auch wenn ohne die drei eine Aufklärung des Verbrechens von 1987 nicht möglich gewesen wäre, spielen sie doch nur eine untergeordnete Rolle. Die spannende Geschichte hat sich 1987 zugetragen. Vor diesem Hintergrund wähle ich Roy zu meinem Lieblingsnebencharakter. Seine Motivation, die Geschichte aufzuklären ist besonders, noch dazu ist er am hartnäckigsten. Er hat sich einfach der Wahrheitsfindung verschrieben. Soviel Einsatz sollte belohnt werden.

Fazit: Ein unheimlich spannendes Buch mit vielen unerwarteten Wendungen. Niemals kommt Langeweile auf, ganz im Gegenteil die Spannung ist von Anfang bis Ende sehr hoch. Der Leser darf teilhaben an den Ermittlungen und dabei zusehen, wie die eine oder andere Theorie aufkommt und wieder verworfen wird, denn auch wenn man glaubt von Beginn an zu wissen, was wirklich passiert ist, man muss sich immer wieder eines besseren belehren lassen. Nichts ist so schwierig zu finden wie die Wahrheit, noch dazu, wenn man nur die eigene Erinnerung hat. Ein psychologischer Krimi, der sich mit der Macht der eigenen Erinnerung auseinandersetzt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Das Buch der Spiegel
Autor: E. O. Chirovici (Übersetzung: Silvia Morawetz / Werner Schmitz)
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442314492
Augabe: Hardcover (Preis: 20,00 EUR)

Rezension: „Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell

„Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell (Bildquelle: Ullstein)

 “ ‚Die Eisenbahn […] kann diese dumpfe Feindschaft überwinden. Wir bauen daran. Du, wir … was wir tun bringt den Frieden.‘ “ (S. 281)

Inhalt: Die Eisenbahn beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug durch Europa. Die Welt ist im Umbruch und die europäischen Mächte ringen um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. In diesen unruhigen Zeiten, die von revolutionären Gedanken geprägt ist, lernen sich Alvin, Paul und Louise kennen. Die drei könnten unterschiedlicher nicht sein. Alvin, ein preußischer Junker und Paul, ein bayrischer Techniker treffen auf die Französin Louise. Die drei müssen mit allerlei Schicksalsschlägen fertig werden und werden immer wieder von den Fehlern ihrer Vergangenheit eingeholt. Und als wäre das nicht schon genug, müssen die drei sich auch noch mit der Sehnsucht nach der großen Liebe rumschlagen.

Leseeindruck: Die mehr als 1000 Seiten dieses Romans lassen sich wirklich gut lesen. Man kommt gut rein in die Geschichte, denn die Figuren werden Kapitel für Kapitel vorgestellt, so ergibt sich schnell ein umfassendes Bild und man kann schnell seine persönlichen Sympathiepunkte vergeben. Klar, hier hat man einen typischen historischen Roman vor sich: Gut gegen Böse. Noch dazu bekommt man sofort mit, wer hier Intrigen spinnt und wer dagegen eine ehrliche Haut ist. Die Motive der einzelnen Figuren zeichnen sich schon von Beginn an klar und deutlich ab.
Man mag nicht immer einverstanden sein, mit den Entscheidungen, die die Charaktere treffen, aber doch erhält der Leser für alle Entwicklungen eine plausible Begründung geboten. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Figuren bestimmte Entscheidungen nur treffen, damit die Story an anderer Stelle oder an einem anderen Schauplatz weitergeführt werden kann. Besonders bei Louise hatte ich dieses Gefühl. Kaum ist sie glücklich, trifft sie Entscheidung, die nicht nur für ihr weiteres Leben von großer Bedeutung ist, sondern auch das Leben von Alvin und Paul auf den Kopf stellt. Auf diese Weise bleibt die Geschichte aber immer abwechslungsreich, denn man weiß als Leser nie, wo die Reise (im wahrsten Sinne des Wortes) noch hin geht.
Mir hat es gefallen, wie die Handlung um Alvin, Paul und Louise in den geschichtlichen Rahmen der Zeit eingefügt wurde. Die beginnende Industrialisierung mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und die politischen Machtkämpfe der einzelnen europäischen Staaten bilden eine tolle Kulisse für die persönlichen Schicksale der Figuren. Man kann sich richtig gut in die Zeit reindenken und die Lebensumstände der Menschen nachempfinden. Hin und wieder sind mir aber gerade die Ausführungen zu politischen und militärischen Themen etwas zu umfangreich. Für meinen Geschmack hätte man da durchaus etwas raffen können, denn an der einen oder anderen Stelle ging es mir zu zäh voran. Das mag allerdings nicht jeder so sehen, wer sich vielleicht nicht so gut mit der politischen Situation in der Mitte des 19. Jahrhunderts auskennt, der wird über die Ausführen vielleicht ganz froh sein. Denn nur im Zusammenhang mit der jeweiligen politischen Lage lassen sich auch die privaten Entscheidungen der Figuren begründen. Da ich schon immer ein Faible für diese Zeit hatte, war mir die eine oder andere Erläuterung überflüssig.
Grundsätzlich kann ich aber nur den Hut ziehen: So umfangreiche und komplizierte politische Verhältnisse als Hintergrund für eine Familiengeschichte heranzuziehen ist dem Autor wirklich gut gelungen.

Lieblingsnebencharakter: In diesem Roman gibt es eine ganze Menge von wichtigen und unwichtigen Nebencharakteren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir da der preußische Polizist Bronkowski. Der trägt das Herz auf der Zunge und ist dabei immer für einen Spaß zu haben. Alvin und Paul können froh sein ihn als Freund zu haben. Er hat den beiden von Beginn an den Rücken frei gehalten und dabei sein eigenes Wohlbefinden stets hinter an gestellt. Ein echter Freund.

Fazit: Ich mag die Familiengeschichte der von Briests wirklich sehr. Der Roman ist sehr abwechslungsreich. Von Freundschaft über Intrigen bis hin zu politischen Machtkämpfen ist alles enthalten. Schießereien wechseln sich mit romantischen Szenen ab, da sollten sich eine Menge verschiedener Leser angesprochen fühlen. Ein historischer Roman, der zwar auch eine Menge Klischees bedient, aber nicht doch auch überraschen kann. Gerade wer das ausgehende 19. Jahrhundert mag, wird die Kulisse der Geschehnisse lieben. An einigen Stellen war mir die Geschichte zu langatmig, aber alles in allem wurde ich gut unterhalten. Ein wahrer Schmöker, mit dem man ein paar nette Lesestunden verbringen kann.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Der Jahrhundertsturm (Jahrhundertsturm, Bd. 1)
Autor: Richard Dübell
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 9783548286648
Ausgabe: Taschenbuch (Preis: 9,99 €)

Reihe:
Bd. 1 „Der Jahrhundertsturm“
Bd. 2 „Der Jahrhunderttraum“

Rezension: „Das Paket“ von Sebastian Fitzek

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„Das Paket“ von Sebastian Fitzek (Bildquelle: Droemer)

„Das Einzige, was jetzt noch dringend genäht werden musste, war ihr Leben, das in mehrere Teile zerrissen war, […].  (S.249)

Inhalt: Der Postbote klingelt in einer gut behüteten Wohnsiedlung und bittet Emma Stein ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Sie willigt ein, bevor sie merkt, dass sie keinen Nachbarn kennt, mit diesem Namen. Alles könnte so harmlos sein, wären da nicht Emmas traumatische Kindheitserinnerungen und ihre Begegnung mit einem Serienmörder vor einigen Monaten. Welchen Alptraum hat sie sich da nur ins Haus geholt und wie wird sie ihn wieder los?

Leseeindruck: Wieder einmal ein wirklich spannender Thriller von Sebastian Fitzek. Eine alltägliche Ausgangssituation, die wohl viele von uns schon mal erlebt haben, wird zur Grundlage für eine verstrickte Romanhandlung. Ein Paket für jemanden annehmen? Kein Problem. Doch dann beginnt das Kopfkino. Was ist in dem Paket, wer ist der unbekannte Nachbar? Genau das macht die Spannung dieses Buches aus. Emma hat eine so traumatische Vorgeschichte, dass man als Leser immer wieder den Atem anhält. Ihr passieren viele unerklärliche Dinge und nicht nur sie selbst denkt oft: Das kann doch jetzt nicht wahr sein, wieviel muss ich denn noch ertragen. Auch als Leser hatte ich oft genau dieses Gefühl.
Die Kapitel sind recht kurz, dadurch nimmt das Geschehen sehr schnell an Fahrt auf. Kaum hat man die Gedanken im Kopf sortiert, werden sie im nächsten Kapitel wieder durcheinander gewirbelt. Mehr als einmal habe ich geglaubt, ich sei dem Täter auf der Spur, doch jedes Mal wurde ich eines besseren belehrt. Es wird überhaupt viel mit den Erwartungen des Lesers (und auch Emmas) gespielt. Eingetreten sind meine aber nie, denn die Handlung ist alles andere als vorhersehbar. Trotzdem werden alle Fäden am Ende logisch verknüpft. Zwischendurch konnte ich mir nicht vorstellen, wie dieses ganze Geflecht aus Lügen und Intrigen noch aufgelöst werden soll, aber keine Sorge, es wird hervorragend aufgelöst. Allein schon für das Ende könnte ich 5 Sterne vergeben. Ich kann dazu wirklich nur eines sagen: Es ist nichts so wie es scheint. 🙂
Gut gefallen haben mir auch die Ausflüge in die Psychologie. Emma ist selbst Psychologin und versucht sich mehr oder weniger selbst zu therapieren und nimmt daher ihr Umfeld mit einem ganz besonderen Blick wahr. Als Leser folgt man diesen Betrachtungen natürlich, daher konnte ich ihre Ängste sehr gut nachvollziehen und habe mit ihr mitgelitten. Wäre „Das Paket“ ein Film, hätte ich mich wohl das eine oder andere Mal hinter meinen Sofakissen versteckt. Das ging natürlich nicht, denn ich wollte da so schnell wie möglich weiterblättern, um einen der vielen Kapitelcliffhanger aufzulösen.
Nachdem ich das Buch nun beendet habe, ist mir umso bewusster geworden, welchen Einfluss die eigene Vorstellungskraft und auf das Handeln der Figuren hat.

Lieblingsnebencharakter: Ok, jetzt wird’s kompliziert. Ich hatte so einige Kandidaten auf dem Zettel, die sich dann alle selbst ins Aus geschossen haben, denn schließlich passieren einige Dinge, mit denen ich beim besten Willen nicht gerechnet habe. Also hat es die- oder derjenige letztendlich nicht verdient, dass ich ihn oder sie hier erwähne. Würde ich euch jetzt einen oder mehrere Charaktere nennen, dann würdet ihr wissen, dass er oder sie zu den Guten gehört. Tja, und das will ich nicht, hier wird ja nicht gespoilert. Also behalte ich meinen Liebling für mich und nehme stattdessen einen Gegenstand: Das Paket 🙂 Wirklich erstaunlich welche Auswirkung ein einfaches Paket auf einen Menschen haben kann.

Fazit: Ein toller Psychothriller. Vom ersten Kapitel an fesselnd und nie vorhersehbar. Die Suche nach dem Täter und dessen Motiv bringt viele Überraschungen mit sich und entwickelt sich zu einem sehr komplexen Geflecht, das wirklich erst auf den letzten Seiten aufgedeckt wird. Für tolle Unterhaltung gibt’s von mir die volle Punktzahl. PS: Ein Extralob geht an die Herstellung im Verlag, die dafür gesorgt haben, dass die erste Auflage des Buches wirklich in einem Paket steckt.

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„Das Paket“ eingepackt als Paket 😉

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Das Paket
Verlag: Droemer
ISBN: 9783426199206
Ausgabe: Hardcover (19,99 EUR)

Rezension: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

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„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante (Bildquelle: Suhrkamp)

„Ich befürchtete, dass sie etwas Schönes oder Schlimmes erlebte ohne dass ich dabei war. Es war eine alte Angst, eine Angst die mich nie verlassen hatte, die Angst, mein Leben könnte an Intensität und Gewicht verlieren, wenn ich Teile ihres Lebens verpasste.“ (S. 265)

Inhalt: „Meine geniale Freundin“ erzählt die Geschichte der Freundinnen Elena und Lila. Dabei ist Elena die Erzählerin. Die Mädchen wachsen im Arbeiterviertel Rione Neapels auf. Ein Milieu, in dem es sehr rauh zugeht, bestimmt den Alltag der Mädchen, deren Freundschaft alles andere als gewöhnlich ist.
Im ersten Band der neapolitanischen Reihe erfährt man wie die Freundschaft entstanden ist und welche Ereignisse Elena und Lila in ihrer Kindheit und Jugend geprägt haben.

Leseeindruck: Ich gebe zu, mich hat der Hype ums Buch sehr fasziniert. Keiner wusste wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steckte. Überall ist man über das Buch gestolpert und die Leute redeten darüber. Ich wollte also auch wissen was an diesem Buch so besonders ist. Meine Erwartung an die Story und deren Faszination war also recht hoch.
Weder das Personenregister noch der rauhe Stil konnten mich also abhalten. Ich habe das Buch komplett gelesen. Allerdings habe ich recht lange dafür gebraucht, da ich es immer wieder zur Seite gelegt habe beziehungsweise legen musste.
Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Es mag ja sein, dass es im Neapel der 1950/60er so derb zugegangen ist. Mir war das jedoch eine Spur zu heftig. Flüche und Gewalt sind an der Tagesordnung egal ob bei jung oder alt. Ich konnte mein Herz einfach für keinen der Charaktere erwärmen. Genauso ging es mir mit der Freundschaft der beiden Mädchen. Sie ist geprägt von Neid, Mißgunst und dem ständigen Wettbewerb der beiden untereinander. Sei es in schulischen, sozialen oder körperlichen Belangen. Dieses Verhalten hat mich sehr irritiert, denn das macht für mich keine Freundschaft aus.
Elena beschreibt die Ereignisse ihrer gemeinsamen Kindheit rückblickend als erwachsene Frau, vielleicht kommt daher auch der abgeklärte Tonfall. Zwischenzeitlich hatte ich tatsächlich vergessen, dass die beiden noch Kinder sind. So viel Rivalität und Abgeklärtheit erwarte ich nicht bei Kindern.

Als Milieustudie Neapels taugt die Geschichte weit besser. Der Leser verfolgt die Entwicklung zahlreicher Charaktere über mehrere Jahre hinweg. Freundschaften und Rivalitäten entstehen und vergehen wieder. Jeder steht zu jedem in irgendeiner Beziehung, deshalb wirken sich Entscheidungen eines Einzelnen auch immer gleich auf mehrere andere aus. Diese Dynamik hat mir schon gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich Elenas Entwicklung dabei deutlich interessanter fand als Lilas.

Die Faszination, die von Lila ausgeht ist bei mir nicht angekommen, vielmehr mochte ich sie mit jeder Seite weniger, was es natürlich schwer gemacht hat, überhaupt mit der Story warm zu werden.

Lieblingsnebencharakter: Ich habe tatsächlich keinen. Gerade in diesem Buch gibt es eine Unmenge an Charakteren und doch ist mir keiner dauerhaft in Erinnerung geblieben. Nicht die einzelnen Charaktere sind haften geblieben, sondern ein Gesamtbild des Rione in Neapel. Nicht der Einzelne zählt, sondern alle gemeinsam stellen die Gesellschaft dar.

Fazit: Eher eine Milieustudie Neapels als die Geschichte einer Freundschaft. Betrachte ich nur diesen ersten Band ist mir bis jetzt nicht klar, weshalb Lilas und Elenas Freundschaft so besonders ist. Wer irgendwann mal alle Bände gelesen hat, der wird vielleicht auch erkennen welche Auswirkungen der Beginn der Freundschaft auf das weitere Leben der Mädchen  haben wird.
Ich habe leider bis zum Schluss keinen richtigen Zugang zu den Figuren und deren Geschichte gefunden. Schade, denn ich war bereit mich auf die Story einzulassen. Aber vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch. Das Ende deutet immerhin auf einen konfliktreichen Fortgang der Geschichte hin. 3 Sterne vergebe ich für ein Buch, das nicht meinen Nerv getroffen hat, mir aber trotzdem noch im Kopf rumgeistert, weil es so anders ist und damit für eine Menge Gesprächsstoff sorgt.

Bewertung:

3 Stars

Bibliographische Angaben:
Autorin: Elena Ferrante (Übersetzung: Karin Krieger)
Titel: „Meine geniale Freundin“ (Neapolitanische Saga, Bd. 1)
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518425534
Ausgabe: Hardcover (22,- EUR)

Rezension: „Federflüstern“ von Holly-Jane Rahlens

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„Federflüstern“ von Holly-Jane Rahlens (Bildquelle: Rowohlt)

„Uns so taumelten sie in eine unbekannte und weit entfernte Vergangenheit, hinein in einen bitterkalten, schneeverwehten und tiefdunklen Dezembertag des Jahres 1891.“ (S. 82)

Inhalt: Oliver, Rosa und Iris bemerken einige seltsame Dinge. Warum hat Iris plötzlich eine Zahnspange und wer hat sich auf Rosas Prothese verewigt? Noch bevor die Kinder dem Spuk auf den Grund gehen können, beginnt auch schon ein neues Abenteuer. Gemeinsam mit Lucia, die plötzlich in der Buchhandlung Blätterrauschen auftaucht, geraten die Kinder in ein neues Abenteuer. Ohne Vorwarnung landen sie im Berlin der 1890er Jahre.
Jetzt müssen sie alles daran setzten wieder nach Hause zu kommen, doch wie sollen sie das anstellen, schließlich lauern eine Menge Gefahren auf Zeitreisende. Da kommt die Hilfe eines großen Literaten, der gerade in Berlin weilt, gerade recht.

Leseeindruck: „Federflüstern“ ist nach „Blätterrauschen“ der zweite Band der Zeitreisereihe von Holly-Jane Rahlens. (Übringens spielt auch „Everlasting“ im selben Universum, ist aber eine eigenständige Geschichte) Eines vorab: Man kann „Federflüstern“ auch ohne den ersten Band lesen, denn alles wichtige wird dem Leser erklärt. Ich habe die Zusammenfassung am Ende des Buches allerdings ignoriert, da ich „Blätterrauschen“ auch mit viel Freude gelesen habe. Zu Beginn der Geschichte werden viele Fragen aufgeworfen, die den Leser neugierig macht auf mehr und gleichzeitig auch auf die vergangene Geschichte (sollte man sie noch nicht kennen).
Sobald die Kinder sich dann im Jahr 1891 wiederfinden nimmt das Abenteuer so richtig Fahrt auf. Für mich war es sehr interessant zu sehen, wie die Epoche um 1890 dargestellt wird. Es sind so viele Kleinigkeiten, die sich seither verändert haben. Wie bewegt man sich in der Vergangenheit? Wohl kaum in Jeans und T-shirt. Oliver und Co. müssen also für viele kleine und große Probleme Lösungen finden und vor allem müssen sie den Kulturschock der Zeitreise verkraften. Mir hat es gefallen, wie clever die Kinder die Aufgaben lösen. Die Dynamik der Kinder untereinander ist geprägt von kleineren Neckereien, aber wenn es darauf ankommt,  steht die Freundschaft der drei an erster Stelle. Oliver, Iris und Rosa sind sehr verschieden, aber gerade das macht sie zu einem tollen Trio, denn sie ergänzen sich sehr gut. Wenn einer etwas nicht so gut kann, übernimmt es ein anderer. Schön ist auch das Wiedersehen mit einigen tollen Charakteren aus „Blätterrauschen“ und „Everlasting“. Mir hat es gut gefallen, dass die Handlung von „Blätterrauschen“ aufgegriffen wurde. Fans werden viele liebgewonnene Details wiedererkennen und neue Leser werden ganz nebenbei mit dem ersten Band vertraut gemacht.
Insgesamt liest sich die Geschichte flüssig und ist in vielen Szenen witzig. Denn egal wie bedrohlich eine Situation auch ist. Der Humor geht nie verloren. Mit ein wenig Ironie lassen sich schwierige Situationen doch viel besser meistern. Für den Leser wird es also nie langweilig, denn turbulente Szenen wechseln sich mit lustigen oder lehrreichen ab. Gerade die Zielgruppe der jungen Leser wird so bei Laune gehalten. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang und enden auch meist an einer sehr spannenden Stelle, man ist also angehalten immer weiter und weiter zu lesen. (Nur das eine Kapitel noch, und noch eins und noch eins… 🙂 )
Das Thema Zeitreise ist im Buch auch sehr schön umgesetzt. Es gibt ja nicht wenige Zeitreisegeschichten, die hin und wieder mit Logiklücken zu kämpfen haben. In „Federflüstern“ wird alles plausibel erklärt und auch kompliziertere Facetten der Zeitreise, wie das Aufeinandertreffen mit dem eigenen Ich, werden anschaulich und verständlich in die Handlung eingebunden.

Lieblingsnebencharakter: Ich weiß jetzt überhaupt nicht, ob er wirklich „nur“ ein Nebencharakter ist, aber Mark Twain verdient es einfach hier nochmal erwähnt zu werden. Ich habe eine Menge über den Autor gelernt, was mir zuvor noch nicht so klar war. Er ist gut zu den Kindern und besticht durch seine offene und hilfbereite Art. Mein Highlight des ganzen Buches ist ein Gespräch zwischen Mark Twain und den Kindern über die Schwierigkeiten der deutschen Sprache. Einfach herrlich. „Die schreckliche deutsche Sprache“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern und es war schön, dieses Thema mal in einer Szene eines Romans wiederzufinden.
„Federflüstern“ hat mich richtig neugierig auf Mark Twain gemacht, ich will jetzt unbedingt einen Roman von ihm lesen.

Fazit: Eine tolle Zeitreisegeschichte für alle Altersgruppen. Sowohl Jungs als auch Mädchen werden einen Charakter finden, mit dem sie sich identifizieren können und werden somit Spaß an der Story haben. Als erwachsener Leser sollte man sich nicht von den jungen Charakteren abschrecken lassen, denn das Zeitreisethema ist spannend umgesetzt. Für mich ist „Federflüstern“ eine tolle Mischung aus Abenteuerroman und Dedektivgeschichte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung 🙂

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Federflüstern
Autorin: Holly-Jane Rahlens (Übersetzung: Alexandra Ernst)
Verlag: Rowohlt rotfuchs
ISBN: 9783499217456
Augabe: Hardcover (16,99€)
empfohlenes Lesealter: ab 11

Reihe:
Band 1: Blätterrauschen (zur Rezension)
Band 2: Federflüstern

außerhalb der Reihe im gleichen Universum: Everlasting