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Rezension: „Finstermoos – Aller Frevel Anfang“ von Janet Clark

„Finstermoos – Aller Frevel Anfang“ von Janet Clark (Bildquelle: Loewe)

„Sie waren Touristen an einem Ort, der von Touristen lebte. Und trotzdem waren sie nicht erwünscht. […] Etwas hier stimmte nicht und wenn wo etwas nicht stimmte, sollte man sich verdrücken, so lange man die Gelegenheit dazu hatte. Eine einfache Formel.“ (S.108/109)

Inhalt: Man nehme ein Dorf, in dem jeder jeden kennt, stellt es sich in einer idyllischen Bergwelt vor und streut noch eine Prise Misstrauen zwischen die Familien: Fertig ist Finstermoos.
Noch dazu wird in eine Babyleiche entdeckt, die ein altes Geheimnis wieder zu Tage fördert. In dem Chaos versucht die Clique um Basti, Luzie und Valentin herauszufinden, was ihre Väter verschweigen und warum die Ankunft von Mascha und ihrer Mutter für so viel Wirbel sorgt, denn schließlich sind Touristen nichts neues in Finstermoos.

Leseeindruck: Ich bin durch das eshort „Im Bann der Vergessenen“ auf die Reihe aufmerksam geworden. Schon dieser kurze Text, der sich um Basti und Luzie dreht war sehr spannend. Ich wollte unbedingt wissen, welches Geheimnis in Finstermoos herumschwirrt. „Aller Frevel Anfangt“ steht dem in nichts nach. Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und das in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist es die Beziehungskonstellation in der Clique, die für Wirbel sorgt. Daneben sind sich die Familien, oder besser gesagt die Väter der Jugendlichen nicht grün und als wäre das nicht schon genug, taucht in der Baugrube von Valentins Vater auch noch eine Babyleiche auf.
Weitere Spannung entsteht durch die Erzählstruktur. Die Kapitel wechseln zwischen den Ereignissen im Juli, um den Fund der Babyleiche und einer bedrohlichen Situation, in der sich Basti und Valentin im August wieder finden. Beim jedem Umblättern habe ich auf eine Antwort darauf gehofft, wie die Jungs nur da hinein geraten sind. Eines ist sicher: Die Väter von Basti und Luzie wissen etwas. Ich würde nur gerne wissen, was es ist. Zwischenzeitlich fühlte ich mich in eine moderne Romeo-und-Julia-Geschichte versetzt, die in einer Bergdoktoridylle spielt. Dies soll gar nicht abwertend sein, aber es hat mein Lesetempo doch arg beschleunigt, um herauszufinden was hinter der heilen Fassade steckt.

Lieblingsnebencharakter: Ich weiß nicht, ob ich sie überhaupt im klassischen Sinn mag, aber Brigitta, eine der Dorfbewohnerin, ist besonders. Sobald sie ins Spiel kommt, passieren seltsame Dinge und auch einiges in ihrer Vergangenheit liegt noch im Dunkeln. Sie ist auf jede Fall sehr interessant.

Fazit: Es hat unheimlich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Die Story ist spannend und überhaupt nicht vorhersehbar. Man glaubt zwar immer zu wissen, wer Dreck am Stecken hat, bis etwas passiert, das doch nicht in dieses Bild passt. Da der Verlag das Lesealter mit 12 angibt, ist es gut, dass auf Gewalt verzichtet wird und die Spannung im Vordergrund steht. Einen Stern Abzug gibt es dennoch, da man am Ende des ersten Bandes kaum Erkenntnisse gewonnen hat, die einem dem Geheimnis von Finstermoos näher bringen. So bleibe ich mit vielen Fragezeichen zurück und muss mich bis zum zweiten Band gedulden, der im März erscheint.
Mit 4 Sternen, kann ich das Buch jedem empfehlen, der spannende Geschichte mag. Man sollte eben nur wissen, dass man sich mit „Finstermoos“ auf eine Reihe einlässt. (Die mit vier Bänden überschaubar ist 🙂 )

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Finstermoos – Aller Frevel Anfang
Autorin: Janet Clark
Verlag: Loewe
ISBN: 9783785577486
Ausgabe: Paperback (9,99€)
Lesealter: ab 12

Wer noch mehr zur Reihe „Finstermoos“ erfahren will, findet hier meinen Blogeintrag zur Reihe oder schaut auf der Homepage zum Buch vorbei.

Abschließend geht mein Dank an den Loewe Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Rezension: „Eisweihnacht“ von Ruth Berger

„Eisweihnacht“ von Ruth Berger (Bildquelle: Rowohlt)

„Die Kälte war so beißend, dass einem in dem Augenblick, wo man ins Freie trat, die Feuchtigkeit in der Nase gefror.“ (S. 7)

Inhalt: Weihnachten 1844 – In Frankfurt lebt Elise bei ihrem Vater, einem Obsthändler, und versucht das Beste aus dem sehr kalten Winter zu machen. Alles ist wie immer, Weihnachten steht vor der Tür. Nur leider mag der Vater dieses Fest so gar nicht noch dazu, da dieses Jahr ein kleiner Waisenjunge namens Josua ins Leben der Familie tritt.

Leseeindruck: Hach, dieses Buch zu lesen ist ein wenig so, wie es sich mit einem typischen Weihnachtsmärchen im Fernsehen auf dem Sofa gemütlich zu machen. Die klirrende Kälte, die Weihnachtsstimmung und die großen und kleinen Familiendramen kann man gut nachempfinden. Die Sprache ist einfach und sehr bildlich, dadurch lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen. Noch dazu finden sich einige farbige Illustrationen im Buch. Diese sind alle sehr nostalgisch und unterstreichen die winterlich-weihnachtliche Atmosphäre der Geschichte sehr schön. Man fühlt sich ein wenig so, als würde man selbst durchs verschneite Frankfurt laufen.
Die Handlung passt sehr schön zur weihnachtlichen Stimmung im Buch. Ein kleiner Waisenjunge, der seine Familie sucht, ein grimmiger Vater mit einem weichen Herz, der nur das Beste für seine Tochter will und eine Tochter, die eine unglückliche Liebe hinter sich hat, ergeben eine runde Mischung und bieten eine Menge Potential für ein Happy End.

Lieblingsnebencharakter: Marie hat mich besonders interessiert (neben der Hauptgeschichte) und ihr ist es auch zu verdanken, dass Josua die Reise nach Frankfurt übersteht. Sie hat es verdient, mein Lieblingsnebencharakter zu sein, da sie Josua als erstes geholfen hat, obwohl sie auch einen Sack voller Probleme mit sich rumträgt.

Fazit: Dies ist ein kleines feines Büchlein, was einen in einer wohligen Weihnachtsstimmung zurück lässt. Es liest sich wie ein Märchen und ist dazu noch hübsch anzusehen. Eine kurzweilige Geschichte für die Weihnachtszeit ist es in jedem Fall. Mit Sicherheit findet man im nächsten Jahr auch noch ein wenig Zersteuung, wenn man das Buch nochmal zur Hand nimmt. Ich vergebe 4/5 Sterne, da ich es mit gutem Gewissen als tolle Weihnachtslektüre empfehlen kann, aber es reicht nicht ganz um mich grenzenlos zu begeistern.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Eisweihnacht – Eine Wundergeschichte
Autorin: Ruth Berger (Illustrationen: Andrea Offermann)
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499266676
Ausgabe: Taschenbuch (6,99€)

Rezension: „Mr. Mercedes“ von Stephen King

„Mr. Mercedes“ von Stephen King (Bildquelle: Heyne)

„Den meisten Menschen montiert man als kleinen Kindern Stiefel aus Blei, und die müssen sie ihr Leben lang tragen. Diese Bleistiefel nennt man DAS GEWISSEN. Ich habe keines, deshalb kann ich mich hoch über die Köpfe der Gewöhnlichen Masse erheben.“ – Mr. Mercedes (S. 37)

Inhalt: Ein Mercedes-Fahrer rast an einem nebligen Morgen in eine wartende Menschenmenge und richtet ein Massaker an. Der zuständige Erimittler Hodges ist mittlerweile im Ruhestand und bekommt vom Mercedes-Killer eine Nachricht, in der er eine noch viel grausamere Tat ankündigt. Jetzt liegt es an Hodges und seinen Weggefährten alle Kräfte zu bündeln und Mr. Mercedes zu stoppen.

Leseeindruck: Mir hat es wirklich Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Dabei liegt die Spannung nicht darin, die Identität des Mercedes-Killers zu lüften, sondern den kranken Geist des Killers zu ergründen. Was bringt jemanden dazu, so eine grausame Tat zu planen und auszuführen? Dabei stürzt er die eigentliche Mercedes-Besitzerin und deren Familie in großes Unglück. Die einzelnen Kapitel stellen dabei entweder den Killer, oder den Ermittler Hodges in den Mittelpunkt. Der Leser erhält so einen umfassenden Blick auf das Geschehen. Man weiß immer ein wenig mehr als Hodges, ist aber auch Mr. Mercedes immer einen Schritt voraus. Trotzdem wird man an vielen Stellen überrascht, denn die Verrücktheiten des Mercedes-Killers kann man nur schwer voraus sehen. Mehr als einmal dachte ich mir: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein.“ Trotz aller Ernsthaftigkeit und Tragik gibt es aber auch einie Menge komischer Momente, besonders wenn Hodges Nachbarjunge Jerome mit von der Partie ist.
Insgesamt treffen eine Menge verschiedener Charaktere aufeinander, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zueinander passen, aber durch die Jagd nach Mr. Mercedes ein gemeinsames Ziel haben und gemeinsam sehr unterhaltsam sind.

Lieblingenebencharakter: Holly, die Nichte der Mercedes-Besitzerin, ist eine einzigartige Person. Sie hat psychische Probleme und doch wird sie von vielen unterschätzt. Genau das mochte ich an ihr. Ihr wahres Ich kommt erst auf den zweiten Blick zum Vorschein. Es war schön ihre Entwickling mitzuverfolgen, denn von allen Charakteren macht sie die größte Veränderung durch.

Fazit: Mr. Mercedes war mein erster Stephen-King-Roman und daher hatte ich schon recht hohe Erwartungen. Ich muss schon sagen, dass er es wirklich drauf hat. Man will immer noch eine Seite lesen und dann noch eine und auch danach kann man das Buch noch nicht weglegen, weil man weiterlesen will. Der Funke zwischen den Charakteren und mir ist sehr schnell übergesprungen. Manchmal vielleicht auch zu schnell, wenn man sich von den liebgewonnenen Figuren wieder verabschieden muss 🙁 Insgesamt muss ich doch einen Punkt abziehen, denn schließlich brauche ich noch Luft nach oben (jetzt wo ich weiß, dass dies der Auftrakt einer Trilogie ist) 🙂 und eine kleine Strafe muss sein, wenn der letzte Satz eines Buches einen sprachlos, neugierig und überrascht zurück lässt.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Mr. Mercedes
Autor: Stephen King (Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt)
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 9783453269415
Ausgabe: Hardcover (22,99€)

Rezension: „Leonore und ihre Töchter“ von Gina Mayer

„Leonore und ihre Töchter“ von Gina Mayer (Bildrechte: Aufbau Verlag)

„Die unmoralische Moral […] Wie ungerecht es war, dass jeder Fehltritt eines Mannes unweigerlich auf eine Frau zurückfiel“ (S. 456)

Inhalt: Kurz gesagt, es geht um die Familiengeschichte von Leonore und ihren Töchtern. Die Frauen der Familie stehen dabei im Mittelpunkt der Handlung. Der Beginn der Handlung liegt in Paris 1900, mit Dora und ihrer Tochter Nanette. In verschiedenen Rückblicken, die bis ins Jahr 1813 zu Doras Großmutter Leonore in Deutschland reichen, erfahren wir so einige Familiengeheimnisse und die verschiedenen Mutter-Tochter-Beziehungen werden beleuchtet. Alle Frauen haben ein mehr oder weniger schweres Schicksal und sind in den Konventionen ihrer Zeit gefangen. Zu allem Überfluss scheint auch noch ein Fluch auf den Frauen der Familie zu liegen. Einzig die jüngste Nanette zeigt zum Schluss, dass auch eine Frau ihr Leben in die Hand nehmen kann. Den Hauptteil der Geschichte macht der Teil um die gutbürgerliche Leonore und ihre ungewöhnliche Freundschaft zu den Arbeiterkindern Anton und Luise aus. Dabei spielen auch Aberglaube und das Gedicht um den Erlkönig eine bedeutende Rolle.

Leseeindruck: Ich habe schon eine ganze Weile keinen historischen Roman mehr gelesen, dieser hier hat aber wirklich Spaß gemacht. Man kommt schnell in die Geschichte rein und kann sie flüssig lesen. Besonders gut hat mir der Erzählstil gefallen, denn das Buch ist in mehrere Teile gegliedert, die jeweils eine andere Frau und Generation in den Mittelpunkt stellen. Die Geschichte wird also nicht chronologisch erzählt. Man könnte fast schon sagen, dass rückwärts erzählt wird. Von 1900 geht es ins Jahr 1848 und von da ins Jahr 1813 bis die Geschichte wieder 1900 endet. Die gesamten Zusammenhänge erschließen sich dem Leser erst nach und nach. Gina Mayer gelingt es sehr gut immer wieder tolle Cliffhanger ans Ende der Kapitel zu stellen, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.
Die Atmosphäre der einzelnen Epochen kommt wunderschön zur Geltung, man hat fast schon das Gefühl, dass man sich auf eine Zeitreise begeben hat. Die Weltausstellung in Paris 1900 oder die Tuchfabrik 1813 zu jeder Zeit kann man sich ein gutes Bild der Umstände und Lebensweisen machen und in die Lebenswelt der Figuren eintauchen.
Am meisten hat mich die Dreiecksbeziehung zwischen Leonore, Anton und Luise fasziniert. Ich will nicht zu viel verraten, denn in diesem Abschnitt wird sozusagen der Grundstein für die weitere Familiengeschichte gelegt, aber es war spannend mit anzusehen, was aus einer unschludigen Kindheitsfreundschaft alles entstehen kann und noch so großen Einfluss auf die folgenden Generationen hat.

Lieblingsnebencharakter: Für mich war das Theres, da sie das Bindeglied zwischen allen wichtigen Erzählebenen ist. Ohne sie wären so einige Geheimnisse der Familie nicht ans Licht gekommen. Theres war für fast alle Frauen in der Geschichte eine wichtige Bezugsperson.

Fazit: Man bekommt gute Unterhaltung geboten. Ein historischer Roman, der sich sehr schön lesen lässt und gekonnt in den Zeiten wechselt und den Leser mit so einigen Wendungen überrascht. Die historischen Fakten bilden ein gutes Gerüst für die Familiengschichte, schließlich hat es die Textilfabrik Cromford in Ratingen wirklich gegeben. Es ist sicher eher ein Roman für Frauen, denn schließlich stehen die Frauen im Mittelpunkt und die Männer kommen nicht immer so gut weg. Für die volle Punktzahl fehlte mir noch das gewisse etwas. Ich kann „Leonore und ihre Töchter“ aber guten Gewissens weiterempfehlen, für alle die gern historische Romane lesen, sich für die Zeit zwischen 1813 und 1900 interessieren oder einfach mal eine kurzweilige, gute Familiengeschichte lesen wollen. Daher 4/5 Punkte!

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Leonore und ihre Töchter“
Autorin: Gina Mayer
Verlag: Rütten & Loening (Aufbau)
ISBN: 9783352008474
Ausgabe: Paperback (14,99€)

Rezension: „Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins

„Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins (Bildquelle: Knaur TB)

“ ‚Nun ja, ich dachte am Abend des Unfalls sei irgendetwas passiert. Etwas, das mit der Zeit zusammenhing. Es kam mir vor, als sei die Realität…‘ Ich zögerte. Nun, da ich es laut aussprechen wollte, kam es mir wirklich albern vor. ‚Als sei die Realität irgendwie entzweigebrochen.‘ “ (S. 186)

Inhalt: Die Clique um Rachel (bestehend aus ihrem Freund Matt, ihrem besten Kumpel Jimmy und ihrer besten Freundin Sarah) hat etwas zu feiern. Sie haben die Schule hinter sich gelassen und stehen kurz davor ihr Studium zu beginnen. Ein letztes Mal wollen sie alle zusammen den Abend verbringen, bevor ihr neues Leben beginnt. Doch dann passiert ein schrecklicher Unfall, der alles für immer verändern wird und Rachels Leben in einen Alptraum verändert. Man könnte jetzt denken, dass dies an Schicksalsschlägen ausreicht, aber dem ist nicht so. 5 Jahre später erwacht Rachel in einem neuen Leben, das nun allen Schrecken verloren hat. Es ist regelrecht perfekt. Wie kann das sein?

Leseeindruck: Man kommt sofort rein in die Geschichte. Rachels Verzweiflung nach dem Unfall ist sehr gut zu spüren. Genauso wie ihre Verzweiflung, als sie in einem für sie fremden Leben erwacht. Eines kann ich verraten, ohne zu spoilern: Wir haben es nicht mit einem übernatürlichen oder magischen Phänomen zu tun. Das macht die Sache aber noch interessanter. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich dachte: Wie kann das denn jetzt sein? Dies war auch der Aspekt, der mich an dem Buch am meisten gefesselt hat. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Rachel ausgeht, Seite um Seite wird man neugieriger.
Auf der anderen Seite ist es eine unglaublich schöne Liebesgeschichte. Klar, man merkt von der ersten Seite an, in welche Richtung sich die Dreiecksbeziehung zwischen Rachel, Matt und Jimmy entwickeln wird, aber der Weg dorthin ist gepflastert mit vielen unvorhegesehenen Wendungen. Die Geschichte spielt im Dezember, eine passende Zeit wie ich finde, die Kälte und Dunkelheit tragen gerade zu Beginn der Geschichte viel zur Stimmung bei. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch nochmal eine andere Wirkung auf einen hat, wenn man es selbst in der dunklen Jahreszeit liest.

Lieblingsnebencharakter: Mir hat Rachels Vater Tony sehr gut gefallen. Ganz besonders, da er in beiden Leben eine wichtige Rolle spielt. Es war schön zu sehen, dass er ihr Fels in der Brandung ist. Die beiden haben eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung, die mich wahnsinnig gerührt hat.

Fazit: In erster Linie eine tolle Liebesgeschichte, die uns lehrt, den Augenblick zu schätzen. Eine leichte Lektüre, die einen in seinen Bann zieht. Mir hat die Geschichte gut gefallen und bis jetzt habe ich auch noch nichts vergleichbares gelesen. Einen Stern Abzug gibts für die Charakterentwicklung, die nicht viel Überraschendes bot. Tja und das Ende hat es auch in sich. Da muss jeder selbst entscheiden, wie er das findet. Grausam schön trifft es vielleicht am besten. Mich hat es im wahrsten Sinne des Wortes mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück gelassen.

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und auch gern herausfinden wollt, was sich hinter Rachels zwei Welten verbirgt, der sollte die nächsten Tage mal wieder auf dem Blog vorbei schauen, denn ich habe eine Überraschung für eucht. Bleibt gespannt.

Bewertung
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Autor: Dani Atkins (Übersetzung: Birgit Moosmüller)
Titel: Die Achse meiner Welt
Verlag: Knaur TB
ISBN: 9783426515396
Ausgabe: Taschenbuch (9,99€)

Rezension: „Eine handvoll Worte“ von Jojo Moyes

Coverbild

Eine handvoll Worte, Jojo Moyes (Bildquelle: Rowohlt)

„Liebenswürdig. Ausgeglichen. Ruhig. Das waren die Worte, die ihre Freundinnen, Laurence‘ Freunde und Geschäftskollegen verwendeten, um sie zu beschreiben. Mrs. Stirling, der Inbegriff weiblicher Tugenden…“ (S.285)

So wird Jennifer Stirling beschrieben. Sie ist jedoch viel mehr als das; eine Frau, die um ihre Liebe kämpft.

Inhalt: Ellie findet im Archiv einen Liebesbrief aus den 1960ern, in dem ein Mann eine Frau bittet, ihren Mann für ihn zu verlassen. Ellie ist so von dem Brief fasziniert, dass sie versucht herauszufinden, was aus dem Paar geworden ist.

Leseeindruck: Zunächst hatte ich einige Probleme in den Text reinzukommen. Das mag daran gelegen haben, dass die Zeitebene von Kapitel zu Kapitel wechselt (aber es soll nicht zu viel verraten werden.) Jennifer ist für mich von Beginn an eine Sympathieträgerin, da man mit ihr leidet und nicht in ihrer Haut stecken möchte. Nach ihrem Unfall kann sie sich an nichts mehr erinnern, was mit ihrem früheren Leben zu tun hat und sie hat Schwierigkeiten ihren Platz im Freundeskreis zu finden. Nach einiger Zeit findet sie Briefe aus der Zeit vor ihrem Unfall und erkennt schnell, dass dieses Leben mehr zu bieten hat, als sie in ihrer Ehe bekommt.
Jennifer ist ein Oper ihrer Zeit. Sie ist in den Konventionen der Zeit gefangen und sie versucht sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren, Glück findet sie dabei nicht. Im Vergleich mit Ellie merkt man, dass Jennifers Liebe anders verlaufen wäre, wenn sie zu einer anderen Zeit gelebt hätte. Man kommt nicht umhin die Frauen Ellie und Jennifer immer wieder zu vergleichen, jedoch hat mich das Schicksal Ellies nur wenig berührt, da sie doch nicht ganz unschuldig an ihrer Situation ist, wie Rory auch bemerkt.

Lieblingsnebencharakter: Moira Parker. Man möchte sie am liebsten in den Arm nehmen, damit sie über ihren Liebeskummer hinweg kommt.

Fazit: Eine tolle Liebesgeschichte zwischen den Zeiten. Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass die Liebe hier mal aus einer anderen Perspektive gezeigt wird. Die Auszüge aus Liebesbriefen zwischen den Kapiteln lockert die Geschichte auf eine angenehme Art und Weise auf. Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen spannenden Wendungen, welche die Handlung immer wieder nimmt. Einen Stern Abzug gibt es, da ich nur langsam mit der Geschichte warm geworden bin und der Anfang so seine Längen hat.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Eine handvoll Worte
Autor: Jojo Moyes
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499267765

Hier geht’s zur Rezension von „Weit weg und ganz nah“, dem neuen Buch von Jojo Moyes.

 

Rezension: „Zero“ von Marc Elsberg

Zero von Marc Elsberg (Bildquelle: Blanvalet)

„Cyn blickt sich um, und ihr entkommt ein leiser Fluch. Das Internet kennt jede einzelne Person in diesem Bus! Ich kenne jede einzelne Person in diesem Bus. […] Wer überträgt womöglich Bilder von ihr live ins Internet? Mit einem Mal bedrängt Cyn das Gefühl Tausende Augen seinen auf sie gerichtet.“ (S.30/31)

Inhalt: Cynthia soll als Journalistin mehr über die Internetaktivisten rund um Zero herausfinden. Sie selbst hat gar nicht so viel am Hut mit technischen Neuerungen. Als ein Freund ihrer Tochter dann mit ihrer hochmodernen Datenbrille in eine Verfolgungsjagd gerät, nimmt die Handlung Fahrt auf und Cyn gerät zwischen die Fronten von Internetaktivisten, Polizei, FBI und dem Datengiganten Freemee.

Leseeindruck: Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Es legt ein rasantes Tempo vor, ständig wechselt die Erzählperspektive, die Handlung spielt dabei sowohl in Europa als auch in den USA. Als Leser muss man sich zunächst einen Überblick verschaffen, wer welche Interessen verfolgt. Bis zum Schluss bleibt diese Frage spannend, denn kaum jemand spielt mit offenen Karten. Man sollte sich von diesem Durcheinander nicht abschrecken lassen und der Geschichte Zeit geben, sich zu entfalten, es wird sich lohnen. Die Charaktere sind alle gut gewählt und es gibt nie ein klassisches Gut gegen Böse. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass es heißen müsste: Jeder gegen Jeden. Das FBI und CIA jagen Zero, Freemee jagt Zero, Zero jagt Freemee und Cynthia ist auf der Suche nach dem Geheimnis, welches Freemee verbirgt und wird deshalb von allen gejagt. Diese Konstellation schafft eine Menge Dynamik und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird. Besonders ab der zweiten Hälfte wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Grundsätzlich dreht sich alles um die Daten, die von jedem Einzelnen in der digitalen Welt kursieren. Wissen wir immer, wann wir Daten preisgeben? Können wir überhaupt völlig anonym leben, ohne uns von unseren Mitmenschen abzukanzeln? Wer profitiert von unseren Daten. In dem Buch wird eine Welt dargestellt, in der der gläserne Mensch keine Vision mehr ist. Körperfunktionen, Aufenthaltsort, Kommunikation alles wird ins Netz geladen und man kann sein Verhalten mit Hilfe von ActApps (Ratgeberprogrammen) verbessern lassen. Ich denke, dass diese Welt nicht allzu weit weg ist von unserer Gesellschaft, es handelt sich also nicht um ein reines SciFi-Buch. Diese Vorstellung war doch an einigen Stellen, sehr befremdlich. Schließlich geben auch wir jeden Tag eine Menge Daten preis. Beim bargeldlosen Bezahlen, surfen, telefonieren oder dem Einsatz diverser Kundenkarten. Auch in der Welt von Zero ist allen klar, dass man ohne digitales Datensammeln kaum mehr auskommen wird, als Leser bekommt man aber einen anderen Blick auf die Dinge. Diese thematische Ebene hat mir sehr gut gefallen an dem Buch. Lediglich zu Beginn gibt es einige technische Abschnitte, die mir etwas zu langatmig waren, das lag aber bestimmt daran, dass mich die technischen Hintergründe nur am Rande interessieren.

Der Stil des Buches ist sehr angenehm, den trotz aller technischen Begriffe kann man flüssig lesen. Die Chatmitschriften von Zero zwischen den Kapiteln haben nochmal einen anderen Blick auf die Dinge gegeben und der Handlung kurzzeitig etwas Tempo genommen. So blieb Zeit zum Durchatmen.

Lieblingsnebencharakter: Er hatte wirklich nur einen kleinen Part, aber ich habe sofort meine Sympathien an Eddie vergeben. Er ist sich treu geblieben und das hat mich überzeugt. Von seiner Sorte müsste es viel mehr geben. Macht euch am besten selbst ein Bild, denn ich will nicht spoilern und daher kann ich nicht mehr zu Eddie sagen.

Fazit: Ein tolles Buch mit sehr gut recherchiertem Thema. Wer sich für Datenschutz, Facebook und Co. Interessiert, sollte es lesen. Auch für alle, die einen spannenden Krimi suchen. Abraten muss denjenigen, die auf Schießereien und Blutvergießen stehen, dann werdet ihr mit Zero nicht glücklich. Ein kleiner Minuspunkt, da mir die technischen Ausflüge an einigen Stellen zu lang waren. Auf jeden Fall ein hochaktuelles Buch und spannend bis zum Schluss.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben
Titel: Zero. Sie wissen, was du tust
Autor: Marc Elsberg
ISBN: 9783764504922
Verlag: Blanvalet