Archiv der Kategorie: Ullstein

Rezension: „Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell

„Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell (Bildquelle: Ullstein)

 “ ‚Die Eisenbahn […] kann diese dumpfe Feindschaft überwinden. Wir bauen daran. Du, wir … was wir tun bringt den Frieden.‘ “ (S. 281)

Inhalt: Die Eisenbahn beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug durch Europa. Die Welt ist im Umbruch und die europäischen Mächte ringen um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. In diesen unruhigen Zeiten, die von revolutionären Gedanken geprägt ist, lernen sich Alvin, Paul und Louise kennen. Die drei könnten unterschiedlicher nicht sein. Alvin, ein preußischer Junker und Paul, ein bayrischer Techniker treffen auf die Französin Louise. Die drei müssen mit allerlei Schicksalsschlägen fertig werden und werden immer wieder von den Fehlern ihrer Vergangenheit eingeholt. Und als wäre das nicht schon genug, müssen die drei sich auch noch mit der Sehnsucht nach der großen Liebe rumschlagen.

Leseeindruck: Die mehr als 1000 Seiten dieses Romans lassen sich wirklich gut lesen. Man kommt gut rein in die Geschichte, denn die Figuren werden Kapitel für Kapitel vorgestellt, so ergibt sich schnell ein umfassendes Bild und man kann schnell seine persönlichen Sympathiepunkte vergeben. Klar, hier hat man einen typischen historischen Roman vor sich: Gut gegen Böse. Noch dazu bekommt man sofort mit, wer hier Intrigen spinnt und wer dagegen eine ehrliche Haut ist. Die Motive der einzelnen Figuren zeichnen sich schon von Beginn an klar und deutlich ab.
Man mag nicht immer einverstanden sein, mit den Entscheidungen, die die Charaktere treffen, aber doch erhält der Leser für alle Entwicklungen eine plausible Begründung geboten. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Figuren bestimmte Entscheidungen nur treffen, damit die Story an anderer Stelle oder an einem anderen Schauplatz weitergeführt werden kann. Besonders bei Louise hatte ich dieses Gefühl. Kaum ist sie glücklich, trifft sie Entscheidung, die nicht nur für ihr weiteres Leben von großer Bedeutung ist, sondern auch das Leben von Alvin und Paul auf den Kopf stellt. Auf diese Weise bleibt die Geschichte aber immer abwechslungsreich, denn man weiß als Leser nie, wo die Reise (im wahrsten Sinne des Wortes) noch hin geht.
Mir hat es gefallen, wie die Handlung um Alvin, Paul und Louise in den geschichtlichen Rahmen der Zeit eingefügt wurde. Die beginnende Industrialisierung mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und die politischen Machtkämpfe der einzelnen europäischen Staaten bilden eine tolle Kulisse für die persönlichen Schicksale der Figuren. Man kann sich richtig gut in die Zeit reindenken und die Lebensumstände der Menschen nachempfinden. Hin und wieder sind mir aber gerade die Ausführungen zu politischen und militärischen Themen etwas zu umfangreich. Für meinen Geschmack hätte man da durchaus etwas raffen können, denn an der einen oder anderen Stelle ging es mir zu zäh voran. Das mag allerdings nicht jeder so sehen, wer sich vielleicht nicht so gut mit der politischen Situation in der Mitte des 19. Jahrhunderts auskennt, der wird über die Ausführen vielleicht ganz froh sein. Denn nur im Zusammenhang mit der jeweiligen politischen Lage lassen sich auch die privaten Entscheidungen der Figuren begründen. Da ich schon immer ein Faible für diese Zeit hatte, war mir die eine oder andere Erläuterung überflüssig.
Grundsätzlich kann ich aber nur den Hut ziehen: So umfangreiche und komplizierte politische Verhältnisse als Hintergrund für eine Familiengeschichte heranzuziehen ist dem Autor wirklich gut gelungen.

Lieblingsnebencharakter: In diesem Roman gibt es eine ganze Menge von wichtigen und unwichtigen Nebencharakteren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir da der preußische Polizist Bronkowski. Der trägt das Herz auf der Zunge und ist dabei immer für einen Spaß zu haben. Alvin und Paul können froh sein ihn als Freund zu haben. Er hat den beiden von Beginn an den Rücken frei gehalten und dabei sein eigenes Wohlbefinden stets hinter an gestellt. Ein echter Freund.

Fazit: Ich mag die Familiengeschichte der von Briests wirklich sehr. Der Roman ist sehr abwechslungsreich. Von Freundschaft über Intrigen bis hin zu politischen Machtkämpfen ist alles enthalten. Schießereien wechseln sich mit romantischen Szenen ab, da sollten sich eine Menge verschiedener Leser angesprochen fühlen. Ein historischer Roman, der zwar auch eine Menge Klischees bedient, aber nicht doch auch überraschen kann. Gerade wer das ausgehende 19. Jahrhundert mag, wird die Kulisse der Geschehnisse lieben. An einigen Stellen war mir die Geschichte zu langatmig, aber alles in allem wurde ich gut unterhalten. Ein wahrer Schmöker, mit dem man ein paar nette Lesestunden verbringen kann.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Der Jahrhundertsturm (Jahrhundertsturm, Bd. 1)
Autor: Richard Dübell
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 9783548286648
Ausgabe: Taschenbuch (Preis: 9,99 €)

Reihe:
Bd. 1 „Der Jahrhundertsturm“
Bd. 2 „Der Jahrhunderttraum“

Gemeinsam lesen: „Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Der Jahrhundertsturm“ von Richard Dübell (Seite 864) aus dem Ullstein Verlag

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Am Nachmittag des 2. Juli bat der Gesandte, Karl Freiherr von Werther, Alvin zu sich.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einen historischen Roman gelesen habe, deshalb genieße ich diesen hier. (Außerdem habe ich endlich auch meine Leseflaute besiegt 🙂 ) „Jahrhundertsturm“ hat alles zu bieten was man sich von einem historischen Roman wünscht. Charaktere, die mit einer Menge Probleme zu kämpfen haben, eine Gesellschaft voller Probleme, eine paar kleine und große Intrigen und natürlich eine nicht unwichtige Portion Liebe.
Besonders gut gefällt mir der Zeit, in der die Geschichte spielt. Ich hatte schon immer ein Faible für das Ende des 19. Jahrhunderts und auch für die Eisenbahn. Beides wird hier auf wundervolle Weise kombiniert. Klar, es werden auch eine Menge kitschiger Klischees bedient und zu einem gewissen Grad ist die Geschichte und die Entwicklung der Figuren auch vorhersehbar, aber ich wurde bis hier her wundervoll unterhalten und das ist es doch was zählt.
Etwa 200 Seiten liegen noch vor mir und ich glaube noch an ein spektakuläres Finale.

4. Schaffst du es 3 Monate ohne Buchkauf auszukommen? Wenn nein, warum?

Da mache ich mir nix vor: Ich hätte keine Chance 😉 Es gibt einfach zu viele Bücher, die ich gern lesen würde und denen ich gern ein gemütliches zu Hause geben würde. Noch dazu dreht sich alles in meinem Alltag auch um Bücher, daher wäre es wirklich schwierig für mich der Versuchung zu widerstehen ein neues Buch zu kaufen. So viel Willensstärke habe ich einfach nicht, dieser Versuchung dann Tag für Tag zu widerstehen. Ich stehe dazu, ich bin büchersüchtig und das ist auch gut so.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Lasst mir gern einen Kommentar da, was ihr gerade so lest.

Auf Reisen: Frankfurter Buchmesse 2016

Am letzten Wochenende war auch ich auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Es gab viel zu viel zu sehen, als dass ich hier alles erwähnen könnte. Unzählige Beiträge geistern nun schon durchs Netz jetzt soll sich mein Beitrag dazu gesellen 🙂

Blick auf die Freifläche der Frankfurter Buchmesse

Am Samstag stand eine Lesung im Lesezelt an. Holly-Jane Rahlens hat aus „Federflüstern“ (Rowohlt) gelesen. (Hier zum ausführlichen Bericht)

Oliver Scherz während der Lesung

Da wir schon frühzeit da waren, haben wir auch noch einen Großteil der vorherigen Lesung von Oliver Scherz aus „Wenn der geheime Park erwacht, nehm auch vor Schabalu in Acht“ (Thienemann Verlag) mitbekommen. Es war sehr unterhaltsam, denn mit Hilfe seiner Gitarre kam richtiges Westernfeeling auf, ganz wie in der Geschichte. Dabei erleben Mo und seine Geschwister eine Reihe Abenteuer in einem verlassenen Vergnügungspark, der plötzlich gar nicht mehr so verlassen ist. Eine wirklich schöne Kindergeschichte, bei denen sich auch die Eltern nicht langweilen.

Die Veranstaltung mit Sebastian Fitzek war doch tatsächlich so überfüllt, dass es mir nicht gelungen ist auch nur ein Foto zu machen. Na Hauptsache ich war dabei 😉

Anschließend ging es zu einer Veranstaltung mit Sebastian Fitzek. In dieser Woche ist sein neues Buch „Das Paket“ (Knaur) erschienen, natürlich drehte sich dann im Gespräch vieles um sein neues Buch. Er versteht es wirklich gut, den Leser neugierig auf sein Buch zu machen, ohne daraus vorzulesen. Sehr interessant, woraus er als Autor seine Ideen nimmt. Jede noch so kleine alltägliche Situation hat das Potential in einem seiner Roamane zu enden. So auch bei der Idee zu „Das Paket“: Was könnte passieren, wenn man für einen Nachbarn ein Paket annimmt, diesen aber überhaupt nicht kennt, obwohl man doch sonst jeden in der Straße kennt? Diese Idee finde ich grandios, denn schließlich hat jeder schon mal ein Paket für einen Nachbarn angenommen. Ich bin mal gespannt, wie die Story im Buch umgesetzt ist. Noch dazu taucht eine eigenartige Botschaft auf dem Badezimmerspiegel im Hotel auf und die Vergangenheit der Hauptfigur will auch noch aufgearbeitet werden. Das klingt nach toller Unterhaltung. „Das Paket“ steht definitv ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

Übrigens hat Sebastian Fitzek auch eine tolle Einstellung zur Frage: Was studiere oder arbeite ich nach der Schule. Er meinte, man solle viele Erfahrungen sammeln und es ist auch kein Beinbruch, wenn man sich nochmal umorientiert. Das Berufsleben müsse nicht immer geradlinig verlaufen, um zum Ziel zu führen. Sehr schöne Worte wie ich finde 🙂

Am Sonntag habe ich den Tag genutzt, um einfach mal so durch die Hallen zu. Hier kommt eine kleine Auswahl an Impressionen:

Tolle Kinderbücher beim Magellan Verlag

Auch bei Carlsen gab es viel zusehen. Unter anderem auch das süße Faultier Lucky 😚

„Das Haus der vergessenen Bücher“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Toll, dass es die Vorgeschichte jetzt auch im Taschenbuch gibt. Gesehen bei Hoffmann und Campe

 

Beim Fabulus Verlag bin ich auf „Ormog“ von Thomas Engel gestoßen. Mir ist das Buch schon auf einigen anderen Blogs begegnet, daher war meine Neugierde geweckt. Dank der lieben Mitarbeiter am Stand und einem kurzen Plausch mit dem Autor durfte ich das Buch mitnehmen. Ich werde hier berichten, wie dieser Fantasyroman bei mir abgeschnitten hat. Da bin ich selbst mal gespannt.

Der Carlsen Verlag hat ein riesiges Harry Potter Buch mitgebracht. Wenn ich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ nicht schon gelesen hätte, wäre ich nicht mehr von dem Stand losgekommen.

Der Suhrkamp Verlag war auch sehr einladend

ullstein

Büchereule von Ullstein

Bei Heel gab es das Kochbuch für alle Nutella-Junkies 🙂

Alle meine Buchmesse-Schätze

Es war mal wieder wunderschön (anstrengend) auf der Messe. Eine Menge Bücher haben den Weg auf meinen Wunschzettel bekommen und einige durften auch gleich mit nach Hause und warten jetzt auf ein Platz im Regal. (Mehr dazu die nächsten Tage) Jetzt erhole ich mich mit einem guten Buch auf dem Sofa und freue mich umso mehr auf Leipzig 🙂

Wer von euch war auch in Frankfurt? Und was war euer Highlight?

 

Rezension: „Schwestern bleiben wir immer“ von Barbara Kunrath

Schwestern_bleiben_wir

„Schwestern bleiben wir immer“ von Barabra Kunrath (Bildquelle: Ullstein Buchverlage)

“ ‚Es ist doch irgendwie so, als würden wir mit den alten Lasten unserer Eltern weiterleben. Als würden sie uns wie Schatten begleiten und sich bis heute auf unser Leben auswirken.‘ “ (S.187)

Inhalt: Alexa und Katja sind Schwestern mit schwieriger Vergangenheit. Vom Vater verlassen und von der Mutter vernachlässigt müssen sich die beiden um sich selbst kümmern. Jetzt als erwachsene Frauen könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Alexa lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern ein geordnetes Leben. Katja dagegen ist alleinerziehend und sprunghaft. Nach dem Tod ihrer Mutter entdecken die Schwestern einen Teil ihrer Familiengeschichte, der bis jetzt verborgen war. Sie müssen sich zusammenraufen, während sich um sie herum so ziemlich alles ändert.

Leseeindruck: Innerhalb des Romans wechselt immer wieder die Erzählperspektive zwischen der Ich-Perspektive Alexas und Katjas Erlebnissen in der dritten Person. Zwischendurch gibt es auch Passagen, die in die Kindheit der beiden zurückblenden und die Ereignisse von damals schildern.
Grundsätzlich ist die Erzählweise durch die verschiedenen Perspektiven abwechslungsreich und angenehm zu lesen. Allerdings fiel es mir so schwer einen Draht zu Katja zu bekommen, aber immerhin passt das ganz gut zu ihrem verschlossenen Charakter. Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit erklärt sich auch so manche Macke von Katja und Alexa.
Leider wiederholen sich viele der Vergangenheitsszenen. Für mich war das unnötig, denn ich habe das Buch recht zügig gelesen und so hatte ich die Zusammenhänge noch im Kopf.
Trotzdem ist die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit eine gute Wahl. Ich finde es schon erstaunlich welchen Einfluss noch so kleine Kindheitserinnerungen auf die erwachsenen Figuren haben. Der Roman thematisiert auf anschauliche Weise wie Tief Wunden der Kindheit mitunter sitzen und welche Auswirkungen sie auf das ganze weitere Leben haben können.

Lieblingsnebencharakter: Esther, die Freundin von Alexas und Katjas Mutter. Sie macht es erst möglich, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Nur dadurch können die Frauen auch ihr jetziges Leben in den Griff bekommen.
Esther ist die Einzige, die von der ganzen Wahrheit weiß, damit wird sie eine wichtige Stütze für die ganze Familie. Sie ist im Prinzip die Einzige, die mir durch und durch sympathisch ist.

Fazit: Eine Familiengeschichte voller Geheimnisse, Tragödien und Schuldzuweisungen. Die negative Grundstimmung kann auf Dauer aber auch anstrengend sein. Der Roman ist allemal lesenswert, auch wenn er recht kurzweilig ist. Die Geschichte hat mich gut unterhalten, trotzdem kann ich keine volle Punktzahl vergeben. Viele Kleinigkeiten, wie Wiederholungen oder der eine oder andere Konflikt zu viel, stehen dem im Weg, daher gibts gute 3/5 Sternen. Wer Familiengeheimnisse, schwierige Familienverhältnisse und psychologische Aspekte mag, der ist mit dem Roman gut beraten und findet vielleicht auch leichter Zugang zu den Figuren.

Bewertung:
3 Stars

Titel: Schwestern bleiben wir immer
Autorin: Barbara Kunrath
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548288420
Ausgabe: Taschenbuch (9,99 €)

Vielen Dank an vorablesen und die Ullstein Buchverlage für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

 

Neue Mitbewohner im Regal

wp-1473006381189.jpg

Es ist mal wieder an der Zeit meine neuen Mitbewohner vorzustellen. Seid alle herzlich willkommen und macht es euch im Regal gemütlich 🙂

„Schwestern bleiben wir immer“ von Barbara Kunrath (Ullstein):
In diesem Roman geht es um die schwierigen Familienverhältnisse zweier Schwestern. Alexa und Katja hatten keine einfache Kindheit, sie waren mehr oder weniger auf sich allein gestellt und versuchen nun dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, weshalb das so ist. Gerade bin ich dabei, das Geheimnis zu lüften. Ein spannender Familienroman.

„Der Turm der Welt“ von Benjamin Monferat (Wunderlich):
Paris 1889. In der Stadt dreht sich alles um die Weltausstellung und natürlich spielt auch der Eiffelturm eine zentrale Rolle. In mitten der festlichen Stimmung muss ein Verbrechen aufgeklärt werden. Ein historischer Roman mit wunderschönem Cover. Ein wahrer Hingucker.

„Worte für die Ewigkeit“ von Lucy Inglis (Chicken House):
Ein Jugendroman, der auf zwei Zeitebenen spielt. 1867 und heute. Beide Geschichten sind miteinander verbunden und wechseln sich im Buch ab. Eine bzw. zwei tolle Liebesgeschichten fürs Herz.

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante (Suhrkamp):
Ok, ich gebe es ja zu, ich habe mich von dem Hype rund um das Buch anstecken lassen. An jeder Ecke wird über dieses Buch geredet, besonders über die anonyme Autorin. Ich bin mal gespannt, ob meine Erwartungen an eine aufwühlende und besondere Geschichte erfüllt werden. Dieser erste Band über eine Frauenfreundschaft in Neapel ist schon mal eine tolle Ausgangssituation.

„Beeil dich, kleines Faultier“ von Tomoko Ohmura (Moritz Verlag):
Ein wahres Herzensbuch. Ich liebe Faultiere, daher habe ich mich unheimlich gefreut, als dieses Schmuckstück den Weg zu mir gefunden hat. In dem Kinderbuch geht es um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt. Es ist in der Hauptsache ein Bilderbuch, das durch niedliche Figuren besticht. Hier nochmal ein Bild vom Buch, gemeinsam mit meinem ganz eigenen Faultier 🙂

Rezension: „Bühlerhöhe“ von Brigitte Glaser

Buehlerhoehe „Wie schon so oft verfluchte sie diesen Auftrag und diese Reise. Kein Gespenst der Vergangenheit, das sie dabei nicht heimsuchte.“ (S. 358)

Inhalt: Die Bühlerhöhe ist ein erstklassiges Hotel im Schwarzwald. In den 1950er Jahren verbringt Konrad Adenauer dort regelmäßig seinen Sommerurlaub. So auch im Jahr 1952.
Auf dem politische Parkett dreht sich alles um das Wiedergutmachungsgesetz zwischen der Bundesrepublik und Israel. In diesem Spannungsfeld droht der Kanzler Ziel eines Attentäters zu werden.
Rosa Silbermann setzt alles daran den Kanzler zu schützen und muss sich damit auch mit ihrer Kindheit in Deutschland auseinandersetzten. Von ihrer Vergangenheit wird auch die Hausdame Sophie Reisacher wiederholt heimgesucht, wobei sie ihre ganz eigenen Ziele während des Kanzlerbesuchs verfolgt.

Leseeindruck: Mich hat das Buch wirklich überzeugt. Die Elsässerin Sophie und die jüdische Agentin Rosa, aus dem israelische Kibbuz Omarim bieten einen aufschlussreichen Blick auf die deutsche Gesellschaft der 1950er Jahre. Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein und haben doch eine große Gemeinsamkeit: Sie müssen, wie alle anderen Charaktere auch, mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zurechtkommen und ihren Platz in der neuen Gesellschaftsordnung finden.
Ich habe mich ehrlich gesagt bisher wenig damit beschäftigt wie sehr die Geschehnisse der 30er und 40er Jahre das Denken und Handeln der Bevölkerung in der jungen Republik noch beeinflusste. Nach außen sieht alles so aus, als wäre man zur Tagesordnung zurück gekehrt doch verarbeitet haben die wenigsten Menschen das Erlebte. „Bühlerhöhe“ führt dem Leser die Probleme und weiterhin bestehenden Konflikte der Menschen vor Augen.
Die Kapitel sind mit den jeweiligen Handlungsorten überschrieben. So verliert man trotz zahlreicher Handlungsstränge nie den Überblick. Der Handlungsverlauf bietet so einige Überraschungen mit denen ich nicht gerechnet habe. Langweilig wird einem als Leser nicht, schließlich muss man sich mit Geheimdiensten, Affären und Leichen auseinandersetzen. Das alles auch noch im beschaulichen Schwarzwald, in dem die bodenständigen Menschen ihren sympathischen Dialekt sprechen. Auch wenn die Geschichte Fiktion ist, kommt alles sehr authentisch daher.

Das einzige was mich ein wenig gestört hat, sind die vielen zufälligen Begegnungen und (früheren) Verbindungen der Figuren. Dieses Zugeständnis muss man wohl für eine spannende und temporeiche Story im beengten Raum eines Hotels bzw. eines Ferienorts machen.

Lieblingsnebencharakter: Agnes. Sie steht leider etwas im Schatten von Rosa und Sophie. Dabei hat sie selbst ein ergreifendes Schicksal. Sie ist ein guter Mensch, der einfach schon zu oft im Leben zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Fazit: Eine spannende Geschichte mit vielen Überraschungen, noch dazu lehrreich. Das historische Gerüst der Handlung wurde gut recherchiert und bietet genug Raum für die Charakterentfaltung der einzelnen Figuren. Unterhaltung auf einem sehr guten Niveau.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Bühlerhöhe
Autorin: Brigitte Glaser
Verlag: List
ISBN: 9783471351260
Ausgabe: Hardcover (20,00 €)

Vielen Dank an vorablesen und die Ullstein Buchverlage für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Neue Mitbewohner im Regal

Bei mir sind in letzter Zeit so einige Bücher eingezogen, ein paar davon möchte ich heute vorstellen.

20160801_120204.jpg

Meine neuen Mitbewohner

„Albert und der Baum“ von Jenni Desmond (Magellan):
Ein niedliches Kinderbuch um einen Bären, der sich um seinen Lieblingsbaum im Wald kümmert. Bezaubernde Illustrationen bringen auch „großen“ Lesern Spaß.

„Als die Träume noch uns gehörten“ von Marian Izaguirre (Fischer):
Tja, was soll ich sagen: Es geht um eine Buchhandlung in Madrid und ein rätselhaftes Buch. Eine Ausgangssituation, die ganz nach meinem Geschmack ist. Ich bin schon gespannt, was auf mich zu kommt.

„Bühlerhöhe“ von Brigitte Glaser (List):
Dank Vorablesen durfte auch dieses Buch schon bei mir einziehen, das im August 2016 erscheinen wird. Ein Roman, der im Jahr 1952 spielt. Rosa Silbermann und Sophie Reisacher sind zwei völlig verschiedene Frauen. Beide kämpfen mit ihrer Vergangenheit und stehen sich nun in einem Hotel im Schwarzwald gegenüber, in dem Konrad Adenauer zu Besuch ist.

„Nicolas Calva – Das magische Amulett“ von Jenifer A. Nielsen (Beltz & Gelberg):
Ein fantastisches historisches Kinderbuch. Nic ist Sklave in einem römischen Bergwerk. Dort stößt er auf den Schatz Caesars mitsamt einem magischen Amulett. Er ist ein cleverer frecher Kerl und so warten nun eine Menge Probleme auf ihn, denn auch andere mächtige Personen im römischen Reich haben es auf das Amulett abgesehen. Ein tolles Buch, gerade für Jungs und Mädels, die Abenteuer mögen. Noch dazu lernen die kleinen Leser auch etwas über die antike römische Gesellschaft.

„Die Birken wissen’s noch“ von Lars Mytting (Insel):
Eine Familiengeschichte, die von Norwegen bis nach Frankreich und von der Gegenwart zurück zum Ersten Weltkrieg reicht. Eine Menge Geheimnisse rund um die Brüder Hirifjell warten darauf entschlüsselt zu werden. Das alles geschieht umgeben von einer tollen Natur und Landschaft. Im Moment sitze ich an der Rezension, denn ich habe das Buch bereits gelesen.

Rezension: „Darm mit Charme“ von Giulia Enders

9783550080418_cover

Darm mit Charme von Giulia Enders (Bildquelle: Ullstein)

„Der Darm aber, so glauben die meisten, geht währenddessen höchstens mal aufs Klo. […] Besondere Fähigkeiten kennt man von ihm eigentlich keine. Man könnte sagen, wir unterschätzen das ein wenig.“ (S. 19)

Inhalt: In diesem Buch erfährt der Leser alles, was man rund um den Darm wissen sollte. Warum ist er so wichtig, welche Funktionen hat er und welchen Einfluss hat er auf unser Leben.

Leseeindruck: Dieses Buch ist pure Unterhaltung und das bei einem Thema, worüber sonst nur selten gesprochen wird. Das Geheimnis liegt aber vielleicht genau darin, dass endlich mal jemand dieses Thema aufgreift. Noch dazu auf eine sehr charmante Art und Weise. Nicht zuletzt durch die gelungenen Illustrationen. Ich habe eine Menge über die Funktion des Darms gelernt und weiß jetzt, dass er viel mehr macht, als nur zu verdauen. Er kommuniziert auch fleißig mit unserem Hirn und macht, dass wir zufrieden oder auch weniger zufrieden sind.
Die erste Hälfte (Kapitel 1 und 2) des Buches war für mich einen Tick unterhaltsamer als der Rest. Ab Kapitel 3 geht es um die Mikroben, die in uns Leben. Mir fiel es etwas schwerer diesem Thema zu folgen, obwohl auch hier alles sehr anschaulich erklärt wird. Bei den ersten beiden Kapiteln musste ich einfach das eine oder andere Mal mehr schmunzeln. Es geht um den Weg, den unser Essen vom Mund bis hin zum stillen Örtchen nimmt. Ich habe mich in so vielen Situationen wiedererkannt und dachte: Ah, das passiert also, wenn mein Magen knurrt.
Das Buch lebt besonders von der direkten Sprache der Autorin. Nie wird man mit Fachbegriffen überschüttet und doch bekommt man wissenschaftliche Themen vermittelt. Man lernt viele interessante Dinge über Ernährung, Verdauung und Körperfunktionen über die man sich noch nie viel Gedanken gemacht hat, die aber durchaus wichtig sind.

Lieblingsnebencharakter: Es ist nicht so leicht, in einem Sachbuch einen Lieblingsnebencharakter zu finden. Ich werde es aber mal versuchen. Ok, der Darm ist die Hauptfigur, wer kommt denn dann als Nebencharakter in Frage? Der Mund? Die Speiseröhre? Der Blinddarm? Die Darmzotten? Ich hab’s: Der innere und äußere Schließmuskel haben die Auszeichnung verdient, denn schließlich sorgen die beiden dafür, dass man gezielt aufs Klo gehen kann und seinen Haufen eben nicht in die Straßenbahn macht 🙂 Die Kommunikation zwischen beiden war wirklich lustig zu lesen.

Fazit: Giulia Enders gibt den vielen kleinen und großen Dingen in unserem Darm eine Stimme und eines werde ich mir merken. Unser Darm will immer nur unser Bestes und daher sollte ich ihm dankbar sein, für alles was er für mich tut und auch auf ihn hören. Ein Zitat noch zum Schluss, das ich euch nicht vorenthalten wollte: „Der ruhige Buchleser ist in Sachen Verdauung erfolgreicher als ein angespannter Topmanager.“ (S.50) Na wer sagst denn, Lesen ist auch noch gesund. Für diese Erkenntnis und den tollen Gesamteindruck gibt’s die volle Punktzahl.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Darm mit Charme – Alles über ein unterschätztes Organ
Autorin: Giulia Enders (Illustationen von Jill Enders)
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783550080418
Ausgabe: Paperback (16,99€)