Schlagwort-Archive: 1950er

Gemeinsam lesen: „Als die Träume noch uns gehörten“ von Marian Izaguirre

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese „Als die Träume noch uns gehörten“ (Fischer) von Marian Izaguirre und bin auf Seite 52.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Madrid, Oktober 1951
Ich bin froh und beschwingt.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Der Klappentext hat mich neugierig auf das Buch gemacht, denn es geht um eine „fast vergessene Buchhandlung in der Altstadt von Madrid“. Da musste ich die Geschichte einfach lesen, denn ich liebe Bücher, die in und um Buchhandlungen herum spielen.
Bisher gefällt mir die Geschichte sehr gut, auch wenn ich natürlich noch nicht so recht weiß worauf alles hinausläuft. Eine Engländerin streift durch die Straßen von Madrid und entdeckt dabei eine kleine Buchhandlung, in der ein eigenartiges Buch ausgestellt ist. Dieses Buch ist nun auch Teil der Geschichte, denn es gibt einen Wechsel zwischen der Geschichte der 1950er Jahre in Madrid und der Handlung des ausgestellten Buches. Darin geht es um die kleine Rosa. Sie lebt in der Normandie und kennt ihr leiblichen Eltern bisher nicht. Es ist also alles noch sehr verworren. Wahrscheinlich werden beide Ebenen innerhalb der Geschichte miteinander verwoben. Diese Idee gefällt mir sehr, denn ich mag Geschichten, die auf verschiedenen Zeitebenen spielen. Mal sehen, wie sich alles noch entwickeln wird. Es ist ein richtiger Schmöker mit vielen Geheimnissen, die aufgedeckt werden wollen und einer mit Problemen belasteten Vergangenheit.

4. Liest du lieber alleine oder in Gesellschaft?

Ich lese lieber alleine. Außer vielleicht im Urlaub, wenn alle anderen auch faulenzen, dann lese ich auch mal in Gesellschaft. Die meiste Zeit lese ich aber für mich, gemütlich auf dem Sofa.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Lasst mir gern einen Kommentar da, was ihr gerade so lest.

Rezension: „Bühlerhöhe“ von Brigitte Glaser

Buehlerhoehe „Wie schon so oft verfluchte sie diesen Auftrag und diese Reise. Kein Gespenst der Vergangenheit, das sie dabei nicht heimsuchte.“ (S. 358)

Inhalt: Die Bühlerhöhe ist ein erstklassiges Hotel im Schwarzwald. In den 1950er Jahren verbringt Konrad Adenauer dort regelmäßig seinen Sommerurlaub. So auch im Jahr 1952.
Auf dem politische Parkett dreht sich alles um das Wiedergutmachungsgesetz zwischen der Bundesrepublik und Israel. In diesem Spannungsfeld droht der Kanzler Ziel eines Attentäters zu werden.
Rosa Silbermann setzt alles daran den Kanzler zu schützen und muss sich damit auch mit ihrer Kindheit in Deutschland auseinandersetzten. Von ihrer Vergangenheit wird auch die Hausdame Sophie Reisacher wiederholt heimgesucht, wobei sie ihre ganz eigenen Ziele während des Kanzlerbesuchs verfolgt.

Leseeindruck: Mich hat das Buch wirklich überzeugt. Die Elsässerin Sophie und die jüdische Agentin Rosa, aus dem israelische Kibbuz Omarim bieten einen aufschlussreichen Blick auf die deutsche Gesellschaft der 1950er Jahre. Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein und haben doch eine große Gemeinsamkeit: Sie müssen, wie alle anderen Charaktere auch, mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zurechtkommen und ihren Platz in der neuen Gesellschaftsordnung finden.
Ich habe mich ehrlich gesagt bisher wenig damit beschäftigt wie sehr die Geschehnisse der 30er und 40er Jahre das Denken und Handeln der Bevölkerung in der jungen Republik noch beeinflusste. Nach außen sieht alles so aus, als wäre man zur Tagesordnung zurück gekehrt doch verarbeitet haben die wenigsten Menschen das Erlebte. „Bühlerhöhe“ führt dem Leser die Probleme und weiterhin bestehenden Konflikte der Menschen vor Augen.
Die Kapitel sind mit den jeweiligen Handlungsorten überschrieben. So verliert man trotz zahlreicher Handlungsstränge nie den Überblick. Der Handlungsverlauf bietet so einige Überraschungen mit denen ich nicht gerechnet habe. Langweilig wird einem als Leser nicht, schließlich muss man sich mit Geheimdiensten, Affären und Leichen auseinandersetzen. Das alles auch noch im beschaulichen Schwarzwald, in dem die bodenständigen Menschen ihren sympathischen Dialekt sprechen. Auch wenn die Geschichte Fiktion ist, kommt alles sehr authentisch daher.

Das einzige was mich ein wenig gestört hat, sind die vielen zufälligen Begegnungen und (früheren) Verbindungen der Figuren. Dieses Zugeständnis muss man wohl für eine spannende und temporeiche Story im beengten Raum eines Hotels bzw. eines Ferienorts machen.

Lieblingsnebencharakter: Agnes. Sie steht leider etwas im Schatten von Rosa und Sophie. Dabei hat sie selbst ein ergreifendes Schicksal. Sie ist ein guter Mensch, der einfach schon zu oft im Leben zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Fazit: Eine spannende Geschichte mit vielen Überraschungen, noch dazu lehrreich. Das historische Gerüst der Handlung wurde gut recherchiert und bietet genug Raum für die Charakterentfaltung der einzelnen Figuren. Unterhaltung auf einem sehr guten Niveau.

Bewertung:
5 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Bühlerhöhe
Autorin: Brigitte Glaser
Verlag: List
ISBN: 9783471351260
Ausgabe: Hardcover (20,00 €)

Vielen Dank an vorablesen und die Ullstein Buchverlage für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.