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Rezension: „Der Junge, der mit dem Herzen sah“ von Virginia Macgregor

„Der Junge, der mit dem Herzen sah“ von Virgina Macgregor (Bildquelle: Manhattan)

„Oder vielleicht würden sich seine Augen ganz rapide verschlechtern, schneller als man gedacht hatte, und er würde nicht mehr in der Lage sein, noch irgendetwas zu sehen, nicht mal durchs kleinste Nadelöhr, und dann würde die Welt ganz schwarz sein und er konnte so tun, als wäre er gar nicht da.“ (S. 360)

Inhalt: Retinitis pigmentosa. So heißt die Augenkrankheit, des 9-jährigen Milo. Er sieht die Welt wie durch ein Nadelöhr. Alles abseits dieses kleinen Blickfelds ist nicht sichtbar für ihn. Er konzentriert sich immer stärker auf die Details in seinem Umfeld. So kümmert er sich auch rührend um seine 92-jährige Urgroßmutter Lou. Die beiden sind ein eingespieltes Team im Alltag. Nichts bringt sie so schnell auseinander, daher tut Milo alles, um Lou aus dem Pflegeheim zurück nach Hause zu holen. Dabei muss er sich mit der Pflegeheimleiterin auseinandersetzten und auch die Probleme seiner Mutter Sandy stehen ihm im Weg. Nur gut, dass er mit dem Koch Tripi und seinem Hausschwein Hamlet zwei verlässliche Freunde hat.

Leseeindruck: So recht weiß ich nicht, wie ich beginnen soll, denn spontan fällt mir nichts bemerkenswertes an der Story ein. Am außergewöhnlichsten ist wohl noch Milos Krankheit und der damit verbundenen Fähigkeit den Fokus auf die Details in seinem Umfeld zu legen. Er entwickelt ein regelrechtes Gespür für die Dinge, die sich um ihn herum abspielen. Gepaart mit seiner empathischen Art für die Familie ist er der Einzige, der den Umständen im „Vergissmein-Nicht-Heim“ auf den Grund geht. Dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu, aber keiner der Erwachsenen will das wahr haben, weil alle mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind.
Der Ausgang der Geschichte ist recht vorhersehbar, was wohl auch daran liegt, dass die Charaktere oft Stereotypen bedienen. Schnell merkt man, wer „Gut“ und wer „Böse“ ist. Leider bleiben dadurch auch die überraschenden Wendungen aus. Noch dazu gibt es eine Menge Wiederholungen. So wird die Geschichte um Milos Vater und die „Schlampe“ an mehreren Stellen erzählt, ohne dass sich für den Leser neue Erkenntnisse ergeben. Diese Doppelungen sind streckenweise ermüdend ist und einer der Gründe, weshalb ich das Buch zwischenzeitlich immer wieder bei Seite gelegt habe. Die Geschichte hätte an der eine oder anderen Stelle mehr Tempo vertragen, an anderen wiederum hätte ich mir eine umfassendere Charakterentwicklung gewünscht. Schwester Thornhill, die Heimleiterin ist so ein Fall, denn man erfährt nicht umfassend, weshalb sie bestimmte Dinge tut, dabei würde mich ihre Vorgeschichte wirklich interessieren.

Gefallen hat mir dagegen der Aufbau des Romans. Die Perspektive wechselt mit den Kapiteln immer wieder zwischen den Charakteren Milo, Lou, Tripi und Sandy. Der Leser kann sich so wunderbar in die einzelnen Figuren hineinversetzen und ihre Beweggründe besser verstehen. Positiv erwähnen möchte ich auch die heitere Erzählweise. Trotz aller Traurigkeit und bedrückender Momente, hat mich die Geschichte auch öfter zum Schmunzeln gebracht. Der syrische Koch Tripi sorgt mit seiner fast schon naiven Art für viel Heiterkeit, wenn er versucht mit den Tücken der fremden Sprache zu Recht zu kommen. Auch die Heimbewohner warten mit einer Menge skurriler Macken auf, die einen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Außerdem ist die Geschichte kurzweilig, man kommt sehr schnell wieder rein, wenn man eine Lesepause eingelegt hat.

Lieblingsnebencharakter: Auch wenn die Heimbewohner mit liebenswerten Macken aufwarten können, ist mein Liebling doch ein anderer: Al, der neue Untermieter von Sandy, hat mir am meisten Spaß bereitet. Er bringt ein wenig Schwung in den Haushalt und hat ein Ohr für Milo. Er ist ein besonderer Typ, der so seine Geheimnisse hat. Die Szenen mit ihm haben mir am meisten Spaß gemacht.

Fazit: Die liebenswerten Charaktere können leider nichts daran ändern, dass die Story recht vorhersehbar ist. Auch die Charakterentwicklung bietet keine Überraschungen, daher ziehe ich insgesamt zwei Sterne ab. Alles in allem ist es eine nette Geschichte, um einen kleinen Jungen, der einfach alles wieder in Ordnung bringen will und dabei alle Sympathien auf seiner Seite hat, weil er von Ehrlichkeit, Freundschaft und Liebe geleitet wird. Ich vergebe solide 3 Sterne.

Bewertung:
3 Stars

Bibliographische Angaben:

Titel: Der Junge, der mit dem Herzen sah
Autorin: Virginia Macgregor (Übersetzung: Wibke Kuhn)
Verlag: Manhattan
ISBN: 9783442547494
Ausgabe: Paperback (14,99)

Das Rezensionsexemplar wurde vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.

Gemeinsam lesen: „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“

Gemeinsam Lesen 2

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ von Anna McPartlin aus dem Rowohlt Verlag, Seite 31.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Ich brauche nur ein paar Tage Ruhe, dann geht es mir wieder besser.“ (S.31)

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Dieses Buch habe ich in die Hand genommen, da ich das Cover unglaublich schön finde. Noch nicht einmal über den Inhalt habe ich mich informiert, bevor ich mit dem Lesen angefangen habe. Ein richtige Coverentscheidung war das. Da ich völlig unvoreingenommen an das Buch rangegangen bin, hatte ich das Gefühl eins mit dem Holzhammer zu bekommen, als ich gleich zu Beginn erfahren musste, dass es sich bei dem Buch um die Geschichte der todkranken Rabbit handelt, der ihre letzten Lebenstage im Hospiz bevor stehen. Bereits nach den ersten Sätzen habe ich sie lieb gewonnen, ebenso ihre Mutter, die sich rührend um sie kümmert. Ich bin gespannt, auch noch die restlichen Familienmitglieder kennenzulernen. Ich glaube, dass mir die Geschichte gefallen wird, bin mir aber auch sicher, dass mich Rabbits Geschichte sehr berühren wird. Da wird mir wohl mehr als einmal ein Klos im Hals stecken. Nichts für schwache Gemüter denke ich.

4. Nenne 5 Adjektive, die dein aktuelles Buch beschreiben. Wenn du dir jetzt diese Eigenschaften anschaust: würdest du gerne mit jemandem befreundet sein, auf den diese charakterlich zutreffen? (Wenn du erst am Anfang bist, dann nimm Adjektive, was du vom Buch erwartest)

Hier meine 5 Adjektive: (Es sei gesagt, dass diese Adjektive natürlich meinen Eindruck im Moment, also nach 31 Seiten wiederspiegeln)

  • liebevoll
  • einfühlsam
  • lustig
  • ehrlich
  • schonungslos

Ja, „lustig“ hat es auf die Liste geschafft und darüber musste ich nicht mal lange nachdenken, denn obwohl die Geschichte einen traurigen Grundton hat, passieren doch immer wieder lustige Dinge. Besonders Rabbits Mutter lässt sich nicht so leicht unterkriegen und sorgt mit ihrer direkten Art für einige lustige Momente.

Ein Mensch mit meinen 5 Eigenschaften könnte ich mir schon vorstellen, besonders die ersten 4 sind ja positive Eigenschaften. „Schonungslos“ bedeutet für mich, dass in der Story (bisher) nichts geschönt ist. Alles wird direkt ausgesprochen. Im wahren Leben, könnte dies natürlich sehr verletzend sein. Aber es gibt sicher schlimmere Charaktereigenschaften.

Was meint ihr dazu?

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher.