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Rezension: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

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„Die Gestirne“ von Eleanor Catton (Bildquelle: btb Verlag)

„Jede Speiche des großen Glücksrads war samstags sichtbar – Männer stiegen auf, kamen ganz oben an, rutschten ab, landeten wieder ganz unten, und am Abend begoss jeder Goldsucher entweder seinen Kummer oder seine Freude.“ (S. 132)

Inhalt: Ein Jadesucher, ein Bankier ein Zeitungsherausgeber, ein Hotelier, ein Goldfeldmagnat, ein Goldschmied, ein Handelsagent, ein Apotheker, ein Spediteur, ein Gerichtsschreiber, ein Goldgräber und ein Geistlicher treffen sich zu einer geheimen Versammlung, um sich über ungelöste Verbrechen in der Goldgräberstadt Hokitika in Neuseeland auszutauschen. Zu diesen 12 Männern stößt ein Neuankömmling, der auch etwas zu berichten hat und neue Erkenntnisse beitragen kann. Ein komplexes Netz aus Beobachtungen wird die Täter überführen, oder?

Leseeindruck: Als ich die Rahmendaten der Geschichte gelesen habe: 1866, Neuseeland im Goldrausch, wollte ich unbedingt mehr über diese Geschichte wissen. Noch dazu, als ich gesehen habe, dass Eleanor Catton den Booker Prize für „Die Gestirne“ erhalten hat.
Der Beginn ist wirklich interessant, man merkt sofort, dass viele Geheimnisse in der Luft liegen und nicht jeder die ganze Wahrheit sagt, oder Dinge verschweigt. Die Ausgangssituation hat man schnell verinnerlicht. Es passieren viele ungewöhnliche Dinge gleichzeitig, aber einen Zusammenhang scheint es nicht zu geben. Unwahrscheinlich viele Fragen werden aufgeworfen, die ich erstmal sortieren musste. Stück für Stück erfährt man von den Beteiligten, was sie beobachtet haben und jeder (einschließlich dem Leser) zieht andere Schlüsse daraus. Die Handlung ist unheimlich komplex, ständig hatte ich das Gefühl etwas überlesen zu haben. Das macht das Verständnis und das Vorankommen nicht gerade einfach. Ich gebe zu, dass ich ohne die Lovelybooks-Leserunde sicher aufgegeben hätte. Durch die vielen Charaktere und Schauplätze ergibt sich zwar nach und ein immer größeres Bild von den Geschehnissen, aber auch die Wiederholungen werden immer mehr. Sicher an der einen oder andere Stelle war ich über eine Zusammenfassung dankbar, aber die Wiederholungen haben mich auch ermüdet. Leider hat das meine Lesefreude getrübt.
Mit fortschreitender Seitenzahl nimmt auch das Tempo zu, die Kapitel werden kürzer und die Erkenntnisse werden größer. Man muss aber wirklich immer sehr aufmerksam lesen, um nichts zu verpassen.
Wie der Titel es schon sagt, dreht sich das Buch um Gestirne und zwar in astrologischer Sicht. Jeder der 12 Männer aus der Versammlung steht für ein anderes Sternzeichen. Es gibt auch mehrere Schautafeln im Buch, die die Konstellation der Gestirne (also Charaktere) zueinander verdeutlichen sollen. Auch die Kapitelüberschriften lauten „Jupiter im Schützen“ und so ähnlich. Mich hat das alles mehr verwirrt, als dass es mir beim Verständnis geholfen hat. Vielleicht, weil ich auch im wahren Leben nicht so viel mit Astrologie anfangen kann. Ich bin mir sicher, wer hierfür ein Faible hat, der wird noch mehr interessante Andeutungen finden können. Mich hat das eher verunsichert, da ich ständig das Gefühl hatte, mir würde etwas entgehen. Schade eigentlich.

Positiv in Erinnerung ist mir die Sprache geblieben. Es fühlt sich oft so an, als wäre man  wirklich im Jahr 1866; und nicht nur das. Manchmal kam es mir so vor, als wäre ein zeitgenössischer Roman. Fast so, als wäre auch die Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst. Die Sprache ist sehr bildhaft. Die Kapitel tragen noch dazu alle eine Art Zwischenüberschrift, die einer Zusammenfassung gleicht. In etwa so: „In welchem Kapitel Wells‘ Verdacht sich erhärtet.“ (S. 932) Mir fällt nicht ein, dass ich schon mal etwas vergleichbares gelesen habe.

Lieblingsnebencharakter: Ich glaube in diesem Buch kann man nicht von Nebencharakteren sprechen. Es gibt so viele Figuren, die nebeneinander auftreten und (fast) alle gleich wichtig sind. Sie haben auch alle interessante und abwechslungsreiche Vorgeschichten, daher möchte ich nicht entscheiden, wer mir mehr gefallen hat.
Ich würde heute mal den Erzähler nehmen und ihn zum Liebling küren. Er ist allwissend und spricht auch den Leser immer wieder direkt an. Man kann durchaus sagen, dass der Erzähler der Geschichte seinen Stempel aufdrückt, denn er entscheidet, was der Leser wann und in welchem Umfang erfährt. Noch dazu hat er eine eigene Meinung, mit der er nicht hinterm Berg hält. Es war sehr erfrischend ihm zu folgen. Hier eine kleine Kostprobe: „Weder die lästigen Unterbrechungen noch Balfours ausschweifende Art des Erzählens wären es wert, wortwörtlich wiedergegeben zu werden. Wir wollen ihre Makel tilgen […].“ (S. 69)

Fazit: Eine Geschichte mit unheimlich komplexer Handlung, die mich fast überfordert hat, da jedes noch so kleine Detail von Bedeutung ist. Das Lesen ist streckenweise mühsam, auch wenn die Sprache wirklich toll ist. Mich lässt das Buch mit gemischten Gefühlen zurück. Ich bin nicht zufrieden und hatte so meine Schwierigkeiten und dennoch ist ein einzigartiges Werk, das man nur schwer mit anderen Büchern vergleichen kann. Alles in allem hat der Lesespaß bei mir durch die vielen Handlungsstränge gelitten und ich bin mir sicher, dass ich viele Aspekte bis zum Schluss nicht richtig einordnen konnte, daher vergebe ich solide 3/5 Sternen. Die große Faszination hat sich bei mir leider bis zum Schluss nicht eingestellt.

Bewertung:
3 Stars

Bibliograpische Angaben:
Titel: Die Gestirne
Autorin: Eleanor Catton (Übersetzung: Melanie Walz)
Verlag: btb Verlag
ISBN: 9783442754793
Ausgabe: Hardcover (24,99 €)
Seiten: 1040

Gemeinsam Lesen: „Die Gestirne“ von Eleanor Catton

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Die Gestirne“ (btb) von Eleanor Catton. Ganz ehrlich, ich weiß nicht genau auf welcher Seite ich bin, da ich gerade erst die Maxileseprobe aus dem Magazin zum Buch (hier findet ihr sie auf der Verlagshomepage) gelesen habe. Darin wird eine andere Seiteneinteilung verwendet, als im Buch. So in etwa dürfte ich auf Seite 40 von über 1000 sein. Jetzt warte ich voller Vorfreude auf Post von Lovelybooks, um das Buch endlich weiter lesen zu können 🙂 .

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„‚Selbstverständlich – selbstverständlich‘, sagte Balfour, der den diskreten Wink verstanden hatte.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Auf der Frankfurter Buchmesse bin ich durch das Magazin zum Buch auf den Titel aufmerksam geworden. Es wurde unheimlich viel Werbung gemacht. Da bin ich einfach neugierig geworden. Eleanor Catton hat für diesen Titel den renommierten Booker Prize erhalten. Noch so ein Punkt, der mich angesprochen hat, aber worum geht es?

Die Geschichte beginnt 1866 in Neuseeland. Das Land befindet sich im Goldrausch. Auch der junge Schotte Moody will sein Glück in der Ferne suchen, nachdem er sich mit seinem Vater und Bruder überworfen hat. Gleich zu Beginn seiner Reise gerät er in eine eigenartige Versammlung von ganz verschiedenen Männern. (Dabei spielen wahrscheinlich auch das Tierkreiszeichen der Figuren und die Mondphasen eine entscheidende Rolle) Noch habe ich keinen wirklichen Durchblick, denn es tauchen unheimlich viele Figuren auf und die Handlung ist sehr komplex. Aber die Leseprobe hat mich doch überzeugt. Die Sprache ist sehr besonders. Sie ist an manchen Stellen ein wenig gestelzt, aber nur, da dies genau in die Zeit und Gesellschaft passt. Das gesamte Setting ist sehr authentisch und ich konnte mir die besondere Situation, in der sich Moody befindet gut vorstellen.

Ich bin neugierig wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird, da die Charaktere komplex und wahrlich nicht leicht zu durchschauen sind. Noch dazu scheint Moody eine interessante Vorgeschichte zu haben. Ich bin wirklich gespannt, wie es weiter geht.

4. Warst du schon jemals oder bist du aktuell in einen Buchcharakter verliebt?

Ganz klar Nein! Ich verteile zwar meine Sympathien und fiebere dann mit den Charakteren mit, aber verliebt? Nein. Wenn ich es aber umformuliere und frage, ob ich gerne mit einem Buchcharakter befreundet wäre, dann Ja! Ich würde gern Ron Weasley zu meinen Freunden zählen 🙂

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.