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Rezension: „Die große weite Welt der Mimi Balu“ von Kati Naumann

„Die große weite Welt der Mimi Balu“ von Kati Naumann (Bildquelle: Knaur)

„Im Leben eines jeden Menschen gibt es einen unwiderbringlichen Moment, in dem er seine Bedeutung ändern kann, wenn er nur das Richtige tut.“ (S. 19)

Inhalt: Mimi Balu, Ende 30 liebt ihr Londoner Künstlerleben. Alles könnte wunderbar sein, wenn sie nur endlich den Durchbruch schaffen würde und damit ihrer wahren Berufung nachgehen könnte. Nichts wünscht sie sich mehr, daher ordnet sie diesem Traum alles unter. Sie blickt unerschütterlich nach vorn und nur selten zurück, auf ihre Vergangenheit in der sächsischen Kleinstadt Limbach-Oberfrohna. Ein familiärer Notfall bringt Mimi dazu, wieder mehr Zeit in ihrer Heimatstadt zu verbringen. Aber was wird dann aus ihrem Traum?

Leseeindruck: Ein Roman, der in London und der sächsischen Provinz spielt. Wann bekommt man das schon mal geboten? Der Kontrast zwischen der Weltstadt London und der Kleinstadt bietet eine tolle Kulisse für die Handlung. Ich hatte unheimlich viel Spaß Mimis Londoner Leben mitzuverfolgen. Sie streift viel durch die Stadt, so hat man fast den Eindruck, man mache gerade selbst einen Stadtrundgang 🙂 Mimi blüht förmlich auf in der großen weiten Welt. Sie ist ein liebenswert chaotischer Mensch, der auf sein Herz hört. Sie ist ein Freigeist, der wunderbar nach London passt, aber nicht nach Limbach-Oberfrohna. Dort fühlt sie sich nicht mehr zu Hause und auch ihre Familie kann nur wenig mit ihrem künstlerischen Talent anfangen. In vielen Fällen hätte ich gern den Vermittler zwischen Mimi und ihrer Familie gespielt, denn ihnen fehlte so oft das Verständnis füreinander. Aber genau von diesen Gegensätzen lebt der Roman. Dabei wird die Welt nicht immer nur schwarz/weiß betrachtet. Auch London hat seine Schattenseiten und in der Kleinstadt ist nicht alles schlecht. Mir hat diese differenzierte Sicht auf die Dinge sehr gut gefallen. Allerdings ziehe ich an dieser Stelle auch einen klitzekleinen Punkt ab, denn für mich war zu schnell klar, in welche Richtung sich Mimis Leben wenden wird.

Ein stilistisches Mittel ist bei mir sehr gut angekommen: Vor jedem Kapitel steht ein kurzer Vergleich beider Städte und ihrer Einwohner. An dieser Stelle habe ich mich immer auf einen amüsanten Moment gefreut. Überhaupt ist das Buch an vielen Stellen mit einem Augenzwinkern geschrieben. Es ist lustig, aber niemals albern. Es wird auch niemand lächerlich gemacht. Egal, ob man nun die Großstadt oder die Provinz lieber mag, niemand sollte sich auf den Schlips getreten fühlen.

Lieblingsnebencharakter: Vom ersten Moment an mochte ich Oma Trude. Sie steht bedingungslos hinter ihrer Enkelin, auch wenn sie nicht immer versteht, was die eigentlich genau macht. Die Szenen mit ihr, egal ob in London oder in Limbach-Oberfrohna waren immer ein Highlight. Sie ist eine kauzige alte Dame, die genau weiß, was sie will. Und außerdem schlummert in ihr auch eine Künstlerseele 🙂

Fazit: Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich mag London sehr gern, und komme selbst aus der sächsischen Provinz. Die Mischung war also genau meins. Man merkt, dass die Autorin gut recherchiert hat. (Oder eben eine gute Beobachtungsgabe hat, denn sie hat ja lange selbst in London gelebt). Die einzelnen Orte sind detailiert beschrieben und man kann sich gut vorstellen, was Mimi gerade selbst erlebt oder sieht. (In der Szene am Altenburger Flughafen hatte ich förmlich das Gefühl, ich befinde mich selbst wieder am Check-In 🙂 )
Eine Geschichte mit liebenswerten Charakteren und einer tollen Botschaft: Bleibe dir treu, denn nichts was du einmal gemacht hast, wird umsonst sein. Ein Buch für jeden Londonfan oder solche, die es noch werden wollen 🙂 Ich vergebe tolle 4 Punktzahl, da ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe und großartig unterhalten wurde.

Bewertung:
4 Stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Die große weite Welt der Mimi Balu
Autorin: Kati Naumann
Verlag: Knaur
ISBN: 9783426516812
Ausgabe: Taschenbuch (8,99€)