Rezension: „Wie uns die Liebe fand“ von Claire Stihlé

Cover „Wie uns die Liebe fand“ (Bildrechte: Droemer)

„Da zerplatzt einem das Glück im Hirn, wenn man die nimmt. […] Dabei wiederholte sie die Worte, von Gast zu Gast besser werdend, bis sie bei Madame Rohrbach, der letzten in der Runde, verstummte und die Liebesbomben in ihrer Faust einschloss. Ihre Augen funkelten, als träten Blitze aus. Es war um sie alle geschehen.

(S.164)

Inhalt: Madame Nan hat vier Töchter und ist mittlerweile 92 Jahre alt. Sie blickt zurück auf ihr Leben in einem beschaulichen Dorf im Elsass. Im Zentrum stehen die 70er Jahre, da die älteste Tochter Marie in dieser Zeit die Liebesbome ins Dorf brachte und damit allen den Kopf verdrehte.

Leseeindruck: Madame Nan erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, ist schlagfertig,witzig und ist man merkt schon wie wichtig die Famile in ihrem Leben war. Genau dieses Bodenständige und Leichte gefällt mir an der Geschichte.
Kurzweilige Unterhaltung muss nichts schlechtes sein und man darf nicht immer psychologischen Tiefgang erwarten. „Wie uns die Liebe fand“ ist aber leider an zu vielen Stellen einfach nur oberflächlich. Die Töchter werden gerade zu Beginn auf ihre äußerlichen Reize und sexuelle Anziehungskraft reduziert. Überhaupt philosophiert Madame sehr gern über die Bettgeschichten ihrer Töchter oder Dorfbewohner. Als sich dann die Liebesbomen noch als Vodookunst rausstellen, die ausnahmslos funktioniert und von keinem hinterfragt wird, war ich kurz davor abzubrechen. Ich habe wirklich nichts gegen seichte Unterhaltung, aber nachvollziehbar sollte es schon sein.
Zum Glück habe ich durchgehalten, denn das letzte Drittel der Geschichte stimmte mich wieder etwas positiver. Hier geht es in erster Linie um die wechselvolle deutsch-französische Geschichte des Elsass und die persönlichen Schicksale Madame Nans und ihres Nachbarn Monsieur Boberschram. Während die Geschichte zu Beginn lediglich von einer skurrilen Szene zur nächsten führt, kommt im letzten Drittel Spannung auf, denn es gilt einem alten Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Sowohl Madame Nan als auch Monsieur Boberschram machen endlich eine charakterliche Entwicklungen durch.
Mit dem unausgewogen Verhältnis zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit verspielt die Autorin das Potential der Geschichte.
Außerdem hätte man die elsässischen Rezepte am Ende des Buches gut und gerne als Kapitelbeginn oder ähnliches an die passende Stelle im Buch integrieren können. So gehen sie in meinen Augen unter.

Lieblingsnebencharakter: Dieses Buch strotzt nur so vor komischen, aber auch liebenswerten Charakteren. Alle haben irgendwie einen mehr oder weniger sympathischen Knall. Da möchte ich niemanden hervorheben. Ganz im Gegensatz zu den Figuren der 70er stehen die Charaktere der Vergangenheit, also der 1940er ganz nüchtern da. Ihnen fehlt das Verrückte und Bunte, da sie mit den Schicksalsschlägen ihrer Zeit zu kämpfen haben. Da mir die Rückblenden so gut gefallen haben, seien hier Nans Eltern erwähnt. Sie standen für ihre Prinzipien ein und das sollte gewürdigt werden.

Fazit: Alles dreht sich um die Liebe in diesem Buch. Manchmal emotional, leider viel zu oft überdreht und kurios, aber immer mit elsässer Charme. Trotzdem ist für kurzweilige Unterhaltung gesorgt, wenn man nicht nachdenken will und etwas zum schmunzeln braucht. Wenn man die Story nicht zu ernst nimmt, hat man auch seinen Spaß mit den verrückten Figuren.

Bewertung:
3 out of 5 stars

Bibliographisch Angaben:
Titel: Wie uns die Liebe fand
Autorin: Claire Stihlé
Verlag: Droemer
ISBN: 9783426307403
Ausgabe: Taschenbuch (14,99 Euro)

Vielen Dank an den Verlag und vorablesen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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