Archiv der Kategorie: 3 Sterne

Rezension: „Der Händler der Töne“ von Verena Petrasch

Cover „Der Händler der Töne“ (Bildrechte: Beltz)

„Er wollte einen Ort finden, an dem er sich wohlfühlte. So sehr der Händler Noé auch zu verstehen gab, dass er ihn nicht mochte, so dankbar war Noé ihm, dass er ihn aus seinem Heimatdorf herausgeholt hatte.“

(S.15)

Inhalt: In Noés Welt dreht sich alles um Töne. Es gibt Töne mit magischen Kräften, jeder Mensch hat einen Ton, man kann Töne filtern und mit Hilfe von Klängen navigieren. In seinem kleinen Heimatdorf fühlt sich Noe ohne Familie und Perspektive nicht mehr wohl. Daher beschließt er mit seiner Freundin Minu die Welt zu entdecken, da kommt beiden der Händler der Töne ganz recht, der auch im Dorf seine Dienste anbietet. Dabei ahnen die beiden noch nicht wie groß das Abenteuer ist, in das sie sich stürzen.

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Rezension: „Mit dir für alle Zeit“ von Lisa Grunwald

Cover „Mit dir für alle Zeit“ (Bildrechte: Harper Collins)

„Durch einen außergewöhnlichen Zusammenfluss von Ereignissen war ihr mehr Leben geschenkt worden. Jetzt musste sie nur noch dessen Grenzen verstehen, und je eher dies geschah, umso früher konnte sie seine Freuden auskosten.

(S.243)

Inhalt: Joe und Nora begegnen sich 1937 in der Halle der Grand Central Station in New York. Er ist ein einfacher Stellwerker, sie eine junge Frau mit einer ganz besonderen Ausstrahlung, die nicht aus dieser Zeit zu stammen scheint. Gerade als die beiden sich kennenlernen, verschwindet Nora auf seltsame Weise. Doch wie kann das überhaupt alles passiert sein, wenn Nora doch vor 13 Jahren ums Leben gekommen ist? Joe geht den Fragen von Raum und Zeit auf den Grund, um Nora wiederzusehen zu können. Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art beginnt.

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Rezension: „Cloris“ von Rye Curtis

Cover „Cloris“ (Bildrechte: C.H. Beck)

„Und nichts im Leben bedeutet am Ende genau das, was Sie erwartet haben, und es ist auch nichts simpel oder einfach, vor allem, wenn Sie so alt sind wie ich.“

(S.351)

Inhalt: Mit Anfang 70 ist Cloris die einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzed. Die kleine Maschine wird zunächst von niemandem vermisst, daher ist Cloris in den Wäldern der amerikanischen Wildnis zunächst ganz auf sich allein gestellt. Wie überlebt man allein und was macht es mit einem Menschen, wenn die Einsamkeit zum Alltag wird. All diese Fragen umtreiben die resolute Cloris. Parallel begleitet man die Ranger bei ihrer Suche nach der Vermissten, wobei nur Rangerin Lewis so recht dran glauben will, dass es da draußen noch jemanden zum Retten gibt.

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Rezension: „Wie uns die Liebe fand“ von Claire Stihlé

Cover „Wie uns die Liebe fand“ (Bildrechte: Droemer)

„Da zerplatzt einem das Glück im Hirn, wenn man die nimmt. […] Dabei wiederholte sie die Worte, von Gast zu Gast besser werdend, bis sie bei Madame Rohrbach, der letzten in der Runde, verstummte und die Liebesbomben in ihrer Faust einschloss. Ihre Augen funkelten, als träten Blitze aus. Es war um sie alle geschehen.

(S.164)

Inhalt: Madame Nan hat vier Töchter und ist mittlerweile 92 Jahre alt. Sie blickt zurück auf ihr Leben in einem beschaulichen Dorf im Elsass. Im Zentrum stehen die 70er Jahre, da die älteste Tochter Marie in dieser Zeit die Liebesbome ins Dorf brachte und damit allen den Kopf verdrehte.

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Rezension „American Dirt“ von Jeanine Cummins

Cover „American Dirt“ (Bildrechte: Rowohlt)

Lydia denkt daran, wie flexibel Migranten sein müssen. Sie müssen ihre Pläne täglich, stündlich ändern. Sie müssen nur in einer Sache hartnäckig bleiben: beim Überleben.

(S.511)

Inhalt: Lydia verliert bei einem Kartellangriff auf ihre Familie fast alle wichtigen Menschen in ihrem Leben. Einzig ihr Sohn Luca bleibt unverletzt. Jetzt müssen beide ihr gewohntes Leben hinter sich lassen und die Reise aus Mexiko gen Norden antreten, um in den USA Sicherheit zu finden. Dafür müssen sie eine gefährliche Reise voller Gefahren und Entbehrungen auf sich nehmen.

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Rezension: „Smoke“ von Dan Vyleta

„Smoke“ von Dan Vyleta (Bildquelle: carl’s books)

„Rauch ist, in jedem Fall, sehr leicht zu lesen. Er ist die lebendige Manifestation des Verfalls. Der Sünde.“ (S. 40)

Inhalt: Rauch beherrscht das Leben im England des 19. Jahrhunderts. Es ist ein ganz besonderer Rauch, einer der jede Bosheit und Verfehlung sichtbar macht. Rauch ist schlecht und soll unter allen Umständen vermieden werden. Am besten natürlich durch tugendhaftes Verhalten.
Die jungen Schüler Charlie und Thomas gehen auf ein Eliteinternat und beginnen die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Wo kommt er her und was macht er mit den Menschen? Dabei stoßen sie auf eine Menge Geheimnisse innerhalb der Gesellschaft, die sie in Gefahr bringen.

Leseeindruck: Die Ausgangssituation hat mir sehr gut gefallen. Rauch, der Verfehlungen anzeigt und somit auch die Innenwelt der Menschen äußerlich sichtbar macht. In dieser Welt kann kaum eine Figur ihre Gedanken für sich behalten.
Schnell wird klar, dass es rund um den Rauch Geheimnisse gibt, die nur eine kleine elitäre Gruppe kennt. Leider liegt für mich genau hier das größte Manko der Geschichte. Mir war nicht immer klar, wer welche Ziele verfolgt, oder was genau die einzelnen Charaktere über den Rauch wissen oder auch, was sie bewirken wollen.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte zu sehr verstrickt, wenn nicht sogar verworren. Es gibt einfach zu viele Charaktere, die unterschiedliche Dinge wollen, ohne dass mir die Motive immer ganz klar waren. Daher bin ich leider auch mit keinem der Charaktere so richtig warm geworden. Gerade von Thomas hätte ich mir mehr erwartet. Er hat durch seine familiäre Vorgeschichte mehr zu bieten, als die Geschichte zeigt.

All die kleinen Defizite haben leider dazu geführt, dass ich sehr lange für den Roman gebraucht habe. Immer wieder habe ich Lesepausen eingelegt, da die Handlung nicht recht in Fahrt gekommen ist. Natürlich fällt es dadurch auch wieder schwer, den Überblick über die Figuren zu behalten. Ein wahrer Teufelskreis.

Ich will aber auch nicht den Eindruck erwecken, als würde die Story überhaupt keinen Spaß machen. Das Milieu, rund um die adeligen Kinder, die sich nun auch mit dem einfachen Volk auseinandersetzen müssen, bietet eine Menge Konfliktpotential. Auch die Dreiecksbeziehung zwischen Thomas, Charlie und Livia sorgt genauso für Spannung wie die zahlreichen Verschwörungen und Intrigen.
Die Erzählstruktur hat auch einen Pluspunkt verdient. Die Mehrzahl der Kapitel ist zwar ganz klassisch in der 3. Person verfasst, es gibt aber auch eine Menge Kapitel, die in der 1. Person verfasst sind. Dabei lernt der Leser eine ganze Reihe verschiedenster Nebencharaktere kennen, deren Perspektive hier eingenommen wird.

Lieblingsnebencharakter: Wirklich beeindruckt hat mich die kleine Eleanor.  Sie musste so viel Leid ertragen, dass es kaum auszuhalten war. Die Szenen mit ihr gehören für mich eindeutig zu den emotionalsten der ganzen Geschichte.

Fazit: Eine phantastische Geschichte, die mit unserer Vorstellung von Moral spielt. Der Leser begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins England des 19. Jahrhunderts.
Leider ist die Story an der einen oder anderen Stelle etwas überladen, womit die Gefahr besteht, den Überblick über die Figuren und deren Absichten zu verlieren.
Wer an der Story dran bleibt und seine Sympathien an einen der Charaktere vergeben kann, wird sicher seinen Spaß haben.

Bewertung
3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta (Übersetzung Katrin Segerer)
Verlag: carl’s books
ISBN: 9784570585689
Ausgabe: Paperback (16,99 EUR)

Vielen Dank an das bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Rezension: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

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„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante (Bildquelle: Suhrkamp)

„Ich befürchtete, dass sie etwas Schönes oder Schlimmes erlebte ohne dass ich dabei war. Es war eine alte Angst, eine Angst die mich nie verlassen hatte, die Angst, mein Leben könnte an Intensität und Gewicht verlieren, wenn ich Teile ihres Lebens verpasste.“ (S. 265)

Inhalt: „Meine geniale Freundin“ erzählt die Geschichte der Freundinnen Elena und Lila. Dabei ist Elena die Erzählerin. Die Mädchen wachsen im Arbeiterviertel Rione Neapels auf. Ein Milieu, in dem es sehr rauh zugeht, bestimmt den Alltag der Mädchen, deren Freundschaft alles andere als gewöhnlich ist.
Im ersten Band der neapolitanischen Reihe erfährt man wie die Freundschaft entstanden ist und welche Ereignisse Elena und Lila in ihrer Kindheit und Jugend geprägt haben.

Leseeindruck: Ich gebe zu, mich hat der Hype ums Buch sehr fasziniert. Keiner wusste wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steckte. Überall ist man über das Buch gestolpert und die Leute redeten darüber. Ich wollte also auch wissen was an diesem Buch so besonders ist. Meine Erwartung an die Story und deren Faszination war also recht hoch.
Weder das Personenregister noch der rauhe Stil konnten mich also abhalten. Ich habe das Buch komplett gelesen. Allerdings habe ich recht lange dafür gebraucht, da ich es immer wieder zur Seite gelegt habe beziehungsweise legen musste.
Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Es mag ja sein, dass es im Neapel der 1950/60er so derb zugegangen ist. Mir war das jedoch eine Spur zu heftig. Flüche und Gewalt sind an der Tagesordnung egal ob bei jung oder alt. Ich konnte mein Herz einfach für keinen der Charaktere erwärmen. Genauso ging es mir mit der Freundschaft der beiden Mädchen. Sie ist geprägt von Neid, Mißgunst und dem ständigen Wettbewerb der beiden untereinander. Sei es in schulischen, sozialen oder körperlichen Belangen. Dieses Verhalten hat mich sehr irritiert, denn das macht für mich keine Freundschaft aus.
Elena beschreibt die Ereignisse ihrer gemeinsamen Kindheit rückblickend als erwachsene Frau, vielleicht kommt daher auch der abgeklärte Tonfall. Zwischenzeitlich hatte ich tatsächlich vergessen, dass die beiden noch Kinder sind. So viel Rivalität und Abgeklärtheit erwarte ich nicht bei Kindern.

Als Milieustudie Neapels taugt die Geschichte weit besser. Der Leser verfolgt die Entwicklung zahlreicher Charaktere über mehrere Jahre hinweg. Freundschaften und Rivalitäten entstehen und vergehen wieder. Jeder steht zu jedem in irgendeiner Beziehung, deshalb wirken sich Entscheidungen eines Einzelnen auch immer gleich auf mehrere andere aus. Diese Dynamik hat mir schon gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich Elenas Entwicklung dabei deutlich interessanter fand als Lilas.

Die Faszination, die von Lila ausgeht ist bei mir nicht angekommen, vielmehr mochte ich sie mit jeder Seite weniger, was es natürlich schwer gemacht hat, überhaupt mit der Story warm zu werden.

Lieblingsnebencharakter: Ich habe tatsächlich keinen. Gerade in diesem Buch gibt es eine Unmenge an Charakteren und doch ist mir keiner dauerhaft in Erinnerung geblieben. Nicht die einzelnen Charaktere sind haften geblieben, sondern ein Gesamtbild des Rione in Neapel. Nicht der Einzelne zählt, sondern alle gemeinsam stellen die Gesellschaft dar.

Fazit: Eher eine Milieustudie Neapels als die Geschichte einer Freundschaft. Betrachte ich nur diesen ersten Band ist mir bis jetzt nicht klar, weshalb Lilas und Elenas Freundschaft so besonders ist. Wer irgendwann mal alle Bände gelesen hat, der wird vielleicht auch erkennen welche Auswirkungen der Beginn der Freundschaft auf das weitere Leben der Mädchen  haben wird.
Ich habe leider bis zum Schluss keinen richtigen Zugang zu den Figuren und deren Geschichte gefunden. Schade, denn ich war bereit mich auf die Story einzulassen. Aber vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch. Das Ende deutet immerhin auf einen konfliktreichen Fortgang der Geschichte hin. 3 Sterne vergebe ich für ein Buch, das nicht meinen Nerv getroffen hat, mir aber trotzdem noch im Kopf rumgeistert, weil es so anders ist und damit für eine Menge Gesprächsstoff sorgt.

Bewertung:

3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Autorin: Elena Ferrante (Übersetzung: Karin Krieger)
Titel: „Meine geniale Freundin“ (Neapolitanische Saga, Bd. 1)
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518425534
Ausgabe: Hardcover (22,- EUR)

Rezension: „Schwestern bleiben wir immer“ von Barbara Kunrath

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„Schwestern bleiben wir immer“ von Barabra Kunrath (Bildquelle: Ullstein Buchverlage)

“ ‚Es ist doch irgendwie so, als würden wir mit den alten Lasten unserer Eltern weiterleben. Als würden sie uns wie Schatten begleiten und sich bis heute auf unser Leben auswirken.‘ “ (S.187)

Inhalt: Alexa und Katja sind Schwestern mit schwieriger Vergangenheit. Vom Vater verlassen und von der Mutter vernachlässigt müssen sich die beiden um sich selbst kümmern. Jetzt als erwachsene Frauen könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Alexa lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern ein geordnetes Leben. Katja dagegen ist alleinerziehend und sprunghaft. Nach dem Tod ihrer Mutter entdecken die Schwestern einen Teil ihrer Familiengeschichte, der bis jetzt verborgen war. Sie müssen sich zusammenraufen, während sich um sie herum so ziemlich alles ändert.

Leseeindruck: Innerhalb des Romans wechselt immer wieder die Erzählperspektive zwischen der Ich-Perspektive Alexas und Katjas Erlebnissen in der dritten Person. Zwischendurch gibt es auch Passagen, die in die Kindheit der beiden zurückblenden und die Ereignisse von damals schildern.
Grundsätzlich ist die Erzählweise durch die verschiedenen Perspektiven abwechslungsreich und angenehm zu lesen. Allerdings fiel es mir so schwer einen Draht zu Katja zu bekommen, aber immerhin passt das ganz gut zu ihrem verschlossenen Charakter. Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit erklärt sich auch so manche Macke von Katja und Alexa.
Leider wiederholen sich viele der Vergangenheitsszenen. Für mich war das unnötig, denn ich habe das Buch recht zügig gelesen und so hatte ich die Zusammenhänge noch im Kopf.
Trotzdem ist die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit eine gute Wahl. Ich finde es schon erstaunlich welchen Einfluss noch so kleine Kindheitserinnerungen auf die erwachsenen Figuren haben. Der Roman thematisiert auf anschauliche Weise wie Tief Wunden der Kindheit mitunter sitzen und welche Auswirkungen sie auf das ganze weitere Leben haben können.

Lieblingsnebencharakter: Esther, die Freundin von Alexas und Katjas Mutter. Sie macht es erst möglich, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Nur dadurch können die Frauen auch ihr jetziges Leben in den Griff bekommen.
Esther ist die Einzige, die von der ganzen Wahrheit weiß, damit wird sie eine wichtige Stütze für die ganze Familie. Sie ist im Prinzip die Einzige, die mir durch und durch sympathisch ist.

Fazit: Eine Familiengeschichte voller Geheimnisse, Tragödien und Schuldzuweisungen. Die negative Grundstimmung kann auf Dauer aber auch anstrengend sein. Der Roman ist allemal lesenswert, auch wenn er recht kurzweilig ist. Die Geschichte hat mich gut unterhalten, trotzdem kann ich keine volle Punktzahl vergeben. Viele Kleinigkeiten, wie Wiederholungen oder der eine oder andere Konflikt zu viel, stehen dem im Weg, daher gibts gute 3/5 Sternen. Wer Familiengeheimnisse, schwierige Familienverhältnisse und psychologische Aspekte mag, der ist mit dem Roman gut beraten und findet vielleicht auch leichter Zugang zu den Figuren.

Bewertung:
3 out of 5 stars

Titel: Schwestern bleiben wir immer
Autorin: Barbara Kunrath
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548288420
Ausgabe: Taschenbuch (9,99 €)

Vielen Dank an vorablesen und die Ullstein Buchverlage für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

 

Rezension: „Mörder-Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ von Jonas Jonasson

Moerder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind von Jonas Jonasson

„Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ von Jonas Jonasson (Bildquelle: carl’s books)

„Man musste sich über die kleinen Dinge freuen. Zum Beispiel darüber, dass die Monate vergingen, ohne dass Mörder-Anders den Rezeptionisten oder sonst wen in unmittelbarer Nähe des Hotels ermordet hatte.“ (S. 18)

Inhalt: Was macht ein Mörder, der keiner mehr sein will? Er wird recht schaffen und ehrlich? Nicht, wenn er nach der Freilassung auf einen Rezeptionisten eines heruntergekommenen Hotels und eine Pfarrerin mit atheistischer Überzeugung trifft. Die drei ziehen gemeinsam ein Körperverletzungsgewerbe auf. Nur leider legen sie sich dabei mit einer Menge fragwürdiger Gestalten an. Ärger ist also vorprogrammiert.

Leseeindruck: Für mich war „Mörder-Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ mein erster Jonasson. So viele Leute sind von seinen Büchern begeistert, daher habe ich mir nun auch mal eines seiner Bücher vorgenommen.
Der Sprachwitz fällt sofort auf. Der lockere Stil macht den Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Der Erzähler selbst streut immer wieder einen komischen Kommentar ein. So zum Beispiel: „[…] nicht, dass es unmöglich wäre Per Persson zu heißen oder von mir aus Jonas Jonasson, aber es kann ein bisschen eintönig wirken.“ (S.11) Überhaupt lebt die Story von skurrilen Begebenheiten und komischen Elementen. Egal ob es nun die Charaktere oder der Handlungsverlauf selbst ist. Alles ist skurril und überzeichnet. Ein Roadtrip der wirklich alles bietet, was das Slapsick- und Comedyherz höher schlagen lässt.
Nur leider liegt auch genau hier die Schwäche der Geschichte. Nach etwa der Hälfte hatte ich genug davon. Der Humor schlägt immer wieder in die selbe Kerbe. Irgendwann fand ich das nicht mehr lustig, sondern unnötig albern. Einfältige Gangster und bekehrte Mörder verlieren halt doch irgendwann ihren Reiz.

Lieblingsnebencharakter: Gar nicht so einfach sich zwischen all den verrückten Gestalten zu entscheiden. Aber unter all den Figuren ist der Kirchendiener Björn besonders; besonders pflichtbewusst, besonders eigensinnig und besonders hartnäckig.

Fazit: Eine humorvolle Story, bei der wirklich jede Situation einzigartig ist. Eine komische Begebenheit folgt auf die nächste. Man muss diese Art Humor allerdings mögen, um der Geschichte etwas abzugewinnen. Nachdem man das Buch zuschlägt, verschwindet die Story auch schnell wieder aus den Gedanken. Für kurzweilige Unterhaltung sind Mörder-Anders und seine Freunde allemal gut.

Bewertung:
3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Mörder-Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind
Autor: Jonas Jonasson (Übersetzung: Wibke Kuhn)
Verlag: carl’s books
ISBN: 9783570585627
Ausgabe: Hardcover (Preis: 19,99€)

Rezension: „Sturmland – Die Reiter“ von Mats Wahl

Mats Wahls Reiterin Cover

„Sturmland – Die Reiter“ von Mats Wahl (Bildquelle: Hanser)

„Elin kehrt zurück in die Küche, auf der Bildwand läuft der Wetterbericht. Orkanstärke landabwärts. Kommunikationsausrüstung zerstört und Server zusammengebrochen. […] Es wird Blutregen erwartet.“ (S. 59)

Inhalt: Die Natur spielt verrückt. Es gibt Stürme, Unwetter und weite Teile des Landes sind radioaktiv verseucht. In dieser unwirklichen Welt lebt die 16jährige Elin mit ihrer Familie. Die Ressourcen sind knapp, daher muss mit allem rücksichtsvoll umgegangen werden. Als wären die Lebensumstände nicht schon schwierig genug, müssen die Menschen auch noch in einer Art Polizeistaat leben, in dem man nur sich selbst vertrauen kann. Was tun also, wenn jetzt auch noch der eigene Bruder entführt wird?

Leseeindruck: Die Ausgangssituation ist so ganz nach meinem Geschmack, ein wenig Abenteuer, eine Liebesgeschichte in einer dystopischen Welt. Noch dazu eine Reihe, die der Charakter- und Handlungsentwicklung Raum bieten. Leider hat mir die Umsetzung nicht gefallen. Ich hatte die ganze Story über Probleme mich in den Stil einzufinden. Dieser ist sehr emotionslos und nüchtern. Es reihen sich fast nur Hauptsätze aneinander. Der Erzähler nutzt nur selten die Namen der Figuren, sondern Bezeichnungen wie „die Mutter“ oder „die Tochter“. Auch  umschreibende Adjektive oder Adverbien muss man lange suchen. Für meinen Geschmack ist der Stil etwas zu nüchtern, passt aber sehr gut zur düsteren Stimmung, die im Land herrscht.
Grundsätzlich fehlte mir aber die Spannung, da ich mich nicht in die Figuren einfühlen konnte, fiel es mir auch zunehmend schwer ihren Beweggründen zu folgen. Alles blieb für mich unnahbar. Sehr schade, denn ich hätte mich gern auf die Story eingelassen. Gerade Elin und Harald hatten für mich viel Potential, was leider (noch) nicht genutzt wurde.
Allerdings sollte man diesen Band auch als Auftakt für die ganze Reihe sehen. Schließlich muss erstmal in eine neue Gesellschaftsordnung und Figurenkonstellation eingeführt werden. Dadurch ging mir leider der Überblick verloren. Wer will was und warum? Diese Fragen haben sich für mich bis zum Schluss nicht beantwortet.
Ich muss leider sagen, dass mich dieser Band nicht neugierig auf die gesamte Reihe gemacht hat. Zumindest Band 2 werde ich noch eine Chance geben, um vielleicht noch mehr über die Absichten der Regierung und der Opposition zu erfahren und auch wie Elin mit ihrem Schicksal umgehen wird.

Lieblingsnebencharakter: Ich mag Harald sehr. Er scheint das „schwarze Schaf“ innerhalb seiner Familie zu sein. Aber sobald er fair behandelt wird, ist er loyal und steht hinter seinen Freunden. Mir gefällt, dass er ein ehrlicher Typ ist. Von seiner Sorte sollte es mehr in der Gesellschaft geben.

Fazit: Mir fiel es schwer den Beweggründen der Figuren zu folgen, auch da der Stil so anstrengend ist. Eine interessante Ausgangssituation bietet die Geschichte in jedem Fall. Wer mehr Geduld hat als ich, der wird der Story vielleicht mehr abgewinnen können.

Bewertung:
3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Sturmland – Die Kämpferin
Autor: Mats Wahl (Übersetzung: Gesa Kunter)
Verlag: Hanser
ISBN: 9783446249363
Ausgabe: Hardcover (14,90 €)
empfohlenes Lesealter: ab 13

Reihe: Sturmland
Band 1: Die Reiter
Band 2: Die Kämpferin
Band 3: Die Gesetzgeber
Band 4: Die Lebendigen
Band 5: Die Liebenden

Hier gehts zur Homepage der Reihe Sturmland.

Vielen Dank an den Hanser Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.