Rezension: „Unsere glücklichen Tage

Cover „Unsere gluecklichen Tage “ (Bildrechte: Penguin)

„Und da waren wir nun. Wir waren vier Freundinnen. Die nichts trennen konnte und die sich doch verloren haben.“

(S.11)

Inhalt: Elsa, Marie, Fanny und Lenica verbringen in ihrer Jugend jeden Sommer gemeinsam unbeschwerte Tage an der französischen Atlantikküste. Bis zu jenem Sommer, der für die vier Freundinnen alles verändern sollte.
Heute, 30 Jahre später, versuchen die Freundinnen zu verstehen, was damals passiert ist. Nicht so einfach, wenn zwischenzeitlich alle ihr eigenes Leben geführt haben, die Gedanken aber in der Vergangenheit verharren.

Leseeindruck: Ich habe den Debütroman von Julia Holbe wirklich gern gelesen. Sommer, Sonne, Strand. All das ist in rauhen Mengen vorhanden, noch dazu gibts genügend fürs Herz. Ein toller leichter Sommerroman.
Die Handlung wechselt immer wieder zwischen den vergangenen Sommern und der Gegenwart. Zunächst weiß man nur, dass Lenica nicht mehr da ist. Dabei scheint sie für die verbliebenen Freundin eine sehr wichtige Person gewesen zu sein. Sie hat die Sommer förmlich überstrahlt mit ihrer Anwesenheit.Nach und nach erfährt man mehr über die Gründe des langen Schweigens zwischen den Frauen.
Dieses häppchenweise Dazulernen führt dazu, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen mag. Die Neugierde wächst und man will endlich erfahren, was es mit der Vergangenheit auf sich hat.
Mir persönlich haben die Szenen aus den vergangen Jahrzehten besser gefallen. Es liegt eine Leichtigkeit in der Luft und man nimmt den Mädels ab, dass sie nur im Hier und Jetzt leben. Keine alltäglichen Probleme belasten den Sommer. Wer wünscht sich nicht so eine Unbeschwertheit?
Die Gegenwart dagegen dient einzig und allein der Problembewältigung. Dabei hat es mich etwas gestört, dass die Figuren (besonders Elsa) keine Entwicklung durchgemacht haben bzw. man sie nicht erkennt, da sie in alte Verhaltensweisen aus Jugendtagen zurückfallen. Elsa schießt mit ihrer Dramatik den Vogel ab. (Hat eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht wirklich die Zeit sich über Wochen oder vielleicht sogar Monate nur um vergangene Herzensangelegenheit zu kümmern? Noch dazu mit dem Elan eines Teenagers?)
Trotz aller dramatischer Episoden fühlt man doch mit Elsa, da Sean und Lenica ihr in nichts nachstehen, was Dramatik angeht. Lenicas zweiter Vorname muss Dramaqueen sein. Gerade die drei lassen sich so sehr von Emotionen leiten, dass man ihnen am Liebsten eine Auszeit verpassen würde, in der sie mal ihren Verstand befragen. Man merkt allen drei an, wie verletzlich sie durch ihre Emotionalität sind. Obwohl mich gerade die drei so aufgewühlt haben, habe ich ihre Leben gern verfolgt. Eines kann ich aber schon mal verraten: Die Dramatik bleibt bis zur letzten Seite bestehen. Die eine oder andere Wendung konnte man erahnen, deren Aufdeckung war aber immer von einer Menge Emotionen begleitet.
Da Elsas Story so viel Dramatik für sich beansprucht, gehen Fanny und Elsa neben ihr fast unter. Sehr schade, da die beiden eine Menge Potential haben und neben ihren Emotionen, hin und wieder auch ihren Verstand nutzen.
Besonders Fanny habe ich ins Herz geschlossen (wen wunderts, sie führt schließlich eine Buchhandlung) Für mich gehört die Szene, in der sich Fanny für die Buchhandlung entscheidet zu einer der Besten. Danke Sean! (Lest einfach selbst)

Lieblingsnebencharakter: Neben den vier Freundinnen und Sean tauchen nicht sehr viele andere Charaktere auf. Maries Tochter Catherine ist mir aber im Gedächtnis geblieben. Eine selbstbewusste junge Frau, die die Freundinnen ihrer Mutter wie selbstverständlich ins Herz schließt. In meinen Augen hätte auch sie die Wahrheit verdient. (Zum Glück endet das Leben ja nicht mit der letzten Buchseite, also stelle ich mir einfach vor, wie Catherine noch zu ihrer Wahrheit kommt)

Fazit: Eine Geschichte voller Emotionen im französischen Sommer. Man ist mittendrin und fühlt sich förmlich, als läge man mit auf den rauhen Felsen am Atlantik. Die Geschichte berührt und wühlt auf, zeigt, dass Freundschaften tief in uns verwurzelt sind und damit Zeiten überdauern können. An der einen oder anderen Stelle etwas zu viel Dramatik, aber immernoch tolle Sommerunterhaltung. Für mich ein gelungenes Debüt.

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographisch Angaben:
Titel: Unsere glücklichen Tage
Autorin: Julia Holbe
Verlag: Penguin
ISBN: 9783328601104
Ausgabe: Hardcover (20 Euro)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.