Rezension: „Der Händler der Töne“ von Verena Petrasch

Cover „Der Händler der Töne“ (Bildrechte: Beltz)

„Er wollte einen Ort finden, an dem er sich wohlfühlte. So sehr der Händler Noé auch zu verstehen gab, dass er ihn nicht mochte, so dankbar war Noé ihm, dass er ihn aus seinem Heimatdorf herausgeholt hatte.“

(S.15)

Inhalt: In Noés Welt dreht sich alles um Töne. Es gibt Töne mit magischen Kräften, jeder Mensch hat einen Ton, man kann Töne filtern und mit Hilfe von Klängen navigieren. In seinem kleinen Heimatdorf fühlt sich Noe ohne Familie und Perspektive nicht mehr wohl. Daher beschließt er mit seiner Freundin Minu die Welt zu entdecken, da kommt beiden der Händler der Töne ganz recht, der auch im Dorf seine Dienste anbietet. Dabei ahnen die beiden noch nicht wie groß das Abenteuer ist, in das sie sich stürzen.

Leseeindruck: Die Welt der Töne ist so fantasievoll, dass es wirklich schwer fällt, dafür eine Beschreibung zu finden. Schon die Ortsnamen wie Elnurbajram, Namequedina oder Ongabuulu sind so wohlklingend, wie aus einer anderen Welt. Sofort beginnt im Kopf die Suche nach dem richtigen Bild. Dabei muss ich zugeben, dass mir das nicht immer leicht gefallen ist, weil es einfach zu viele Eindrücke sind, die auf den Leser einwirken. Da sind meine Gedanken nicht immer hinter her gekommen. Wirklich alles in dieser Welt zeichnet sich durch seinen Klang aus. Die Idee dahinter hat mir wirklich gut gefallen. Während des Lesens habe ich unweigerlich mehr auf die Klänge in meiner Umgebung gelauscht. Das sollte man viel öfter tun. Schon allein wegen dieser Erfahrung lohnt sich dieses Buch. Leider hatte ich mit der eigentlichen Story und den Charakteren so meine Schwierigkeiten. In meinen Augen passiert vieles einfach zu schnell. Noé reist mit dem Händler von Ort zu Ort, erlebt die unterschiedlichen Dinge und kaum hat man sich mit einer Szenerie vertraut gemacht, geht es auch so weiter. Man rast förmlich ohne Luft zu holen durch die Story. Ok, dadurch wird es auch nie langweilig, aber es bleibt auch keine Zeit Situationen oder Charaktere zu entwickeln und auch in der Tiefe kennenzulernen. Viele Probleme klären sich in meinen Augen auch einfach zu schnell. So zum Beispiel auch das Wiedersehen zwischen Noé und seiner Freundin Minu. Das finde ich sehr schade, schließlich ist die Welt der Töne so toll, da würde ich gern im wahrsten Sinne des Wortes noch mehr Zwischentöne kennenlernen. Ähnlich verhält es sich mit der Charakterentwicklung. Vieles passiert einfach zu abrupt, dass es mir schwer viel die Entwicklung nachzuvollziehen. Der Händler Per ist zu Beginn einfach nur ein abweisender Griesgram und tut dann plötzlich selbstlose Dinge. Das ist sehr löblich und sympathisch, allerdings ging mir das einfach zu schnell. Es passiert zu viel abseits der beschrieben Szenen. Ich gebe zu, das ich nur schwer einschätzen kann, inwieweit Kinder damit ein Problem haben. Für junge Leser ist dieser Stil wahrscheinlich nicht mal störend, weil so die abenteuerliche und abwechslungsreiche Handlung im Vordergrund steht und das Tempo der Erzählung hoch bleibt. Trotzdem sollte das Kind schon geübt im Lesen und/oder Zuhören von komplexen Geschichten sein, denn die Auflösung der Geschichte hat es in sich. Viele verschiedene Ereignisse der Vergangenheit laufen hier zusammen. Einen riesigen Pluspunkt gibt es für die Botschaft, dass Freundschaften und Familie einen über schwierige Zeiten tragen können und man nur miteinander schwierige Situationen meistern kann. 

Lieblingsnebencharakter: Eindeutig Farouk. Dieses Fabelwesen ist einfach besonders und das in mehrfacher Hinsicht. Er hat einen tollen Charakter und erkennt als einer der ersten Noés Wesen und Begabung. Mit seiner Erscheinung zwischen Flugsaurier, Löwe und eben Tönen regt er die Fantasie der LerserInnen sofort an. Ein herzensgutes Tier, das ich auch gern als Freund hätte. Schon allein, um mal ein echtes Perltonbläschen von ihm aufsteigen zu sehen. 

Fazit: Eine Geschichte voller Fantasie, Magie und Abenteuer. Die Bilder, die vor dem inneren Auge entstehen, kommen aus einer fabelhaften Welt, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Sehr zügig fliegt man durch die Handlung und lernt dabei eine Menge besonderer Dinge und Personen kennen. Alles und jeder hat irgendetwas mit Tönen zu tun. Eine tolle Idee, die aber auch eine Menge Aufmerksamkeit beim Lesen fordert. Hin und wieder ist die Story etwas sprunghaft und auch die Problemlösungen fallen von Zeit zu Zeit zu simpel aus, dafür ist die Botschaft um Freundschaft, Vertrauen und Familie umso wichtiger.  

Bewertung
3 out of 5 stars

Bibliographisch Angaben:
Titel: Der Händler der Töne
Autorin: Verena Petrasch
Verlag: Beltz
ISBN: 978-3-407-75825-5
Ausgabe: Hardcover (16,95 Euro) – ab 10 Jahre

Vielen Dank an lovelybooks und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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