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Rezension: „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner

„Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner (Bildquelle: Fischer Verlage)

„[…] Hauptsache, ich kann bei dir sein. Weil wir doch Schwestern sind […]. Nicht auf Schritt und Tritt und auch nicht in jedem Moment im Leben. Aber wenn es darauf ankommt. Und wenn es hügelig wird. Oder kalt und dunkel.“ (S.84/85)

Inhalt: Phoebe und April sind nicht nur Schwestern, sie sind fast schon beste Freundinnen oder Seelenverwandte. April ist krank, sie hat Magersucht. Ihre kleine Schwester Phoebe versteht die Welt nicht mehr und macht sich auf die Dinge so ihren eigenen Reim. Alles hält sie in Briefen an April fest, denn ihre besondere Sprache ist für sie der einzige Weg ihre Gefühle und Gedanken jemandem mitzuteilen. Phoebe ist eine kleine Kämpferin, die nicht nur ihre Schwester unglaublich vermisst, sondern auch noch alleine mit ihren Eltern klarkommen muss, die nichts mit ihren vielen Worten anfangen können.

Leseeindruck: Die Worte, die April und Phoebe füreinander finden sind schon besonders. Gerade die kleine Phoebe kann unheimlich gut mit Worten umgehen und lässt so ihre Eltern auch recht oft sprachlos zurück. Aber ich muss schon sagen, dass ich mich erst auf diesen Erzählstil einlassen musste. Die Briefe von April sind einseitig, da Phoebe (aus verschiedenen Gründen) nicht antworten kann. Wir erleben das Schicksal der großen Schwester also auf Phoebes Sicht. Das hat schon manchmal eigenwillige Züge, denn die kleine ist aufgeweckt und wahnsinnig clever für ihre 10 Jahre. Mir fiel es an der einen oder anderen Stelle selbst schwer zu glauben, dass so ein kleines Ding so vernünftige Schlussfolgerungen ziehen kann. Und trotzdem ist der Stil durchaus glaubwürdig, denn Phoebe sieht alles mit ihren ehrlichen Kinderaugen, hinterfragt alles und jeden und nimmt dabei jeden (besonders ihre Schwester) so wie er ist. Außerdem ist ihr Stil geprägt durch eine Menge einfacher Hauptsätze, die meist auch eher kurz sind. Und doch packt sie so viel Bedeutung in ihre Sätze. Wirklich toll. Sprachlich muss man vor der Autorin den Hut ziehen. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich die Geschichte lange Zeit habe ruhen lassen (so ca. nach 100 Seiten), da mir zu wenig passiert ist. Ich hatte mir wahrscheinlich etwas anderes vom Buch erwartet. Vielleicht eine vom Schicksal gebeutetelte Familie wie in „Beim Leben meiner Schwester“ oder so etwas. Diese Familie ist aber zumindest bis zu einem gewissen Punkt selbst für alles verantwortlich. Diese oft auch unschöne Wahrheit hatte mir wohl nicht gefallen, weshalb ich das Buch bei Seite gelegt habe. Der zweite Anlauf hat mich allerdings eines besseren belehrt: Die Geschichte macht wirklich Spaß, denn in Phoebes Briefen gibt es so viel zu entdecken: Wortneuschöpfungen wie zum Beispiel der „Wörterverrater“ (S. 175) – aber findet ruhig selbst heraus, was das ist – kluge Erklärungen und so viel Liebe für die Schwester. Das restliche Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen.  Gemeinsam mit April und Phoebe habe ich eine Menge Höhen und Tiefen erlebt, außerdem erfährt man nach und nach mehr über die gemeinsame Vergangenheit und das Familienleben. Ich muss schon sagen, da bleibt ein Kopfschütteln nicht aus, so hilflos (aber auch verständnislos) wie Aprils Eltern der Krankheit ihrer Tochter gegenüber stehen. Eines hat mich aber doch gestört, auch wenn es nur eine Kleinigkeit sein mag. Die Geschichte spielt in Berlin und es tauchen so viele englische Vornamen auf. Ok, April und Phoebe, diese Namen werden für mich ganz plausibel erklärt, aber dann gibt es noch Jerry, Devon, Hazel, Betsy, River. Ich weiß, so etwas ist künstlerische Freiheit
aber aus irgendeinem Grund habe ich mich wirklich daran gestört, weil es für mich nicht ins Gesamtbild passen wollte.

Lieblingsnebencharakter: Jerry, der Vater von Phoebes Freundin Hazel. Er kann mit der Wortgewalt der beiden Schwestern umgehen und versucht beide aufzufangen und ihnen das Schicksal erträglicher zu machen. Er hat etwas sehr wertvolles getan, ohne viel Worte darüber zu verlieren.

Fazit: Ein sehr berührender Briefroman. Es hat mich zwar zwei Anläufe gebraucht ihn zu lesen, aber ich bin ja so froh, dass ich ihn nochmal zur Hand genommen habe. Sonst wäre mir wirklich etwas entgangen. Ich habe nach einiger Zeit auch aufgehört mir schöne Textstellen zu markieren, denn man kann das Buch auf einer beliebigen Seite aufschlagen und wird ein wunderschönes Zitat finden. Dieses Buch sollte man nicht nur einmal lesen, denn darin kann man jedes Mal etwas lehrreiches entdecken. Für mich ist es kein klassisches Jugendbuch. Wer mit der Verwendung von Sprache etwas anfangen kann, der wird die Briefe mit viel Vergnügen lesen. Ich vergebe 4/5 Punkten, da sich mir das Buch erst beim zweiten Mal offenbart hat. Würde ich nur meinen zweiten Anlauf bewerten, würde ich ohne zu zögern die volle Punktzahl vergeben. Also lest selbst :-)

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben
Titel: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
Autorin: Lilly Lindner
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 9783733500931
Ausgabe: Taschenbuch (9,99 €)

Rezension: „WARP – Der Quantenzauberer“ von Eoin Colfer

WARP – Der Quantenzauberer von Eoin Colfer (Bildquelle: Loewe)

„An dem Abend hatte Garrick entdeckt, dass das Auslöschen eines Lebens ihm beinahe genauso viel Freude bereitete wie der begeisterte Applaus des Publikums, und so hatte der Zauberer umgesattelt und war zum Auftragsmörder geworden.“ (S. 10)

Inhalt: Das FBI hat herausgefunden, wie Zeitreisen funktionieren und WARP – Witness Anonymous Relocation Programme – geschaffen. Die junge FBI-Agentin Chevie Savano soll nun in London eine eigenartige Maschine bewachen, der langweiligste Job der Welt, denn nichts passiert. Bis eines Tages der gemeingefährliche Ganove Garrick aus dem viktorianischen London erscheint, mitsamt seines Schützlings Riley. Eine spannende Jagd durch Raum und Zeit beginnt, denn Garrick muss das Handwerk gelegt werden – egal in welcher Zeit

Leseeindruck: Ich liebe Zeitreisegeschichten, daher hatte ich viel Spaß beim Lesen. Die Story ist von Beginn an sehr temporeich. Ein aufregendes Ereignis reiht sich ans nächste. Genauso wie Chevie ist auch der Leser anfangs recht ahnungslos, denn die viele verschiedenen Handlungsstränge fügen sich erst nach und nach zu einem vollständigen Bild zusammen. Ich muss schon sagen, dass ich an einigen Stellen reichlich verwirrt war, denn die Motivation der vielen verschiedenen Charaktere ändert sich recht oft, daher muss man sich immer wieder neu sortieren, um herauszufinden wer nun zu den Guten oder Bösen gehört. Aber genau das macht die Geschichte so interessant. Nichts ist sicher in dieser Welt. Der Ort und auch die Zeit der Handlung wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart und dem London im Jahr 1898 und trotzdem geschehen die Dinge irgendwie parallel. Typisch Zeitreiselogik eben :-) Überhaupt wurden die beiden Zeitebenen und Orte toll miteinander verwoben.
Manchmal hat es mich doch verwundert, wie deutlich Gewaltszenen beschrieben wurden. (Das empfohlene Lesealter von 14 Jahren sollte daher wirklich eingehalten werden.) Die Grausamkeit Garricks kann man sehr deutlich nachempfinden, vor ihm würde ich auch fliehen. Es ist aber bei weitem kein düsterer Roman. Witz und Humor nehmen einen großen Stellenwert ein. Chevie hat bei mir mit ihrer großen Klappe gepunktet und der kleine Riley nimmt sein Zeitreiseabenteuer mit erstaunlicher Übersicht. Er ist clever und verliert nie das große Ganze aus den Augen. Seine kindliche Neugier auf die Welt fördert so manches Schmunzeln zu Tage. („Googeln? Das klingt nach einer ziemlich schmerzhaften Prozedur.“ S.339). Die Episode mit Tibor Charismo, dem Alleskönner aus dem viktorianischen London war wirklich einfallsreich. So viele amüsante Bezüge zu unserer Zeit, da hat das Lesen besonders viel Spaß gemacht. Es hat mir gefallen, dass nicht die Zeitreise selbst im Mittelpunkt steht, sondern sie nur den Rahmen für einen abenteuerlichen Fall liefert. Der Fokus liegt auf der komplexen Handlung und nicht auf den Eigenheiten die Zeitreisen so mitsichbringen. Das klassische Thema: „verändern wir die Zukunft, wenn wir die Vergangenheit ändern“ wird nicht weiter beleuchtet, aber es muss ja auch noch Stoff für den zweiten und dritten Teil übrig bleiben. In jedem Fall sind die Erklärungen zum Zeitreiseverfahren durch die Wurmlöcher für mich schlüssig gewesen, daher habe ich nichts zu meckern und konnte die Geschichte genießen.

Lieblingsnebencharakter: Felix Smart, Chevies Mentor, war mir gleich sympathisch, besonders als ich herausgefunden habe welche Verbindung er zu WARP hat. Ausserdem steckt viel Wärme in ihm. Es hat mich wirklich schockiert, was mit ihm passiert ist, daher bin ich froh, dass er auf eine ganz spezielle Weise mit den Figuren in Verbindung steht. (Puh, war das schwer auszudrücken, ohne zu spoilern :-) )

Fazit: Ein gelungener Fantasyroman für Jugendliche und alle anderen, die Zeitreisen und/oder Steampunk mögen. Die Geschichte ist spannend, temporeich und humorvoll. Der Band ist der Auftakt zu einer Reihe und trotzdem lässt er den Leser am Schluss nicht im Regen stehen. Man wird neugierig wie es mit den Figuren weitergeht, aber die Hauptfragen der Handlung werden geklärt. Ich vergebe 4 tolle Sterne für ein Buch, das mich super unterhalten hat, bei dem man aber immer wachsam sein muss, da so unheimlich viele Figuren mit unterschiedlichen Motiven auftauchen.

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: WARP – Der Quantenzauberer (Band 1 – WARP)
Autor: Eoin Colfer (Übersetzung: Claudia Feldmann)
Verlag: Loewe
ISBN: 9873785579091
Meine Ausgabe: Hardcover (16,95€)
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre

Ich bin übrigens auf das Buch aufmerksam geworden, da Eoin Colfer 2015 auf der Leipziger Buchmesse zu Gast war. Er war unter anderem Gast der Loewe-Thriller-Nacht. Wer wissen will, wie mir die Lesung gefallen hat, der schaut am besten den Blogbeitrag dazu an.

Rezension: „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga

„Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga (Bildquelle: Fischer Verlage)

„Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und sehe ihn an. Er lächelt mir vorsichtig zu, und in dem Moment bin ich mir ziemlich sicher, dass ich meinen Selbstmordpartner gefunden habe.“ (S. 72)

Inhalt: Aysel ist ein unglücklicher Teenager, der von Depressionen geplagt wird. Sie will nicht mehr leben und sucht im Internet nach einem Selbstmordpartner. In Roman wird sie fündig, denn auch er sieht nach einem tragischen Vorfall in seiner Familie keinen anderen Ausweg mehr. Also beginnt der Weg der beiden 26 Tage vor ihrem geplanten Ende. Wohin wird der Weg führen, in den Tod oder zurück ins Leben?

Leseeindruck: Die Geschichte wird aus Aysels Sicht erzählt. Schnell merkt man, dass sie eine gebrochene Seele hat. Nur das „Warum?“ bleibt lange unklar. Man kann nur erahnen, woher ihre Depressionen kommen. Allerdings bekommt man einen intensiven Einblick in ihre Gefühlswelt. Es hat mich zum Teil schon sehr stark mitgenommen, wie schlecht es Aysel geht. Sie ist ein so cleveres Mädel, die es verdient hat zu lachen und ihr Leben zu genießen. In Roman findet sie einen wahren Gefährten. Die Szenen in denen die beiden etwas gemeinsam unternehmen haben mir am besten gefallen, denn die Chemie stimmt einfach und das merkt man als Leser sofort.
Für die Sprache und den Erzählstil gibt es einen Pluspunkt von mir, denn es ist schon sehr besonders wie Aysel alles (ob Tod oder Liebe) mit physikalischen Vorgängen vergleicht. Ich selbst kann nicht so viel mit Physik anfangen, habe Aysels Ausführungen aber immer gern gelauscht und auf diese Weise sehr schnell einen Zugang zu Aysel gefunden.

Eine Sache gibt es aber doch, die mich etwas gestört hat beim Lesen: Die Gespräche zwischen Aysel und Roman sind zwar sehr intensiv und schön zu verfolgen, jedoch kamen bei mir immer wieder Zweifel, ob zwei Teenager wirklich solche Gespräche führen würden. Ich fühlte mich ein wenig an die Dialoge in Dawson’s Creek erinnert, die ich auch schon immer etwas befremdlich fand. Deshalb ein Punkt Abzug. Ich bin mir sicher die Story würde auch mit ein wenig älteren Charakteren funktionieren, zu denen die Gespräche dann besser passen würden.

Lieblingsnebencharakter: Romans Mutter hat mir gut gefallen. Sie versucht immer das Richtige zu tun, um Roman zu beschützen ohne ihn zu erdrücken. Sie wird einzig und allein von ihrer Liebe zu ihm getrieben.

Fazit: Eine tiefgründige Geschichte über den Sinn des Lebens, Schuld und Liebe. Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an und ist nicht nur mal für zwischendurch. Das Thema Depression wird in eine aufwühlende Story verpackt und wartet mit einem überraschenden Ende auf. Das gelungene Romandeüt bekommt von mir 4/5 Sterne.

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Mein Herz und andere schwarze Löcher“
Autorin: Jasmine Warga (Übersetzung: Adelheid Zöfel)
Verlag: Fischer Verlage (Sauerländer)
ISBN: 9783737351416
Ausgabe: Hardcover (16,99 €)

Rezension: „Die Tage in Paris“ von Jojo Moyes

„Die Tage in Paris“ von Jojo Moyes (Bildquelle: Rowohlt)

„Aber wenn ich die beiden anschaue, wenn ich das hier anschaue, Liv, dann sehe ich einfach ein Bild voller Liebe“ (S. 84)

Inhalt: Paris in den Jahren 1912 und 1998. Zwei verliebte Paare verbringen ihre Hochzeitsreise in der Stadt der Liebe. Nur leider verlaufen die Flitterwochen nicht so romantisch, wie es sich die Bräute wünschen. Die jungen Paare müssen um ihre Liebe kämpfen, damit ihre Ehe Bestand hat. Verknüpft werden beide Ebenen durch die Geschichte eines ganz besonderen Bildes.

Leseeindruck: Ich mag die Bücher von Jojo Moyes sehr gern, daher hat mir auch die Idee gefallen, dass es zu ihrem aktuellen Roman „Ein Bild von dir“ eine eigene Vorgeschichte gibt. Bisher kenne ich diese Vorgehensweise nur von eshorts.
Die Idee ist aber mit diesem kurzen Büchlein gut umgesetzt. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und macht durchaus Lust auf mehr. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man der Geschichte auch noch etwas neues abgewinnen kann, wenn man „Ein Bild von dir“ bereits kennt.
Die beiden Paare sich sehr verschieden und doch merkt man schnell, dass die etwas verbindet. Sophie und Édouard leben in der Künstlerszene von Paris im Jahr 1912, währen David 1998 eher zur Sorte Geschäftsmann gehört, aber er handelt mit Kunst.
Die beiden Liebesgeschichten haben mir gut gefallen, denn sie sind romantisch ohne übertrieben kitschig zu sein. So richtig was fürs Herz eben.
Auch die Ausstattung konnte bei mir punkten. Dieses kleine Hardcoverbüchlein ist farbenfroh illustriert, auch die Kapitelüberschriften sind in einem zarten lila gehalten. So ein Buch hält man gern in Händen, noch dazu sieht es im Bücherregal toll aus ;-)

Lieblingsnebencharakter: Die Auswahl in dieser Kategorie ist eher begrenzt, da neben den beiden Paaren nur sehr wenige weitere Figuren auftauchen. Letztendlich entscheide ich mich für Laure, eine Bekannte von Édouard, die Sophie mit ihrem ehrlichen Rat eine große Hilfe ist.

Fazit: Eine wunderschöne Geschichte in einem hübschen Gewand. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die romantische Geschichten mögen und auch Parisfans kommen auf ihre Kosten, da das besondere Flair der Stadt spürbar ist.

Bewertung:
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Die Tage in Paris
Autorin: Jojo Moyes (Übersetzung: Karolina Fell)
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499267901
Ausgabe: Hardcover (8,00 €), 108 Seiten

Rezension: „Die große weite Welt der Mimi Balu“ von Kati Naumann

„Die große weite Welt der Mimi Balu“ von Kati Naumann (Bildquelle: Knaur)

„Im Leben eines jeden Menschen gibt es einen unwiderbringlichen Moment, in dem er seine Bedeutung ändern kann, wenn er nur das Richtige tut.“ (S. 19)

Inhalt: Mimi Balu, Ende 30 liebt ihr Londoner Künstlerleben. Alles könnte wunderbar sein, wenn sie nur endlich den Durchbruch schaffen würde und damit ihrer wahren Berufung nachgehen könnte. Nichts wünscht sie sich mehr, daher ordnet sie diesem Traum alles unter. Sie blickt unerschütterlich nach vorn und nur selten zurück, auf ihre Vergangenheit in der sächsischen Kleinstadt Limbach-Oberfrohna. Ein familiärer Notfall bringt Mimi dazu, wieder mehr Zeit in ihrer Heimatstadt zu verbringen. Aber was wird dann aus ihrem Traum?

Leseeindruck: Ein Roman, der in London und der sächsischen Provinz spielt. Wann bekommt man das schon mal geboten? Der Kontrast zwischen der Weltstadt London und der Kleinstadt bietet eine tolle Kulisse für die Handlung. Ich hatte unheimlich viel Spaß Mimis Londoner Leben mitzuverfolgen. Sie streift viel durch die Stadt, so hat man fast den Eindruck, man mache gerade selbst einen Stadtrundgang :-) Mimi blüht förmlich auf in der großen weiten Welt. Sie ist ein liebenswert chaotischer Mensch, der auf sein Herz hört. Sie ist ein Freigeist, der wunderbar nach London passt, aber nicht nach Limbach-Oberfrohna. Dort fühlt sie sich nicht mehr zu Hause und auch ihre Familie kann nur wenig mit ihrem künstlerischen Talent anfangen. In vielen Fällen hätte ich gern den Vermittler zwischen Mimi und ihrer Familie gespielt, denn ihnen fehlte so oft das Verständnis füreinander. Aber genau von diesen Gegensätzen lebt der Roman. Dabei wird die Welt nicht immer nur schwarz/weiß betrachtet. Auch London hat seine Schattenseiten und in der Kleinstadt ist nicht alles schlecht. Mir hat diese differenzierte Sicht auf die Dinge sehr gut gefallen. Allerdings ziehe ich an dieser Stelle auch einen klitzekleinen Punkt ab, denn für mich war zu schnell klar, in welche Richtung sich Mimis Leben wenden wird.

Ein stilistisches Mittel ist bei mir sehr gut angekommen: Vor jedem Kapitel steht ein kurzer Vergleich beider Städte und ihrer Einwohner. An dieser Stelle habe ich mich immer auf einen amüsanten Moment gefreut. Überhaupt ist das Buch an vielen Stellen mit einem Augenzwinkern geschrieben. Es ist lustig, aber niemals albern. Es wird auch niemand lächerlich gemacht. Egal, ob man nun die Großstadt oder die Provinz lieber mag, niemand sollte sich auf den Schlips getreten fühlen.

Lieblingsnebencharakter: Vom ersten Moment an mochte ich Oma Trude. Sie steht bedingungslos hinter ihrer Enkelin, auch wenn sie nicht immer versteht, was die eigentlich genau macht. Die Szenen mit ihr, egal ob in London oder in Limbach-Oberfrohna waren immer ein Highlight. Sie ist eine kauzige alte Dame, die genau weiß, was sie will. Und außerdem schlummert in ihr auch eine Künstlerseele :-)

Fazit: Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich mag London sehr gern, und komme selbst aus der sächsischen Provinz. Die Mischung war also genau meins. Man merkt, dass die Autorin gut recherchiert hat. (Oder eben eine gute Beobachtungsgabe hat, denn sie hat ja lange selbst in London gelebt). Die einzelnen Orte sind detailiert beschrieben und man kann sich gut vorstellen, was Mimi gerade selbst erlebt oder sieht. (In der Szene am Altenburger Flughafen hatte ich förmlich das Gefühl, ich befinde mich selbst wieder am Check-In :-) )
Eine Geschichte mit liebenswerten Charakteren und einer tollen Botschaft: Bleibe dir treu, denn nichts was du einmal gemacht hast, wird umsonst sein. Ein Buch für jeden Londonfan oder solche, die es noch werden wollen :-) Ich vergebe tolle 4 Punktzahl, da ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe und großartig unterhalten wurde.

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Die große weite Welt der Mimi Balu
Autorin: Kati Naumann
Verlag: Knaur
ISBN: 9783426516812
Ausgabe: Taschenbuch (8,99€)

Rezension: „Abgründig“ von Arno Strobel

„Abgründig“ von Arno Strobel (Bildquelle: Loewe)

„Sollte der sich doch auf ihn stürzen oder ihn schlagen. Es war Tim egal, er hatte keine Angst. Da war nur diese riesige Wut.“ (S.209)

Inhalt: Es sollte doch nur eine harmlose Bergtour werden für die Jugendlichen des Bergcamps. Doch nicht nur ein aufziehendes Unwetter bedeutet nichts Gutes, auch Konflikte untereinander und mysteriöse Blutflecken vor dem Nachtlager sorgen für eine Menge Spannung.

Leseeindruck: „Abgründig“ ist das erste Jugendbuch von Arno Strobel und auch überhaupt mein erstes Buch des Autors. Besonders durch den spannenden Prolog kommt man sofort in die Geschichte rein. Die Gruppe um Tim, Sebastian, Ralf und die Mädels bietet in ihrer Konstellation sehr viel Abwechslung. Alle Kids sind sehr unterschiedlich und gehen auch mit der Situation im Camp und am Berg anders um. Allerdings bleiben sie auch recht stereotyp. Schnell erkennt man, wer der Nette, der Clevere, die Tussi oder Angeber ist. Die Art die Charaktere zu zeichnen ist sicher auch dem Alter der Leser geschultet, schließlich ist „Abgründig“ ein Jugendbuch für Leser ab 14 Jahren. Daher finde ich es auch in Ordnung, denn so findet man sich als Leser schnell in der Gruppe zurecht und kann seinen persönlichen Liebling aussuchen.

Die Story an sich ist auch recht spannend, ich hatte lange keine richtige Ahnung in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird und was wirklich passiert ist. Trotzdem ging mir die Handlung an einigen Stellen zu schleppend voran. Eine Disskussion hier, eine Versöhnung dort und doch wurde weiter debattiert. Da hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht. Besonders da die Auflösung dann sehr schnell ging. Für meine Begriffe hätte ich mir auch ein andere Erklärung für die Blutflecken gewünscht. Aber immerhin war die Auflösung überraschend für mich und das ist ja die Hauptsache :-)

Lieblingsnebencharakter: Es ist nicht so leicht zu beantworten, wer mein Liebling war. Nach reiflicher Überlegung würde ich mich für Denis. Er bringt immer wieder frischen Wind in die Runde mit seinen Kommentaren. Außerdem gefällt mir, dass man erst nach einer ganzen Zeit, den wahren Charakter erkennt. Auch ich habe mich zu Beginn sehr getäuscht, denn Denis legt eine beachtliche Entwicklung hin.

Fazit: Das Jugenbuchdebüt von Arno Strobel hat mir insgesamt gut gefallen. Da es ein Jungendbuch ist, finde ich es gut, dass es keine Gewaltszenen gibt und doch ist es eine spannende Geschichte. Ich kann das Buch jedem (Jugendlichen) empfehlen, der eine Abenteuergeschichte lesen will, bei der die Charaktere mit ihren Problemen im Mittelpunkt stehen und keine Gewalttat. Ich hätte mir aber doch an der einen oder anderen Stelle mehr Tempo gewünscht, da die Story im Mittelteil ein wenig zu sehr vor sich hin plätschert. Dafür ziehe ich einen Stern ab. Insgesamt gibt es gute 4 Sterne!

Bewertung:
4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Abgründig“
Autor: Arno Strobel
Verlag: Loewe
ISBN: 9783785578643
Ausgabe: Paperback (9,95€)
Lesealter: 14 Jahre

Rezension: „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ von Anna McPartlin

„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ von Anna McPartlin (Bildquelle: Rowohlt)

„Die Zeiten für Hoffnung, Kampf und Heuchelei waren vorbei. Sie waren gegen die Wand geknallt. Und jetzt? Das ergab alles keinen Sinn.“ (S. 226)

Inhalt: Rabbit Hayes wird ihre letzten Tage im Hospiz verbringen. Dabei steht ihr ihre gesamte Familie zur Seite. Es heißt dem Schicksal ins Auge zu blicken und dabei den Lebensmut trotz aller Hoffnungslosigkeit nicht zu verlieren.

Leseeindruck: Ich weiß gar nicht so recht wo ich beginnen soll. Die Geschichte hat mich in vielerlei Hinsicht sehr beeindruckt und bewegt. Ich bin froh, Rabbit auf ihrem Weg ein Stück begleitet zu haben. Die eigenen Probleme kommen einem da gleich viel kleiner und lösbarer vor, wenn man sieht wie Rabbit mit ihren umgeht. Ihre Art ist einmalig, ehrlich und entwaffnend, genauso die ihrer Mutter. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, trotz der hoffnungslosen Situation. Überhaupt ist die ganze Familie Hayes einfach liebenswert. Alle stehen füreinander ein, ohne dem anderen nach dem Mund zu reden. Konflikte gibt es, wie in jeder anderen Familie, zu Hauf und trotzdem merkt man schnell, dass der Respekt und die Liebe zueinander im Vordergrund stehen.

Der Erzählstil hat mir sehr gefallen und erinnert mich ein wenig an den von Jodi Picoult. Jedes Kapitel rückt einen anderen Charakter in den Mittelpunkt. So ergibt sich für den Leser nach und nach ein vollständiges Bild der Familie Hayes und deren Umfeld. Rabbit, ihre Eltern und Geschwister, ihre Neffen, ihre beste Freundin und natürlich ihre Tochter Juliet bekommen im Roman Raum für ihre Erlebnisse. Auch in die Vergangenheit darf der Leser blicken. Denn auch Johnny, Rabbits Schwarm aus Jugendtagen nimmt einen wichtigen Platz in der Geschichte ein. Diese Rückblenden machen deutlich, wie die Familie zu dem geworden ist, was sie heute ist. Rabbits Blick zurück zu ihrer ersten Liebe macht diesen Teil der Geschichte auch zu einem wunderschön romantischen Liebesroman.

Die Autorin schlägt immer wieder einen direkten Ton an, mit dem sie den Figuren Leben einhaucht. Anna McPartlin hat selbst in jungen Jahren ihre Mutter durch eine schwere Krankheit verloren, vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb die Geschichte so authentisch rüber kommt. Noch dazu steckt unheimlich viel Humor in der Geschichte, obwohl Rabbits Schicksal so traurig ist. Rabbit will sich einfach nicht unterkriegen lassen und ihre letzten Tage in betrübter Stimmung verbringen. Meine Lieblingsszenen in diesem Zusammenhang sind die mit dem Gemeindepriester, einfach herrlich. Der Wechsel von humorvollen und traurigen Szenen sorgt zwar dafür, dass die Geschichte nicht zu schwermütig wird, hat es mir aber nicht leichter gemacht mit Rabbits Schicksal besser klarzukommen. Ich habe Rabbit, Davey, Grace, Juliet, Jack, Molly und wie sie alle heißen doch so in mein Herz geschlossen, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes mit der ganzen Familie gelitten habe.

Lieblingsnebencharakter: In diesem Buch habe ich alle unheimlich schnell in mein Herz geschlossen. Daher fällt es mir schwer hier eine Entscheidung zu treffen, denn irgendwie ist jeder auf seine Art wichtig für die Geschichte. Vielleicht begrenze ich es daher nicht auf eine Person, sondern eine Gruppe: Rabbits Neffen, die vier Söhne ihrer Schwester Grace, sind alle toll. Das Schicksal ihrer Tante beeinflusst auch das Leben ihrer eigen Familie sehr stark und trotzdem meistern sie es gemeinsam. Alle vier sind sehr verschieden und gehen daher auch ganz anders mit der Situation um. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie rücken enger zusammen, um ihrer Cousine Juliet Halt zu geben.

Fazit: Ein unheimlich emotionaler Roman, bei dem ich mehr als einmal einen Klos im Hals hatte und auch ein paar Tränchen verdrückt habe. Trotzdem habe ich das Buch zufrieden zugeschlagen. Wer eine besondere Familie kennenlernen will oder Lust auf viel Gefühl hat  der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, daher vergebe ich 5 strahlende Sterne.

Bewertung:
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Die letzten Tage der Rabbit Hayes“
Autorin: Anna McPartlin (Übersetzung: Sabine Längsfeld)
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499269226
Ausgabe: Paperback (12,00 €)

Rezension: „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek (Bildquelle: Droemer)

„Manche mochten im Meer ein Symbol für die Ewigkeit und Kraft der Natur erkennen. Er sah in den Wellen nur ein feuchtes Grab.“ (S.177)

Inhalt: Seit sich Martins Frau auf einem Kreuzfahrtschiff das Leben genommen hat, ist für ihn nichts mehr wie zuvor. Noch dazu hat sie den Sohn Timmy mit sich genommen. 5 Jahre lang versucht Martin über das Geschehen hinweg zu kommen, doch als die kleine Anouk mit Timmys Teddy im Arm auf dem selben Kreuzfahrtschiff auftaucht, nachdem auch sie angeblich mit ihrer Mutter in den Selbstmord gesprungen ist, nimmt Martin die Ermittlung wieder auf.

Leseeindruck: „Passagier 23“ ist mein erstes Buch von Sebastian Fitzek. Durch Freunde und verschiedene Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse bin ich neugierig auf das Buch geworden. Es steht kein gruseliger Mord im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie ein verschwundener Passagier (ein sogenannter Passagier 23) einfach wieder auftauchen kann. Mir hat es gefallen, wie der Autor diesem Problem nachgeht. Zuerst muss man sich die Frage stellen, wo Anouk in der Zeit seit ihrem Verschwinden war. Das Setting auf einem Kreuzfahrtschiff war dabei gänzlich neu für mich. Ich hatte viel Spaß in den Bauch des Schiffs abzutauchen, denn mit der bunten Glitzerwelt, die man vom Traumschiff kennt, hat diese Story so überhaupt nichts zu tun. Eine Theorie nach der anderen habe ich mir zurechtgelegt und immer lag ich falsch ;-) Während des Lesens wurde ich wirklich oft auf die falsche Fährte gelockt, denn es passieren eine Menge Dinge, mit denen ich nun absolut nicht gerechnet habe. Genau dies macht die Spannung in der Geschichte aus.
Auf dem Kreuzfahrtschiff treffen die unterschiedlichsten Personen aufeinander. Von der Crew bis hin zu anderen Passagieren lernt der Leser die verschiedensten Typen kennen, von denen man nie weiß, was wirklich in ihnen vorgeht. Noch dazu kommen Martins, sagen wir, ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden. So reiht sich eine Überraschung an die nächste. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen, denn die einzelnen Kapitel enden nicht selten mit gemeinen Cliffhangern. Kein Wunder also, dass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt. Die Kapitel sind in der Hauptsache auch recht kurz, daher habe ich wirklich in jeder freien Minute gelesen, um dem Geheimnis, was Anouk und damit auch Timmy umgibt, auf die Schliche zu kommen.
Fast bin ich am Ende enttäuscht worden, da für mich noch einige Fragen offen geblieben sind. Aber nur fast :-) An dieser Stelle kann ich nur sagen, man muss das Buch bis zur letzten Seite lesen (und ich meine die wirklich letzte Seite), denn auch die letzte Szene bietet so einiges Unvorhergesehenes.

Lieblingsnebencharakter: Gerlinde Dobkowitz ist eine Miss Marpel der Kreuzfahrtwelt. Sie ist eine alte kauzige Dame, die ihren Lebensabend auf Kreuzfahrt verbringen will. Sie hat zu allem eine Meinung, schreckt vor nichts zurück und ist absolut ehrlich. Mit ihr kommt eine Portion Witz in diese doch ernste Geschichte.

Fazit: Ich bin rundum zufrieden. „Passagier 23“ hat alles zu bieten, was einen guten Thriller ausmacht. Bis zur letzten Seite bleibt die Spannung hoch. Die Auflösung der Story ist zwar komplex, aber schlüssig und völlig unerwartet. Dabei werden alle Handlungsstränge noch einmal zusammengeführt, ein echter Showdown also. Übrigens habe ich selten eine so unterhaltende und informative Danksagung gelesen. Von der ersten bis zu letzten Seite wirklich lesenswert. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung, daher 5 Sterne

Bewertung:
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Passagier 23“
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
ISBN: 9783426199190
Ausgabe: Hardcover (19,99€)

Rezension: „Blätterrauschen“ von Holly-Jane Rahlens

„Blätterrauschen“ von Holly-Jane Rahlens (Bildquelle: Rowohlt)

„‚Blätterrauschen‘ ist ein fesselnder Sci-Fi-Fantasy-Abenteuerroman für Jung und Alt. Er erzählt die spannende und anrührende Geschichte von drei einsamen Kindern die zusammen mit einem geheimnisvollen Jungen aus der Zukunft in eine gefährliche Zeitschleife geraten.“ (S.278)

Inhalt: Oliver, Rosa und Iris kennen sich aus dem Leseclub der Buchhandlung Blätterrauschen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und haben abseits des Leseclubs keine Gemeinsamkeiten. Als eines Tages ein fremder und recht eigenartiger Junge namens Colin im Buchladen auftaucht, beginnt für die Kinder das (Zeitreise-)Abenteuer ihres Lebens.

Leseeindruck: Schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte drin. Rosa, Iris und Oliver sind drei clevere Kids, die mir gleich sympathisch waren. Sie bilden eine Art Zweckgemeinschaft, denn richtige Freunde sind sie bisher nicht. Dazu sind sie viel zu verschieden, glauben sie. Oliver ist nicht ganz freiwillig im Leseclub, Iris ist ein kleines Genie in Naturwissenschaften und Rosa, so glaubt man, ist mit ihrer hochnäsigen Art ständig auf Streit aus. Mir gefällt besonders die Entwicklung, welche die Kinder durchmachen. Das gemeinsame Abenteuer zeigt den Kids, dass sie sich aufeinander verlassen müssen, denn sie haben keinen Schimmer, wem sie sonst trauen können. Die Werte der Freundschaft (Respekt, Ehrlichkeit und Vertrauen) haben einen großen Stellenwert in der Geschichte, diese Botschaft gefällt mir gut.
Insgesamt schreitet die Handlung sehr zügig voran, den Kids wie auch dem Leser bleibt nur wenig Zeit zum durchatmen. Die einzelnen Kapitel Enden mit einer schönen Regelmäßigkeit mit Cliffhangern, so dass man nicht aufhören will zu lesen. Immer noch ein Kapitel und dann noch eins :-)
„Blätterrauschen“ ist eines dieser Bücher, über das ich auch nach der letzten Seite noch eine Menge nachgedacht habe. Klar, bei Zeitreiseromanen denkt man ständig alle möglichen „Hätte-Wäre-Wenn-Varianten“ durch, auch bei diesem Buch war das so. Es werden einem im Buch auch eine Menge Erklärungen zu den Methoden der Zeitreise gegeben, die doch manchmal recht komplex waren, aber trotzdem altersgerecht. Schließlich ist „Blätterrauschen“ ja eigentlich ein Kinderbuch. Die Zukunft, mit der die Kinder konfrontiert werden, ist alles andere als nur positiv und trotzdem hat es eine Menge Spaß gemacht, die neue Welt mit den Kids zu erkunden. Mein absolutes Highlight aber ist der Schluss. Leider kann ich euch überhaupt nichts dazu sagen, ohne zu spoilern, nur soviel: Bis zum letzten Satz bleibt man gespannt, wie die Kinder ihr Abenteuer überstehen.

Lieblingsnebencharakter: Wie vielleicht bekannt ist, spielt „Blätterrauschen“ im selben Universum wie „Everlasting“. („Everlasting“ spielt im Jahr 2264, nachdem die Menschen die Katastrophe des „Dark Winter“ überstanden haben) Es ist aber keine Fortsetzung im klassischen Sinn. Allerdings tauchen in „Blätterrauschen“ einige Charaktere auf, die bereits aus „Everlasting“ bekannt sind. All diese bekannten Gesichter wähle ich zu meinen Lieblingsnebencharakteren. Ich möchte hier nicht genau sagen, wer es alles ist, das sollt ihr selbst herausfinden. Ich habe mich aber unheimlich über jedes Wiedersehen gefreut. Ich hoffe doch sehr, dass die Autorin genauso viel Spaß an dem Wiedersehen hatte und „Blätterrauschen“ nicht das letzte Buch aus dem „Everlasting-Universum“ sein wird.

Fazit: „Blätterrauschen“ ist eine rasante Geschichte, die den Leser zurück ins „Everlasting-Universum“ bringt. Auch Leser, die „Everlasting“ nicht kennen, werden Gefallen an der Geschichte finden, solange sie Zeitreisen und Abenteuergeschichten mögen. Es ist eine Geschichte für Jung und Alt, keineswegs eine klassische Kindergeschichte. Allerdings sollten Kinder, die die Geschichte allein lesen schon etwas geübter sein, da die Zeitreisetheorien doch manchmal recht komplex sind. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, da die Geschichte auch zum Nachdenken über die eigene Gegenwart anregt. Die volle Punktzahl vergebe ich gern.

Bewertung:
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Blätterrauschen“
Autorin: Holly-Jane Rahlens (Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499216862
Ausgabe: Hardcover (14,99 €)
Lesealter: ab 10 Jahre

Rezension: „…und eine Tasse Tee“ von Anna Marie Lievert

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„… und eine Tasse Tee“ von Anna Marie Lievert

„Aber […] ist das denn realistisch? Ist es in unserer heutigen Zeit überhaupt denkbar, sich vierzig Tage zurückzuziehen, die Stille zu suchen, nur um zu einem Entschluss zu kommen?“ (S. 132)

Inhalt: Anna hat alles, was man für ein erfülltes Leben braucht: Ihren gutaussehenden Freund Erik, ein schickes zu Hause und einen tollen und gut bezahlten Job. Doch ist das wirklich das Rezept, das man zum wahren Glück braucht? Annas Leben nimmt eine ganz andere Wendung, als ihre Lebensplanung nicht mehr mit Eriks übereinstimmt und auch im Job Veränderungen anstehen. Sonst so rational, trifft Anna einmal im Leben eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, die alles auf den Kopf stellt.

Leseeindruck: Ich muss zugeben, dass ich nur sehr schwer in die Story reingekommen bin, denn zunächst konnte ich mit Anna nicht viel anfangen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht sie im Mittelpunkt der Geschichte steht, sondern ihr Job (mitsamt seitenlangen Erklärungen zur Unternehmenshierachie). Auch der Schreibstil war nicht ganz einfach. An einigen Stellen noch etwas holprig, besonders da ständig mit Vor- und Nachnamen gearbeitet wurde. Auf Seite 97 taucht allein 5 mal der Name „Maren Wippert“ auf. Bei einem Debütroman muss man wohl das eine Manko hier und da hinnehmen.

Wer dem Buch aber eine Chance gibt, der wird nicht enttäuscht. Spätestens im zweiten Teil nimmt die Geschichte Fahrt auf. Anna versucht in Ostfriesland ihr Leben neu zu ordnen und endlich tauchen auch neue Charaktere auf, die der Geschichte neuen Charme verleihen. Die Figuren auf Jysum, der ostfriesischen Insel, sind alle viel weniger Stereotyp als zu Beginn. Auch Anna macht eine Entwicklung durch, die man gerne verfolgt. Das Lesen geht durch all diese Faktoren flüssiger und im Handumdrehen hat man das Buch durch und wurde gut unterhalten.
Leider fehlten mir die überraschenden Momente in der Geschichte, lediglich sie Story rund um Annas Mutter konnte etwas unerwartetes bieten.

Lieblingsnebencharakter: Eindeutig Grete, Annas Nachbarin auf Jysum. Sie strahlt viel Wärme aus und sorgt dafür, dass sich nicht nur Anna, sondern auch der Leser gleich gut aufgehoben fühlt auf der Insel. Sie ist so etwas wie die gute Seele im Buch und in Annas Leben.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen. Die Thematik rund um „Ist-Karriere-alles?“ wurde gut umgesetzt. Insgesamt vergebe ich gute drei Sterne. Zwei kleine Abzüge gibt es, da mir die Story an vielen Stellen zu vorhersehbar war und ich am Anfang so meine Probleme mit dem Schreibstil hatte. Alles in allem aber ein schöne Geschichte über das wirklich wichtige im Leben, unsere Mitmenschen. Auch jeder Ostfrieslandfan sollte das Buch lesen, denn man bekommt gleich Lust auf einen richtig guten Tee :-)

Bewertung:
3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „… und eine Tasse Tee“
Autorin: Anna Marie Lievert
ISBN: 9783000481499
Ausgabe: Paperback (12,90€)