Schlagwort-Archive: Unterhaltung

Rezension: „Fuchs 8“ von George Saunders

Cover „Fuchs 8“ (Bildrechte: Luchterhand)

„Das machte mir ein gutes Gefül, so als könnten Mänschen Libe fülen und zeigen. Mit anderen Worten, Hoffnung für di Zukunft von der gansen Erde!“

(Fuchs 8 über die Menschen)

Inhalt: Ein Fuchs schreibt den Menschen einen Brief  und erzählt darin seine Geschichte. Er fragt sich vorallem, weshalb die Menschen so sind wie sie sind. Weiterlesen

Rezension: „Hawaii“ von Cihan Acar

Cover „Hawaii“ von Cihan Acar ( Bildrechte: Hanser Literturverlage)

„Wieder ein Tag, an dem ich nichts gefunden hab. Ich schau nur nach hinten, nie nach vorne. Ich bin einundzwanzig und denke wie einer, der schon alles hinter sich hat. So was ist nicht gesund. Ich müsste gerade die beste Zeit meines Lebens haben.“

(Kemal, Seite 159)

Inhalt: Kemal war einmal Profifussballer in der türkischen Liga und lebt jetzt wieder in der alten Heimat Heilbronn – im Stadtteil Hawaii, wo er versucht wieder Anschluss und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Aber wer ist er überhaupt? Ein Fußballer, ein Türke, ein Arbeitsloser oder doch einfach nur Kemal, der glücklich sein will? Weiterlesen

Rezension: „Das Rätsel von Ainsley Castle“ von Holly-Jane Rahlens

„Das Rätsel von Ainsley Castle“ (Bildrechte: Rowohlt)

„Da. Das könnte eine Laterne sein. Oder eine Taschenlampe. Darf man sich dort oben im Turm denn aufhalten? Ich stelle das Fernglas scharf. Aber das Licht ist verschwunden.“

(Seite 86)

Inhalt: Lizzy muss mit ihrem Vater an die Küste in das Hotel Ainsley Castle ziehen. Dort wartet dann nicht nur die verhasste Stiefmutter auf sie, sondern auch unheimliche E-mails, in denen mehr über Lizzys Leben steht, als ihr lieb ist. Zu allem Überfluss taucht dann auch noch ein Mädchen auf, das Lizzy zum Verwechseln ähnlich sieht. Jetzt gilt es die Ruhe zu bewahren, um rauszufinden, was hinter all den Rätseln steckt.  Weiterlesen

Rezension: „Rendezvous in zehn Jahren“ von Judith Pinnow

Buchcover
„Rendezvous in zehn Jahren“ von Judith Pinnow (Bildrechte: Ullstein Buchverlage)

„Sie hatte oft das Gefühl, anders zu sein als andere, die ihr Leben in einer ‚richtigen‘ Reihenfolge lebten.“

(Seite 7)

Inhalt: Valerie lernt den Niederländer Ted in Amsterdam kennen. Es ist die typische Zufallsbegegnung und beide sind sich sofort sympatisch. Warum also nicht einen verrückten Plan schmieden und sich auf ein Treffen verabreden – in 10 Jahren – um zu sehen, was aus den eigenen Träumen geworden ist. Dumm nur, wenn man feststellt, dass 10 Jahre eine viel zu lange Zeit ist, wenn man den anderen nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Weiterlesen

Rezension: „Die Schule am Meer“ von Sandra Lüpkes

Cover "Schule am Meer"

Cover „Die Schule am Meer“ von Sandra Lüpkes

„Doch im Leben geht es nicht um Angst. Auf den Mut kommt es an.“ (S.559)

Inhalt: Auf Juist entsteht in den 1920er Jahren eine reformpädagogische Schule, in der sich die verschiedensten Schüler aber auch Lehrer zusammenfinden, um ein Leben in der Natur und mit freiheitlichen Gedanken zu führen. Die Schule steht vielen l gegenüber und muss sich im Laufe der Jahre mit vielen persönlichen und politischen Problemen auseinandersetzen  – bis es in den 1930er Jahren um viel mehr als nur eine Schule geht. Schließlich leben Juden, Kommunisten und Freigeister gemeinschaftlich zusammen.

Leseeindruck: Dieser Roman liest sich wirklich locker leicht weg. Seite um Seite lernt man, angefangen von der Lehrerin Anni Reiner, immer mehr Schüler und Lehrer der neuen Schule kennen. Und in den meisten Fällen auch schätzen. Die Charaktere sind so bunt und verschieden wie auch die Schule selbst. Man merkt richtig, wie alle vor Ideen nur so strotzen und am liebsten Bäume ausreisen wollen. Genauso lebendig kommt der rauhe Charme der Nordsee rüber. Ich als eingefleischter Flachländer habe mir hin und wieder gedacht, dass mir das Leben auf so einer abgelegenen Nordseeinsel vor fast 100 Jahren bestimmt zu beschwerlich wäre. Aber genau das habe ich an diesem Roman so gemocht. Kaum liest man einen Satz, fühlt man sich wieder durch Raum und Zeit katapultiert und darf stiller Beobachter dieser besonderen Gemeinschaft sein. Wer die politischen Vorgänge der 1920er und 30er in Deutschland kennt, wird nicht überrascht sein, welche Entwicklung die Schule zwangsläufig nimmt. Mir gefällt jedoch wie die Auswirkungen der gesamtpolitischen Ereignisse auf die Insel und die Schule im ganz speziellen dargestellt werden. Im Zeitraum eines Jahrzehnts kann man mitverfolgen wie Prinzipen verteidigt, aber auch mit Füßen getreten werden. Beides wird eindrücklich und nachvollziehbar für jeden aufgezeigt. Unausweichlich kam mir der Gedanke, dass auch wir uns heute immer wieder die Frage stellen müssen, zu welcher Gruppe man selbst gehören will. Auch wenn die Geschichte an der einen oder anderen Stelle mit ein paar Längen zu kämpfen hatte, lässt mich doch die Thematik nicht los. Und das schaffen bei mir nicht viele Geschichten. Gerade auch die zahlreichen nicht gesagten Dinge regen zum Nach- und Weiterdenken an. Auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle etwas traurig war, dass ich mir nun selbst einen Reim auf alles machen muss. Genau wie das wahre Leben, da gibt es auch nicht immer auf alles eine Antwort.

Lieblingsnebencharakter: Puh, jetzt wird es schwierig, denn es tauchen so viele tolle Haupt- und Nebencharaktere auf. Allen voran Anni Reiner, die stolz auf sich sein, deren reales Ich aber viel zu wenig Würdigung erfährt, wie es leider bei vielen tollen Frauen der Fall ist. Auch Marje, die glaube ich kein reales Vorbild hat, hat mich wirklich beeindruckt mit ihrem Willen. Beide tragen die Geschichte aber zu sehr, um in dieser Kategorie Beachtung zu finden. Daher soll an dieser Stelle Herr Saathoff, der alte Dorfbewohner genannt werden. Er hielt sich stets im Hintergrund und viel hat man ihm bestimmt nicht zugetraut, aber wie er die Dorf- und Schulgemeinschaft analysiert hat und damit Annii zur Seite gestanden hat, hat mich sehr beeindruckt. Damit sieht man mal wieder, dass man sich über niemanden ein Urteil erlauben darf, den man nicht kennt. Saathoff ist ein toller aufrichtiger Kerl, von denen es immer zu wenige gibt.

Fazit: „Die Schule am Meer“ ist ein super recherchiertes Buch, das vor einer sehr beeindruckenden landschaftlicher und politischer Kulisse spielt. Auch wer, wie ich, reformpädagogischen Konzepten eher kritisch gegenüber steht, wird seinen Spaß haben. Nie hört man einen belehrenden Ton und man lernt eine Menge dazu. Das ist das wirkliche Plus des Buches. Leider gibt es an der einen oder anderen Stelle ein paar erzählerische Längen, trotzdem gibts eine klare Leseempfehlung von mir, da Historie hier super mit Fiktion gepaart wurde, ohne künstlich zu sein. Noch dazu regt das Buch trotz des leichten Tons zum Nachdenken an. Ich bin mir sicher, dass ich „Die Schule am Meer“ so schnell nicht vergessen werde.

Bewertung

4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben

Titel: Die Schule am Meer 
Autorin: Sandra Lüpkes
Verlag: Kindler (Rowohlt)
Ausgabe: Hardcover (22,- Euro)
ISBN: 9783463407227

Vielen Dank an Vorablesen und Rowohlt für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Rezension: „Der Pfau“ von Isabel Bogdan

„Der Pfau“ von Isabel Bogdan (Bildquelle: Kiepenheuer & Witsch)

„Und so verging der Abend in eigenartiger Stimmung. Alle hatten aus unterschiedlichen Gründen ein schlechtes Gewissen, alle hätten es gern wiedergutgemacht, alle bemühten sich und waren freundlich.“ (S.215)

Inhalt: Ein, sagen wir, verrückt gewordener Pfau bringt das Teamseminar einer englischen Bankergruppe gehörig durcheinander. Und das alles nur, weil er auf blaue Dinge etwas seltsam reagiert. Man könnte aber auch sagen: Ein Missverständnis jagt das nächste :-)

Leseeindruck: Was für ein Spaß! Das Buch ist komisch, originell, witzig ohne sich dabei in Blödeleien zu verlieren. Ich liebe es! Ich gebe zu, dass ich bei diesem Cover von etwas schwerer Kost ausgegangen bin. (Warum, weiß ich jetzt auch nicht mehr.) Daher lag das Buch – viel zu lange – auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich brauchte ein schmales Büchlein für einen Ausflug und wurde von diesem kleinen Buch wahrlich überrascht. Da ich überhaupt keine Erwartungen an die Story oder das Genre hatte, hat mich schon der Einstieg überrascht: Der Erzähler ist so … tja, britisch, eine andere Beschreibung fällt mir im Moment nicht ein. Mit bissiger Beobachtungsgabe erzählt er dem Leser, was auf dem schottischen Anwesen der McIntoshs so vor sich geht. Ihm entgeht dabei nicht die kleinste Gefühlsregung und der Leser darf an allen Geheimnissen teilhaben, während die Figuren natürlich weiter im dunklen tappen und von einem Missverständnis nächste stolpern. Einfach herrlich.
Die Geschichte wird durchgehend in der 3. Person erzählt und kein einziges Mal wird die wörtliche Rede verwendet. Man könnte jetzt meinen, dass diese Erzählweise Distanz zum Leser herstellt, durch die lockere Art des Erzählers geschieht aber genau das Gegenteil. Man schließt die Figuren ins Herz, da man ja so einiges über sie erfährt, was ihre Mitmenschen noch nicht wissen. Man darf also von Anfang an Mitwisser sein.
Obwohl eine kuriose Szene die nächste jagt, wird es nie albern. Vielmehr zeigen sich nach und nach die wahren Charakterzüge der Bänker und man bekommt einen Einblick in die Dynamik der Gruppe. Hin und wieder hätte ich den Figuren gern zugerufen: Meine Güte, jetzt redet doch miteinander! Aber dann wäre der Spaß doch viel zu schnell vorüber gewesen. Die Story lebt wirklich von den falschen Annahmen und Spekulationen der Figuren. Ich will hier auch nicht zu viel vorweg nehmen, denn es passieren wahrlich abenteuerliche Dinge. Kaum glaubt man, den Höhepunkt erreicht zu haben, passiert noch etwas Verrücktes, Komisches und in jedem Fall Überraschendes. Eines kann ich vielleicht schon verraten: Die größte Überraschung erlebt man am Ende. Ich habe selten über einen letzten Satz so laut gelacht. Die Geschichte hat im wahrsten Sinne des Wortes vom ersten bis zum letzten Satz Spaß gemacht.

Lieblingsnebencharakter: Generell haben mir die Tiere der McIntoshs und auch der Hund der Bänkerin sehr gut gefallen. Die kleinen Kerle haben es wirklich nicht einfach, die Macken ihrer Herrschen zu verstehen und aus ihnen schlau zu werden. Besonders die Szenen aus Mervyns Sicht, dem Hund der Bänkerin Liz, haben mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Der kleine Kerl hat, als Einziger, den Durchblick und weiß genau, wer was gemacht hat, nur wer hört schon auf einen Hund? In jedem Fall muss der kleine so einiges einstecken an dem Wochenende. „Mervyn schlich mit eingezogenem Schwanz hinterdrein und verstand immer noch nicht, was er falsch gemacht hatte.“ (S. 76) Mit solchen Szenen hat er es sich wirklich verdient Lieblingsnebencharakter zu sein.

Fazit: Dieses Buch empfehle ich wirklich gern. Es macht Spaß. Es ist originell. Es lohnt sich einfach. Voller Lobes gibt es großartige 5 Sterne.

Bewertung:
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Der Pfau
Autorin: Isabel Bogdan
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462048001
Ausgabe: Hardcover (18,99 EUR)

Rezension: „Smoke“ von Dan Vyleta

„Smoke“ von Dan Vyleta (Bildquelle: carl’s books)

„Rauch ist, in jedem Fall, sehr leicht zu lesen. Er ist die lebendige Manifestation des Verfalls. Der Sünde.“ (S. 40)

Inhalt: Rauch beherrscht das Leben im England des 19. Jahrhunderts. Es ist ein ganz besonderer Rauch, einer der jede Bosheit und Verfehlung sichtbar macht. Rauch ist schlecht und soll unter allen Umständen vermieden werden. Am besten natürlich durch tugendhaftes Verhalten.
Die jungen Schüler Charlie und Thomas gehen auf ein Eliteinternat und beginnen die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Wo kommt er her und was macht er mit den Menschen? Dabei stoßen sie auf eine Menge Geheimnisse innerhalb der Gesellschaft, die sie in Gefahr bringen.

Leseeindruck: Die Ausgangssituation hat mir sehr gut gefallen. Rauch, der Verfehlungen anzeigt und somit auch die Innenwelt der Menschen äußerlich sichtbar macht. In dieser Welt kann kaum eine Figur ihre Gedanken für sich behalten.
Schnell wird klar, dass es rund um den Rauch Geheimnisse gibt, die nur eine kleine elitäre Gruppe kennt. Leider liegt für mich genau hier das größte Manko der Geschichte. Mir war nicht immer klar, wer welche Ziele verfolgt, oder was genau die einzelnen Charaktere über den Rauch wissen oder auch, was sie bewirken wollen.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte zu sehr verstrickt, wenn nicht sogar verworren. Es gibt einfach zu viele Charaktere, die unterschiedliche Dinge wollen, ohne dass mir die Motive immer ganz klar waren. Daher bin ich leider auch mit keinem der Charaktere so richtig warm geworden. Gerade von Thomas hätte ich mir mehr erwartet. Er hat durch seine familiäre Vorgeschichte mehr zu bieten, als die Geschichte zeigt.

All die kleinen Defizite haben leider dazu geführt, dass ich sehr lange für den Roman gebraucht habe. Immer wieder habe ich Lesepausen eingelegt, da die Handlung nicht recht in Fahrt gekommen ist. Natürlich fällt es dadurch auch wieder schwer, den Überblick über die Figuren zu behalten. Ein wahrer Teufelskreis.

Ich will aber auch nicht den Eindruck erwecken, als würde die Story überhaupt keinen Spaß machen. Das Milieu, rund um die adeligen Kinder, die sich nun auch mit dem einfachen Volk auseinandersetzen müssen, bietet eine Menge Konfliktpotential. Auch die Dreiecksbeziehung zwischen Thomas, Charlie und Livia sorgt genauso für Spannung wie die zahlreichen Verschwörungen und Intrigen.
Die Erzählstruktur hat auch einen Pluspunkt verdient. Die Mehrzahl der Kapitel ist zwar ganz klassisch in der 3. Person verfasst, es gibt aber auch eine Menge Kapitel, die in der 1. Person verfasst sind. Dabei lernt der Leser eine ganze Reihe verschiedenster Nebencharaktere kennen, deren Perspektive hier eingenommen wird.

Lieblingsnebencharakter: Wirklich beeindruckt hat mich die kleine Eleanor.  Sie musste so viel Leid ertragen, dass es kaum auszuhalten war. Die Szenen mit ihr gehören für mich eindeutig zu den emotionalsten der ganzen Geschichte.

Fazit: Eine phantastische Geschichte, die mit unserer Vorstellung von Moral spielt. Der Leser begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins England des 19. Jahrhunderts.
Leider ist die Story an der einen oder anderen Stelle etwas überladen, womit die Gefahr besteht, den Überblick über die Figuren und deren Absichten zu verlieren.
Wer an der Story dran bleibt und seine Sympathien an einen der Charaktere vergeben kann, wird sicher seinen Spaß haben.

Bewertung
3 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta (Übersetzung Katrin Segerer)
Verlag: carl’s books
ISBN: 9784570585689
Ausgabe: Paperback (16,99 EUR)

Vielen Dank an das bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Gemeinsam lesen: „Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz Zafón

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese im Moment „Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz Zafón (S.Fischer) und bin auf Seite 126 von 939.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Er ging jeden Tag zum Nordbahnhof, wo er Stunden damit verbrachte, die Schließfächer der Gepäckaufbewahrung in der Halle zu betrachten beziehungsweise zu überwachen.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

„Das Labyrinth der Lichter“ ist der letzte Band der Barcelona-Saga von Carlos Ruiz Zafón. Ich habe bisher noch nicht alle Teile der Reihe gelesen, sondern nur Band 3 („Der Gefangene des Himmels“) und es ist genau wie der Autor auch selbst sagt: Man kann die Bände in einer beliebigen Reihenfolge lesen und trotzdem funktionieren sie. Der Zauber der Geschichte kommt wieder wunderbar zum tragen. Dieser Teil der Geschichte führt die letzten Fäden der Geschichte zusammen. Oder wie in meinem Fall: Ich lerne nach und nach mehr über die Figuren der Geschichte.
Der Hauptteil der Geschichte spielt bisher 1959 in Barcelona. Fermín, Mauricio Valls und auch die Buchhandlung Sempere & Söhne spielen wieder eine Rolle. Es geht um Intrigen, Geheimnisse und natürlich auch politische Verwicklungen vom zweiten Weltkrieg bis zur Franco-Ära. Bisher gefällt mir „Das Labyrinth der Lichter wirklich gut. Auch, wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich eines der „Barcelonabücher“ gelesen habe, war ich doch sofort wieder drin in der Story. Carlos Ruiz Zafón ist ein Meister darin Geschichten zu erzählen. Die Figuren sind vielschichtig und bieten eine Menge Stoff für die weiteren Seiten. Ich denke es wartet wieder eine komplexe Handlung auf mich, auf die ich mich gern einlasse. Hoffentlich komme ich so gut voran, wie bisher.

4. Ist es dir wichtig auch andere Menschen (z.B. deine eigenen Kinder, Freunde, Kollegen, Familie, etc.) fürs Lesen zu begeistern?

Es freut mich immer, wenn auch die Menschen in meiner Umgebung zum Buch greifen und im Idealfall kann man dann auch über die gelesenen Bücher plaudern, oder Tipps austauschen. Also ja, ich tue mein bestes, damit auch andere ihre Freizeit zum Lesen nutzen. Zum Glück bin ich in meinem Freundeskreis nicht die einzige Leseratte :-) Ich bin auch der Meinung, dass es für jeden (auch Lesemuffel) ein passendes Buch gibt, man muss es eben nur finden. Beim Lesen geht es schließlich in erster Linie um gute Geschichten und darunter versteht ja jeder etwas anderes. Es ist mir auch zunächst egal, was die Leute lesen, Hauptsache, es gibt überhaupt Bücher im Haushalt.

Wer mehr erfahren will: Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher.

Lasst mir gern einen Kommentar da, was ihr gerade so lest.

Rezension: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling

„Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling (Bildquelle: Penguin Verlag)

„Wir können es machen wie alle anderen Buchhandlungen, oder wir konzentrieren uns darauf etwas Besonderes zu sein. Wir könnten die Adresse für Liebesromane werden.“ (S. 71)

Inhalt: Die Buchhandlung in Bloomsbury läuft nicht gerade gut und ist auch schon ziemlich heruntergekommen, aber er ist Posys Leben. Sie ist quasi dort aufgewachsen, also stellt sie sich der Herausforderung, als sie den Laden erbt. In Posys Leben gab es bisher viele Rückschläge, aber mit Liebesromanen kennt sie sich aus, deshalb plant sie eine ganz besondere Buchhandlung, in der es nur Liebesromane geben soll. Nur leider sieht Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, das alles ein wenig anders. Es beginnt eine Geschichte, die auch eine Menge Stoff für Posys eigenen Liebesroman bietet.

Leseeindruck: Ok, der Titel und auch die Covergestaltung deuten schon darauf hin, dass man es hier nicht mit großer anspruchsvoller Literatur zu tun haben, aber dennoch hatte ich eine Menge Spaß mit dem Buch. Hin und wieder braucht man auch mal ein Buch fürs Herz und Gemüt. Genau so ein Buch ist „Der kleine Laden der einsamen Herzen“. Im Prinzip kann man sich zwar von Anfang an vorstellen, wie alles ausgehen wird, aber der Weg dahin ist doch das eigentlich unterhaltende. Mit viel Charme und Witz verfolgt man Posys Weg zum Glück. Es gilt einige Rückschläge einzustecken und dabei nie den Mut zu verlieren. Ich hatte durchweg ein gutes Gefühl beim Lesen und dachte: Ach, ist das schön. :-) Ok, einen großen Anteil daran hat natürlich der Schauplatz der Geschichte, denn die meiste Zeit bewegen wir uns in der kleinen beschaulichen Buchhandlung „Bookends“. Also war es um mich geschehen und ich habe mein Herz an die Buchhandlung verloren. Nicht nur mit Sebastian, Posy oder einem der anderen liebenswerten Figuren, habe ich mitgefiebert. Ich wollte immer wissen, wie es mit „Bookends“ weitergeht. Eine Buchhandlung die mit viel Liebe und Idealismus geführt wurde und die Posy nun mit ihrer ganz eigenen Art weiterführen will. Mir hat es gefallen, wie diese Entwicklung dargestellt wurde. Bei allem Kitsch und vielen Klischees, die hier auch zu finden sind, würde ich der Buchhandlung sofort einen Besuch abstatten, wenn es sie gäbe :-) Man nimmt Posy einfach ihr Faible für Liebesromane ab.

Wenn man sich einmal auf die Story einlässt und einem klar ist, dass dieses Buch einfach nur für kurze Zeit unterhalten will, ohne dem Leser eine große Botschaft mit auf den Weg zu geben, sorgt auch die Handlung der zweiten Erzählebene für eine Menge Spaß. Darin dürfen wir in Posys eigenem „Schundroman“ lesen. Einfach nur herrlich wie sie ihr eigenes Leben in einen historischen Nackenbeißerroman verwandelt. (Natürlich mit Sebastian als amourösen Held)
Ich glaube die Autorin hatte selbst eine Menge Spaß beim Schreiben, denn so ist es ihr doch tatsächlich ein amüsanter Genremix aus verschiedenen Liebesromanen gelungen.

Natürlich gibt es auch ernste Momente, die eben auch zum Leben gehören. In meinen Augen ist der Autorin die Balance zwischen Drama und Komödie hier gut gelungen. Die Emotionen kommen in keinem Fall zu kurz. Die Charaktere sind zwar recht stereotyp, aber sie haben alle ihre persönlichen Eigenheiten, die sie besonders machen. Dabei habe ich -natürlich- das Personal der Buchhandlung besonders in mein Herz geschlossen. In diesem Roman konnte ich schnell meine Sympathien verteilen und lag auch (kaum) daneben mit meinen Einschätzungen.

Lieblingsnebencharakter: Ach, ich mochte Verity, eine der Angestellten gern. Sie arbeitet zwar in der Buchhandlung, verabscheut aber Kundenkontakt und kümmert sich daher um die Finanzen. Großartig, wie ihre Abneigung gegen andere Menschen dargestellt wird. Man möchte ihr zurufen: „Augen auf bei der Berufswahl“ ;-) Trotzdem ist sie sympathisch, da sie sich ihrer Schwäche bewusst ist, und Posy mit dem Blick über die Finanzen unter die Arme greift. Es hat eben jeder andere Stärken. Wirklich im Gedächtnis geblieben ist mir aber Lavinia (die Vorbesitzerin), die so liebevoll auch nach ihrem Tod noch die Fäden in der Hand behalten hat. Dass ich mich nicht so recht entscheiden kann, zeigt nur, dass Posy ohne ihre Familie und Freunde aufgeschmissen wäre :-)

Fazit: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ ist wahrlich was fürs Leserherz. Ein Buch, dass einen für ein paar Stunden wunderbar unterhält und einen dabei auch noch mit in eine bezaubernde Buchhandlung nimmt. Man sollte sich im Klaren sein, dass einen hier keine allzu anspruchsvolle Literatur erwartet, vielmehr eine romantische Liebesgeschichte mit viel Charme. Wer mit dieser Erwartungshaltung das Buch aufschlägt, wird wunderbar unterhalten werden. An der einen oder anderen Stelle ist die Story vorhersehbar, deshalb gibt es gute 4 Sterne von mir.

PS: Übrigens soll „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ der erste Band einer Reihe sein. Dann bin ich mal gespannt, wie es mit der Buchhandlung und Posy weitergeht.

Bewertung:

4 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Der kleine Laden der einsamen Herzen“
Autorin: Annie Darling (Übersetzung: Andrea Brandl)
Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100980
Ausgabe: Taschenbuch (Preis: 10,00 €)

Rezension: „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde (Bildquelle: btb)

„Allein ist sie nichts, ein so kleines Bruchstück, dass es keine Bedeutung hat, gemeinsam mit den anderen jedoch ist sie alles. Denn gemeinsam sind sie der Stock.“ (S. 228)

Inhalt: Drei Schicksale in drei Ländern und drei Jahrhunderten. Tao (im Jahr 2098 in China), William (im Jahr 2007 in Ohio) und George (im Jahr 1852 in England) kämpfen jeweils mit den Umständen ihrer Zeit. So unterschiedlich die drei Ebenen auch sind, verbindet sie eins: Die Geschichte der Bienen. Wir blicken quasi in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bienen. Eine wechselvolle Geschichte, die sich auch im Leben der Familien widerspiegelt.

Leseeindruck: Bücher über Bienen gibt es ja im Moment zuhauf aber in Form eines Romans habe ich noch keines in die Hände bekommen. Das Thema Bienen interessiert mich schon seit geraumer Zeit. Die kleinen Insekten sind einfach zu wichtig für uns Menschen und das nicht (nur) wegen des leckeren Frühstückshonig ;-) Ohne Bienen gibt es (fast) niemanden, der unsere Pflanzen bestäubt und damit auch nix zu futtern für uns Menschen. Ich war also mehr als neugierig, wie diese Thematik in einem Roman verarbeitet werden würde.
Von der ersten Seite an konnte ich das Buch kaum weglegen. Die drei Geschichten um Tao, George und William haben mich alle angesprochen. Die Erzählstruktur trägt dabei einiges zum Leseerlebnis bei, denn die Hauptfigur und somit auch der Schauplatz wechselt mit jedem Kapitel. Obwohl so die einzelnen Geschichten immer wieder unterbrochen werden, hat mich das doch kein bisschen gestört. Vielmehr wurde ich mit jeder Seite neugieriger wie nun alles zusammenhängt und wie die Probleme der einzelnen Ebenen nun gelöst werden. Es gab immer wieder Neues zu den Bienen aber auch zu den Figuren in Erfahrung zu bringen. Außerdem war ich von Beginn an neugierig wie die Geschichten vielleicht miteinander verwoben sind. Aber lest selbst :-)

Obwohl die Geschichten jeweils etwa ein Jahrhundert trennt, haben sie doch so viel gemeinsam. Die Themen Familie, Liebe und die eigene Existenz spielen eine bedeutende Rolle und werden auf wundervolle Weise beschrieben. In jeder Zeit müssen sich die Charaktere mit Konflikten auseinandersetzten und mit den jeweiligen Anforderungen der Gesellschaft klarkommen. Am meisten fasziniert hat mich da Taos Geschichte im China der Zukunft. Ihre Welt ist so vollkommen anders als unsere Gegenwart, in jedem Fall emotional und körperlich härter, eine gravierende gesellschaftliche Veränderung, die hauptsächlich durch das Fehlen der Bienen begründet ist. Für mich war das eine erschreckende Zukunftsvision, die hoffentlich keine Realität wird. Aber auch die anderen beiden Erzählebenen sind sehr emotional und legen die Gefühlswelt der Figuren offen.

Einer der größten Pluspunkte des Buches ist für mich aber, dass man so ganz nebenbei in liebevolle Sätze verpackt etwas über die Geschichte der Bienen erfährt und welchen Einfluss die Bienen auf das Leben der Menschen haben (und umgekehrt). Ich habe unheimlich viel über die Haltung der kleinen Insekten erfahren. Im Vergleich der verschieden Erzählebenen kann man sich außerdem noch ein Bild davon machen, wie sich das alles über die Jahrhunderte verändert hat. Ich habe den Roman in dieser Hinsicht als schonungslos empfunden. So leiden nicht nur die Bienen, sondern mit ihnen die Charaktere im Buch und damit habe auch ich beim Lesen (mit)gelitten.

Lieblingsnebencharakter: Man müsste ja fast drei verschiedene Charaktere nennen, denn man liest ja quasi drei unterschiedliche Geschichten. Trotzdem ist mir eine Figur besonders im Gedächtnis geblieben. Ihre Rolle ist klein und in meinen Augen doch so bedeutend für die Verbindung der Geschichten. Williams Tochter Charlotte mochte ich von ihrem ersten Auftreten an. Kein Wunder bei ihrer Hingabe für die Bienen. Ihre Person spannt in gewisser Weise einen Bogen über alle drei Geschichten. Dieses kleine Detail ist vielleicht nicht entscheidend für den Ausgang und die Aussage der Geschichte, macht Charlotte aber doch zu einem besonderen Charakter in meinen Augen.

Fazit: Leute lest dieses Buch! Ihr werdet Bienen ab sofort mit anderen Augen sehen und euch über jedes kleine Exemplar auf der Wiese freuen. Man lernt so viel, ohne dass man sich belehrt fühlt und noch dazu wird alles Wissenswertes auch noch in drei berührende Familiengeschichten verpackt. An den Charakteren im Buch wird symbolisch sichtbar, dass es den Menschen nur gut geht, wenn es auch den Bienen an nichts fehlt. Eine Botschaft, die ich nach dem Lesen jedem nur ans Herz legen kann. Dieses Buch regt zum Nachdenken an und das gleich auf mehreren Ebenen. Da mich das Buch nun auch nach mehreren Wochen nicht mehr loslässt kann ich nicht einfach 5 Sterne vergeben. Dieses Buch ist ein wieder ein wahres Herzensbuch für mich. Also nochmal: Lest dieses Buch!

Bewertung
5 out of 5 stars

Bibliographische Angaben:
Titel: „Die Geschichte der Bienen“
Autorin: Maja Lunde (Übersetzung: Ursel Allenstein)
Verlag: btb
ISBN: 9783442756841
Ausgabe: Hardcover (20,00 EUR)